
Als der Diplom-Ingenieur Lothar Schmidt 1994 die Marke Sinn Spezialuhren zu Frankfurt am Main übernahm, kam das einer Neugründung gleich – davon zeugen drei Jahrzehnte erfolgreicher Firmengeschichte. In dem umkämpften Markt entwickelte Schmidt so außergewöhnliche Uhren, dass sich sein Unternehmen weltweit etablieren konnte. Dieser Weg ist eng mit der Persönlichkeit des heutigen Inhabers verbunden. Auf ihn trifft ›von der Pike auf gelernt‹ zu, allerdings ist Schmidt kein Uhrmacher, sondern hatte in den späten 1960er-Jahren bei Bosch eine Ausbildung als Werkzeugmacher abgeschlossen und sattelte direkt ein Maschinenbaustudium darauf.
Mitte der 1970er-Jahre zog es ihn in das Land der Uhrmacher, allerdings zunächst zu einem schweizerischen Maschinenbauunternehmen. Dann wechselte er als Produktionsleiter nach Schaffhausen zu IWC – und blieb bei weiteren Stationen der Branche treu. Er verantwortete in Glashütten gerade den produktionstechnischen Aufbau bei Lange & Söhne, als er erfuhr, dass der Gründer Helmut Sinn sein Unternehmen verkaufen wollte.
Schmidt nahm Kontakt auf – und bei einem ersten Kennenlernen erwarb er seine erste Sinn-Uhr. Es entstand ein vertrauensvolles Verhältnis. So kam es 1994 zum Erwerb der Firma durch Lothar Schmidt. Aus der Schweiz kommend, fiel ihm der Wechsel nicht leicht, gibt er 30 Jahre später zu. »Aber jetzt will ich hier nicht mehr weg.«

»Die Produkte sollen für sich selbst sprechen – nicht irgendeine Imagekampagne«, beschreibt er sein Credo. Mit technischen Innovationen besetzt Sinn Nischen im Markt und gewinnt vor allem ein technikaffines Publikum. Für spezifische Herausforderungen entwickelte Sinn zuverlässige Lösungen – ob es um Tiefseetauchen, Feuerwehr, Spezialeinheiten, Polarforschung oder einen Stratosphärensprung geht. Ganze Einheiten des Bundes werden mit Spezialuhren von Sinn ausgestattet. »Viele Extremsportler kaufen sich die Uhr aus Begeisterung selbst und wir erfahren erst später, das eines unserer Produkte beispielsweise mit im Weltraum war«, erzählt Schmidt.
Wie gut sein Wissen als Ingenieur das seines Uhrmacherteams ergänzte, zeigte eine der ersten Innovationen 1995: eine 22-karätige gelbgoldene Uhr mit einer Materialhärte, die der von Edelstahl entspricht. Die Inspiration hatte er dem Maschinenbau entlehnt. Ein weiteres Beispiel: Damit ein mechanisches Uhrwerk in einer breiten Temperaturrange zuverlässig läuft, muss das Gehäuse absolut trocken bleiben und das verwendete Öl seine Konsistenz stabil halten. Da in der gesamten Welt der Uhrmacher kein Schmiermittel zu finden war, das den Ansprüchen Schmidts genügte, wurde er wiederum im Maschinenbau fündig. Allerdings musste er das Schmiermittel zunächst aus der handelsüblichen Flasche in kleine Gebinde umfüllen, damit die feinsinnigen Uhrmachermeister seiner Werkstatt es akzeptierten.
Mit dem SINN-Spezialöl perfektionierte Sinn 1998 die eigene Trockenhaltetechnik zu einer Funktionssicherheit von − 45 ° bis + 80 ° Celsius. Diese Geschichte ist ein Paradebeispiel für Beharrlichkeit, interdisziplinäres Denken und einen Schuss Raffinesse im Umgang mit Hindernissen – kurz, das Erfolgsrezept Lothar Schmidts. Zugleich bewies er unternehmerisches Gespür, als er eine eigene Gehäusefabrik in Sachsen aufbaute oder eine eigene Infrastruktur für Vertrieb und Wartung der Spezialuhren schuf. Lokalpatriotismus für Frankfurt zeigt er mit der Repräsentanz der Marke auf dem Frankfurter Römerberg sowie mit der Uhrenreihe ›Finanzplatz Frankfurt‹. Und natürlich gibt es eine Edition mit dem Adler der Frankfurter Eintracht.
Inzwischen widmet sich Lothar Schmidt mit großer Leidenschaft einem Hobby: der Pflege von Obstbaumwiesen. Aber über einen Ausstieg bei seiner Marke für Spezialuhren denkt der 75-Jährige noch nicht ernsthaft nach.
Hauptsitz Frankfurt am Main
Wilhelm-Fay-Straße 21, 65936 Frankfurt am Main, 069 978414200
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10–18 Uhr
Repräsentanz Frankfurter Römerberg
Römerberg 34, 60311 Frankfurt am Main, 069 978414650
Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–16 Uhr
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