
Das Erbe der autogerechten Stadt ist längst nicht verdaut, die Kaufhäuser sterben und die Fußgängerzonen darben. Kommunale Belebung ist das Gebot der Stunde und wertvolle Impulse dazu lieferten WiCoPop* und die Designagentur 3deluxe! Besonders zum Titelthema Vitalität passen die Spielplatzkonzepte, ›Playscapes‹ genannt, mit denen auch mal die Bedürfnisse der allerkleinsten Bürger*innen ohne Konsumoption in der City wahrgenommen würden. Und natürlich verbringen Eltern und Großeltern ihre Lebenszeit lieber an schönen Orten, um das Spielen des Nachwuchses zu begleiten. Hinterm brachliegenden Walhalla-Kino mäandert die Hochstättenstraße; eine scheintote Verbindung absoluten Leerstands zwischen Michelsberg und Fußgängerzone, in der es einen auch am Tage gruselt. Hier sollten Kinder und Jugendliche mit ihrem Lachen und lautem Rufen unbedingt gegenhalten dürfen.
In einer Baulücke macht sich dort der Entwurf effektvoll und farbenfroh aus. Ein Playscape ist eine grandiose Interpretation des Stadtmobiliars: eine Fusion aus Spiel- und Sportplatz, Park und Kunstobjekt. Die gewählte Lage ist in sich schon schlüssig, gegenüber liegt ein Eingang der Stadtbücherei! Hier könnte ein freundlicher Ankerpunkt entstehen, der Familien aus dem Rheingauviertel oder dem Westend dazu animiert, ihre Freizeit wieder in der Innenstadt zu verbringen. Die Spielgeräte sind attraktiver projektiert als üblich und sprechen unterschiedliche Altersgruppen an. Beweisen doch die Superfly-Trampolinparks, dass Jugendliche und junge Erwachsene gern toben und sich spielerisch auspowern wollen – jenseits von Babyschaukel und rissigen Tischtennisplatten aus Beton. Belebung der Innenstadt könnte also bedeuten, ausgefallenere Attraktionen für gelangweilte Menschen in der City zu schaffen, die sonst Stress suchen oder Stress abkriegen.

Ein weiterer Impuls, der uns prima gefällt und die einzigartige Ressource Wiesbadens im Quellenviertel erfrischend leger nutzen will, ist ›Urbanes Outdoor-Baden‹. Auch hier könnte zur Belebung beitragen, den gerontologischen Blickwinkel aufzulösen, denn unsere Thermalquellen sind kein Exklusivangebot für die Bürger*innen im dritten Lebensalter, wie es die Macht der Gewohnheit aus Jahrhunderten Kurbetrieb suggeriert. SPA steht für ›Sanus per aquam‹ (Gesundheit durch die Heilkraft des Wassers) und tut allen Lebensaltern gut! Außerdem erinnert ein solcher ›Hot Tub‹ an das idyllische Bad in den Wiesen, so wie es um 120 n. Chr. die verfrorenen römischen Legionäre den keltischen Mattiakern abgeschaut haben müssen. Eine artesische Thermalquelle wie unser Kochbrunnen ist auch im weltweiten Vergleich ein sehr seltener Naturschatz und sollte allen Bürger*innen offenstehen, nicht nur den Gästen unserer Grandhotels oder den Besuchenden des Thermalbads Aukammtal! Die neben dem Casino und gegenüber dem Kureck Tower projektierte Anlage würde es allen bieten.


Das Pop-up-Projekt ›WiCoPop*‹ wird gefördert vom Programm ›Zukunft Innenstadt‹ des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen und des Referats für Wirtschaft und Beschäftigung der Landeshauptstadt Wiesbaden.
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