
Der Kreuzberger Himmel ist ein stylishes Restaurant mit exzellenter arabischer Küche und einem begehrten Cateringservice. Und er ist ein friedlicher Ort der Begegnung, der beweist, dass Integration gelingt, wenn man Menschen Chancen gibt. Hier arbeiten Geflüchtete aus aller Welt Hand in Hand: Muslime, Christen, Hindus und Juden.
Was im Kreuzberger Himmel auf den Tisch kommt, ist frisch, aromatisch, ehrlich. Zubereitet mit Leidenschaft, serviert mit Stolz. So beschreibt es das Team selbst. Dabei ist die Fluktuation hoch – und soll es sein. »Die Intention des Himmels ist ja, Leuten, die auf dem ersten Arbeitsmarkt wenig oder keine Chancen haben, den Einstieg ins Berufsleben und damit in die ökonomische Selbstständigkeit zu ermöglichen. Wir helfen beim Ankommen«, sagt Andreas Tölke, Gründer des Vereins ›Be an Angel‹, dessen Leuchtturmprojekt der ›Himmel‹ ist. Im Flüchtlingsjahr 2015 gab der Kultur-Journalist sein Luxusleben auf fürs Geben. Erst nahm er ganze Familien bei sich auf und organisierte gemeinsam mit den Engeln Hilfe bei Sprachkursen, Anträgen und Behördengängen. Dann bekam der Verein unverhofft den Zuschlag für das Restaurant der katholischen Kirchengemeinde Sankt Bonifatius: »Und dann hatten wir von null auf gleich ein Restaurant mit 100 Sitzplätzen und keine Ahnung von Gastronomie«, lacht Tölke.

Humor, Lachen und Lernen sind die Grundzutaten im ›Himmel‹. Er ist Restaurant, Event-Location und Nachbarschaftstreff zugleich. Da wird der Schabbat als offener Abend für alle gefeiert. Da kochen Jugendliche mit Fluchterfahrung gemeinsam mit deutschen Jugendlichen heimatliche Leibspeisen. Motto: Meet and Eat. Dem folgen auch die Charity-Abende mit Bibiana Beglau, Meike Rötzer und Johann von Bülow, das nächste Mal am 10. Oktober 2026. Dann erzählen die Schauspiel-Stars alles über Gotthold Ephraim Lessings Stück ›Nathan der Weise‹. Das Drama um Toleranz, Menschlichkeit und die Gleichwertigkeit der Religionen ist fast 250 Jahre alt und brandaktuell.
Das Restaurant und der Cateringservice tragen sich inzwischen selbst. Und dank der regelmäßigen Zuwendungen des Filmproduzenten Oliver Rihs, Regisseur des Kultfilms ›Schwarze Schafe‹, kann das Team seinerseits helfen – mit dem Projekt ›Geflüchtete kochen für Obdachlose‹.

Der Kreuzberger Himmel ist gelebte Zivilgesellschaft, sagen die beiden Geschäftsführer. Bakri Kamurgi war in Syrien Rechtsanwalt. Er ist seit 2018 dabei und leitet den Laden. Andreas Tölke ist viel in der Ukraine. Dort hilft „Be an Angel‹ seit Beginn der russischen Invasion Binnenflüchtlingen und leistet humanitäre Hilfe. Dafür braucht der Verein Spenden, Spenden, Spenden.
Andreas Tölke hat nichts dagegen, Gutmensch genannt zu werden. Aber, meint er: »Es gibt ja Hunderttausende wie mich in Deutschland. Die gehören nach vorne gestellt. Wir kriegen von Politik und Verwaltung Schulterklopfen für die eigene Lebensleistung. Aber uns reinzuholen als Experten in Gremien, in Ausschüsse, wenn es um Wirtschaftsfragen geht, auf die Idee kommt keiner.« Zu gern würde er auch in Talkshows mit PolitikerInnen darüber streiten, wieso Geflüchtete nicht arbeiten sollen, während der Gastronomie das Personal fehlt. Und warum eine versäumte Frist für BürgerInnen großen Ärger bringt, »die Behörden aber umgekehrt gerade mit Asylbewerbern eher so umgehen, als ob Fristen völlig irrelevant sind.« Sagt’s und legt auf. Er steckt im ukrainischen Cherson, zwischen zwei Luftalarmen. Im Kreuzberger Himmel wird es kurz still.

Yorckstraße 89, 10965 Berlin
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