From Frankfurt with Love

Moses Pelham ist seit über 30 Jahren maßgeblich an der Fortentwicklung deutschsprachiger Musik im Allgemeinen und Rap im Speziellen beteiligt. Er rappt, schreibt, produziert, gestaltet, podcastet — und engagiert sich nebenbei noch sozial.

Unser Magazin erscheint in dieser Ausgabe mit dem Titelthema Vielfalt. Was fällt dir spontan zu Vielfalt ein?

Hier habe ich natürlich eine Vielfalt an Assoziationen: Wortwitz intendiert. So viele, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Was ein schönes Beispiel dafür ist, dass Vielfalt ab einem bestimmten Punkt auch Chaos bedeuten kann, obwohl sie natürlich eine wunderbare Sache ist, die so viel Freude und Spannung im positiven Sinne in unsere Leben bringt.   

Hältst du die Hip-Hop-Szene aktuell für besonders vielfältig?

Ich halte den Output an Musik, die von Hip-Hop und Rap beeinflusst ist, aktuell für vielfältiger denn je. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass das objektiv so ist. Zu keinem Zeitpunkt wurden mehr Stücke veröffentlicht, die man diesem Genre im weiteren Sinne zuordnen kann, und in dieser Flut von Veröffentlichungen erkenne ich eine unglaubliche Vielfalt.

Du bist seit mehr als 30 Jahren im Geschäft. Wie siehst du die Entwicklung der Szene?

Ich konnte mit dem Begriff Szene noch nie etwas anfangen und fand immer schon, dass es ›die Szene‹ gar nicht gibt. Aber wie gesagt ist mein Eindruck, dass mehr Menschen denn je sich mit dem, was mal eine sehr kleine und exklusive Kultur war, mehr oder weniger beschäftigen. Das bringt eine riesige Vielfalt hervor, innerhalb derer ich ganz wunderbare Entwicklungen, aber natürlich auch – in meinen Augen – ganz fürchterliche, lächerliche und geradezu bedrohliche Entwicklungen entdecke. So ist das mit der Vielfalt.

Wer oder was inspiriert dich?

Die Vielfalt an Dingen, die mich erreichen, berühren, irgendwie beeindrucken und beschäftigen. Das können kleinste Details sein: ein Wort, ein Satz, eine Tonfolge, ein Klang, irgendeine Beobachtung, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, Ängsten und Hoffnungen, ein Buch oder ein Film, ein Mensch, eine Herausforderung, eine Erfahrung, ein Lied. Das ist wirklich sehr vielfältig.

Steht Frankfurt deiner Meinung nach für Vielfalt? Wenn ja, was macht unsere Stadt so vielfältig?

Meiner Meinung und Erfahrung nach ganz klar ja. Ich glaube, dass Frankfurt, auch als Stadt des Handels, schon sehr früh verstand, dass wir von Vielfalt profitieren. Ich erkenne das auch in der Musik, die aus unserer Stadt kam. Im Jazz und Blues, im Techno, im Rock. Ich habe das am eigenen Leibe im Hip-Hop erlebt. ›WE WEAR THE CROWN‹, die Crew aus der ich ursprünglich komme und in der ich künstlerisch sozialisiert wurde, war eine lebende Demonstration von Vielfalt. In vielerlei Hinsicht, aber auch in Bezug auf Herkunft und Kulturen. Wir waren hier schon multikulturell, bevor wir den Begriff zum ersten Mal hörten. Ganz natürlich und immer mit dem Selbstverständnis, Frankfurt zu repräsentieren.

Du bist auch ein vielfältiger Künstler und arbeitest an den unterschiedlichsten Projekten. Neben der Musik – was war dein spannendstes Projekt?

 Das aktuelle Projekt ist immer das Spannendste. Bei mir sind das ja auch gern mal mehrere gleichzeitig. Aber Spannung kann in meinem Verständnis nur im Hier und Jetzt sein. Nur hier kann ich gestalten. 

»Der junge, schwarze, vegane Paul Bocuse«. So nennst Du Dich hin und wieder selbst. Du kochst gut und gern. Und vegan. Kann eine vegane Ernährung vielfältig sein? Schließt sich das nicht aus?

Ich koche tatsächlich sehr gerne und freue mich auch über die kleinsten Erfolge in der Küche, habe aber – ganz ehrlich gesagt – vom Kochen überhaupt keine Ahnung. Es macht mir eben Freude, entspannt mich und reicht für den Hausgebrauch. Objektiv gesprochen lässt es sich wohl nicht leugnen, dass eine Beschränkung der Lebensmittel auf solche, die ohne Mord und Totschlag auskommen, eben auch die Vielfalt einschränkt. Allerdings ist die Vielfalt an Lebensmitteln und Gerichten, die ohne Qual, Vergewaltigung und Mord auskommen, so riesig, geradezu endlos, dass man hier kaum von einer Einschränkung sprechen kann. Was sich aus meiner Perspektive ausschließt, ist einerseits ein glückliches, friedliches Leben führen zu wollen und andererseits Leid, Qual und Mord über Mitgeschöpfe zu bringen. 

Was darf in deinem Kühlschrank niemals fehlen?

Die meisten von uns haben doch glücklicherweise so viel im Kühlschrank, dass, wenn das eine fehlt, es leicht durch das andere zu ersetzen ist, aber ich habe gerne Wein im Kühlschrank.

Bier oder Äppler? Oder was ganz anderes?

Auch hier ist der Witz natürlich die Vielfalt. Wie wunderbar ist es, sich nicht auf das eine oder das andere beschränken zu müssen. Ich liebe beides.

Wenn du drei Persönlichkeiten aus der Geschichte einladen könntest, welche wären das?

Den biblischen Moses, den biblischen Jesus und den klassischen Goethe. Aber einzeln bitte.

Was dürfen wir in naher Zukunft von dir erwarten? 

Als’ weiter! Neue Abenteuer: From Frankfurt with Love!

Mehr Frankfurt als ein Gespräch mit Moses Pelham geht nicht und wir bedanken uns für den Austausch und den kleinen Einblick in das Denken einer wahren Frankfurter Legende! 



Alles rund um Moses Pelham:

mosespelham.de

Mode aus und für Frankfurt:

fromfrankfurtwithlove.de 



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