
Markus Schmidt und Kevin Faust wollten beide schon als kleine Jungen einen eigenen Bauernhof. Nach unterschiedlichsten Stationen haben sie 2015 ein Start-up gegründet, das fast ganz nebenbei die besten Eier und die glücklichsten Hühner mitten in der Natur produziert: total öko und nachhaltig. Dirk Becker über Ganzheitlichkeit in der Landwirtschaft und die Chancen der Veränderung.
Schwalbenhof Bad Schwalbach: Ein Start-up im Rheingaugebirge
Bei Start-ups denkt man allzu gern an Silicon Valley und das Internet. Die beiden jungen Männer, Markus Schmidt und Kevin Faust, waren davon schon damals weit entfernt. Ihr Start-up steht in Hohenstein-Steckenroth hinter dem Sportplatz links, nicht im Valley, sondern im Rheingaugebirge. Es begann mit der Frage, wie man besser Ackerbau betreibt und Humus aufbaut, was für Landwirtinnen und Landwirte in Zeiten des Klimawandels eine entscheidende Frage ist. Schmidt und Faust kamen auf die Idee, dass 300 Hühner idealen Dünger liefern könnten, und investierten in ein Hühnermobil, das ihren hohen Ansprüchen und einer Bio-Zertifizierung gerecht werden musste. Sie wollten schließlich nicht irgendein Ei verkaufen, sondern das beste Ei vom glücklichsten Huhn. Es war der Startschuss für eine kontinuierliche Entwicklung von »Wir haben zu wenig Hühner« über »Wir haben zu viele Eier«, »Wir haben zu wenige Kunden«, »Wir machen zu wenig Marketing« und »Unsere Tage haben zu wenige Stunden« bis hin zu »Shit, wir sind schon wieder ausverkauft!« – kurz: der normale Wahnsinn.
Von 300 auf fast 4.500 Hühner
Über zehn Jahre später sind aus den 300 Hühnern fast 4.500 Hühner geworden und jedes Ei erzielt einen Verkaufspreis im Supermarkt von 60 Cent. Das ist großartig, wenn man bedenkt, dass die meisten Deutschen bei Lebensmitteln zum Sparen neigen. Der Preis kommt allen zugute: den Hühnern, den Konsumierenden und den beiden Landwirten. Wer die Hühner – natürlich auch Schmidt und Faust – einmal auf dem Land besucht, versteht, warum die Eier jeden Cent wert sind. Hier spricht man nicht von Tierwohl, sondern von einem idealen Zustand für die Tiere.
Hühnermobile für mehr Tierwohl
Der Auslauf ist riesig, und etwa alle sechs Wochen wird der Standort des Mobils verändert, damit die Hühner sich über eine neue Grünfläche hermachen können. Das gerade neu erworbene Hühnermobil eines österreichischen Herstellers, das dem Wert eines Eigenheims entspricht, ist für bis zu 2.000 Tiere ausgelegt und hat zwei Balkone. Falls es durch die Vogelgrippe einmal zu einem Shutdown für die Tiere kommen sollte, haben sie noch immer genug Auslauf. Im Normalfall verbringen sie jedoch ihre Tage im Freien. Viel kleiner dimensioniert ist das Hühnermobil der ersten Stunde: Gerade einmal 300 Hühner finden hier ihr Zuhause und werden draußen von Ziegen bewacht, die den Habicht fernhalten sollen.
Glückliche Hühner und erstklassige Bio-Eier
»Momentan verstehen noch nicht alle, dass diese Art, Tiere zu halten, tatsächlich die beste ist. Die Tiere danken es mit Produktivität, weniger Krankheiten und einem erstklassigen Geschmack der Eier. Das ist genau das, was wir wollen.« Doch längst ist das Start-up kein Hidden Champion mehr. Edeka Nolte in Wiesbaden bezieht – ohne Preisdiskussionen – die Eier, und auch der Eierautomat direkt auf dem Hof ist extrem gut besucht, interessanterweise während der Coronapandemie sogar mehr als sonst. Vielleicht haben die Menschen nun doch endlich einmal Zeit, darüber nachzudenken, wie sie leben wollen. Ganz im Sinne des Sprichworts: »Du bist, was du isst.« Da geht es dem Menschen nicht anders als dem Huhn.

Schwalbenhof Bioland-Betrieb Am Schänzchen 40 65307 Bad Schwalbach
Zu haben sind die Kleinod-Eier bei Edeka Nolte in Wiesbaden:
Karlsbader Platz 4/Danziger Straße 24/Bierstadter Straße 53
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