Schönheit und Wandel

Gerade aus einem Einsatz in Tadschikistan & Usbekistan zurück, beantwortet Wiesbadens renommiertester plastischer Chirurg, Dr. Nuri Alamuti, unsere Fragen zu Schönheitsidealen und Körperkult. Er sprach mit Tabea Becker über seine eigenen Werte und Auffassungen und erzählt von 27 Jahren im Beruf.

Foto: Alamuti & Scholz

Was ist der Unterschied zwischen plastischer und ästhetischer Chirurgie?

Der Unterschied zwischen einem plastischen und einem ästhetischen Chirurgen ist, dass der ästhetische Chirurg oftmals gar kein Chirurg ist. Fachfremde Menschen oder Heilpraktiker sind aus wirtschaftlichen Gründen auf die ästhetische Welle aufgesprungen. Die klassische plastische Chirurgie ist ein chirurgisches Ausbildungsprogramm, welches man nach seinem abgeschlossenen Medizinstudium absolviert. Da dieses allerdings sechs Jahre dauert, umgehen viele diesen Weg und nehmen die Berufsbezeichnung ästhetischer Chirurg an. Das ist oft irreführend für die Patienten.

Wie unterscheidet sich ein plastischer Chirurg von einem Schönheitschirurgen (z. B. in der Ausbildung)?

Der Begriff des Schönheitschirurgen ist noch absurder. Den Begriff der Schönheitschirurgie gibt es als medizinischen Fachterminus oder als Facharztbezeichnung nicht. Das sind Stilblüten und Fantasienamen, die die Leute sich geben, um Geld zu verdienen.

Plastische Chirurgie zwischen Körperkult und Wiederherstellung: Wie hat sich das proportional entwickelt?

Als ich den Beruf erlernt habe in den Neunzigerjahren, hatte ich wirklich vor, Menschen mit Entstellungen, Fehlbildungen oder bei krankheits- oder unfallbedingten Problemen zu helfen. Damals nahm der rein ästhetische Aspekt höchstens 10–20 % der Operationen ein. Der dann aufkommende Körperkult und das daraus resultierende Bedürfnis nach Selbstoptimierung hat dies gerade in den letzten Jahren sehr verschoben. Die Patient*innen werden, gerade auch durch gesellschaftliche Voraussetzungen, immer jünger.
Inzwischen sind es wohl um die 70–80 %, die aus rein ästhetischen und nicht medizinischen Gründen den Weg zu uns in die
Praxis finden.

Die steigende Bedeutung des optimalen Körpers als Sehnsuchtsfläche, zur Sinnstiftung und als Garant sozialer Anerkennung. Was ist Ihre Meinung dazu?

Die Menschen haben immer mehr den Eindruck, dass sie einem Ideal entsprechen müssen und eine etwas krumme Nase oder eine asymmetrische Brust sie zum Außenseiter machen. Soziale Medien fördern das ständige Vergleichen mit den vielen ›perfekten‹ Körpern, die einem auf den Plattformen präsentiert werden. Das Dazugehören zur Gesellschaft, das Mithalten-Wollen mit, mit einer Community, die immer fröhlich und stets am Lachen ist. Dass dies nicht der Realität entspricht, verstehen die meisten nicht und leiden sehr unter dieser verkehrten Wahrnehmung. Das ist sehr oft der Grund, aus dem sie dann – leider – einen plastischen Chirurgen aufsuchen.

Foto: Frauke Bönsch

Gibt es ethische Kriterien in der ästhetisch-plastischen Chirurgie?

Die gibt es natürlich, ja. Zunächst einmal darf man keine minderjährigen Menschen operieren. Potenzielle Patienten, die sich eine
zu große Veränderung wünschen oder ein ganz anderes Aussehen wollen, welches wider die Natur ist, sollten in diesem ungesunden
Streben nicht unterstützt werden. Nach 27 Jahren im Beruf sage ich diesen Leuten ehrlich meine Meinung und versuche ihnen zu erklären, was ein derart entstellender Eingriff mit ihnen machen kann. Auch um sie vor negativem Feedback zu schützen.

Was war die absurdeste Anfrage, die Sie erhalten haben? Und lehnen Sie Eingriffe ab? Wenn ja, aus welchen Gründen?

Natürlich lehnen wir Eingriffe ab. Wenn eine Patientin sich einen viel zu großen Busen wünscht oder eine zu kleine Nase, dann entspricht das nicht unserem eigenen ästhetischen Empfinden und wir lehnen diese Anfragen freundlich ab. Die absurdeste Anfrage
kam von einem Mann, der sich in der Türkei die Nase operieren ließ, welche viel zu klein geworden ist. Er kam auf die Idee, seinen kleinen Finger, welcher in etwa die Länge der Nase hatte, zu opfern. Er bat mich, den Finger zu amputieren und ihm diesen unter die Haut auf der Nase zu implantieren. Er habe dies im Internet recherchiert und hielt es für die Lösung seines Problems. Selbstverständlich habe ich das nicht gemacht und nehme an, dass jeder seriöse Chirurg so gehandelt hätte.

Welche Eingriffe werden am meisten angefragt?

Die Rhinoplastik, also die Nasenkorrektur, ist der bei mir am meisten angefragte Eingriff und die Warteliste ist lang. Vor über 25
Jahren habe ich mich auf dieses Gebiet spezialisiert und habe mir durch Vortragstätigkeiten, Kongressorganisationen, Publikationen und eigenes Forschen überregional und sogar international einen Namen machen können. Aber auch andere Eingriffe rund ums Gesicht und Brustkorrekturen gehören zu meinem Daily Business.

Sie engagieren sich in der plastischen Chirurgie in sogenannten Entwicklungsländern und Kriegsgebieten. Können Sie darüber berichten?

Ich halte es für eine soziale und moralische Verpflichtung, den Wohlstand, den man erreicht hat, weiterzugeben. Ich reise zwei bis
dreimal im Jahr mit verschiedenen Hilfsorganisationen in diese Länder, um zu operieren und dortigen Ärzt*innen mit Fort- und Ausbildung beizustehen. Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder entstellenden Gesichtstumoren operiere ich sehr oft, ebenso
wie Verbrennungsopfer, die durch schrumpfende Narben oftmals unter funktionellen Beschwerden leiden. Ich bin gerade aus Tadschikistan zurückgekehrt und werde im November nach Myanmar fliegen, um vor Ort zu helfen. Die Mischung aus Geschäft, Medizin und Verantwortung kommt bei meinen Patienten gut an. Was aber nicht der Grund ist, aus dem ich es tue. Fakt ist, das ›normale‹ Geschäft mit der Schönheit würde mir nicht genügen und dem Ziel nicht entsprechen, mit dem ich als Arzt angetreten bin.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Alamuti.

Gemeinschaftspraxis für plastische Chirurgie Dr. med. Nuri Alamuti und Dr. med. Dietmar Scholz

Schöne Aussicht 39, 65193 Wiesbaden

0611 5657760

www.alamuti-scholz.de


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