
Die Orangerie Aukamm ist vielen Wiesbadenern noch als ehemalige Stadtgärtnerei vertraut. Doch der traditionsreiche Ort im Aukammtal hat sich grundlegend gewandelt. Heute steht er für weit mehr als Pflanzenzucht: Als anerkannter Inklusionsbetrieb und Teil des facettenwerks ist hier ein Ort entstanden, an dem Arbeit, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe ineinandergreifen. Dirk Becker hat für das Magazin VivArt Lebenszeit mit Leiter Thomas Rosa sowie Mike Schneider und Johannes Löhde über Entwicklung und Anspruch gesprochen.
Vom Traditionsort zum inklusiven Projekt
»Die Orangerie ist für viele noch eng mit der alten Stadtgärtnerei verbunden«, sagt Thomas Rosa. Tatsächlich erzählen die Palmenhalle aus dem Jahr 1902 und die historischen Gewächshäuser von einer langen Tradition. Gleichzeitig steht die Anlage für einen Neuanfang: Seit 2003 wurde der Betrieb schrittweise zu einem inklusiven Arbeitsplatz umgestaltet. Heute arbeiten hier über 40 Menschen in Gärtnerei, Garten- und Landschaftsbau sowie im Café.
Inklusion im Alltag leben
Was die Orangerie von einer klassischen Gärtnerei unterscheidet, beschreibt Rosa so: »Bei uns wachsen nicht nur Pflanzen, sondern auch die Menschen.« Im Mittelpunkt stehe die individuelle Entwicklung jeder einzelnen Person. Ziel sei es, sinnvolle Beschäftigung zu ermöglichen und echte Teilhabe zu schaffen. »Und wenn irgendwann niemand mehr darüber nachdenkt, wer eine Behinderung hat oder nicht, dann ist Inklusion wirklich gelungen.«
Gärtnerei mit Verantwortung und Vielfalt
Diese Haltung prägt auch die Arbeit in der Gärtnerei. Johannes Löhde betont die Bedeutung der täglichen Aufgaben: »Wir wollen eine Tätigkeit bieten, die Struktur gibt, Selbstvertrauen stärkt und Gemeinschaft fördert.« Angebaut werden unter anderem alte und seltene Tomatensorten – mehr als 50 Varianten. Der Jung pflanzenverkauf im Mai und das Tomatenfest im August zählen zu den Höhepunkten des Jahres. Gleichzeitig steht die Zertifizierung als Bioland-Betrieb für den Anspruch, ökologische und soziale Verantwortung zu verbinden.

Das Café als Ort der Begegnung
Ein zentraler Baustein der Entwicklung ist das Café in der lichtdurchfluteten Palmenhalle. Für Mike Schneider ist es ein Ort der Begegnung: »Mitten in der Stadt und doch wie ein kleiner Ausflug ins Grüne.« Regionale Produkte, hausgemachte Kuchen und ein bewusst persönlicher Service prägen das Angebot. Viele Produkte entstehen in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern – ein weiterer Ausdruck des nachhaltigen Konzepts.

Die ›Stille Stunde‹ als besonderes Angebot
Mit der Einführung der ›Stillen Stunde‹ geht das Team noch einen Schritt weiter. Jeden Mittwoch zwischen 13 und 15 Uhr wird das Café gezielt ruhiger gestaltet: weniger Geräusche, gedämpftes Licht, keine Durchsagen. Das Angebot richtet sich insbesondere an Menschen mit sensorischer Empfindlichkeit, ist aber für alle gedacht, die bewusst eine Auszeit suchen. »Kleine Veränderungen können viel bewirken«, sagt Schneider.
Ein Ort für gelebte Vielfalt
So ist die Orangerie Aukamm heute weit mehr als ein Ort für Pflanzen oder Gastronomie. Sie ist ein sozialer Raum, in dem Entwicklung möglich wird – für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Ein Ort, an dem Vielfalt nicht nur wächst, sondern gelebt wird.

VivArt Service
Teams für Gartenpflege können von Privathaushalte und Firmen gebucht werden. Angebote auf Anfrage.
Save the Date:
Tomatenfest am 9. August
Orangerie Aukamm
Weinreb 23
65191 Wiesbaden
Tel.: 0611 238749 68 Café
0611 238749 67 Betriebsleitung
Öffnungszeiten:
Café:
April bis Oktober Mo–Fr 12–18 Uhr
Gärtnerei:
Mo–Do 10–16 Uhr / Fr 10–14 Uhr
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