Eine Landwirtin der Zukunft

Wenn wir ehrlich sind, haben die meisten von uns keine Ahnung, wie heute Landwirtschaft betrieben wird. Dabei liefert diese hoch technisierte und digitalisierte Branche einen Gutteil unserer Lebensmittel. Muriel Debusmann aus Lohrheim hingegen weiß genau, worum es geht: Lesen Sie das Porträt einer jungen Frau, die eine Ausbildung zur Landwirtin macht.

Foto: Max Bochmann

Sehen Sie das große Foto? Es zeigt Muriel Debusmann vor ihrem Arbeitsgerät, einem John-Deere-Schlepper, dessen 18 Tonnen Einsatzgewicht von einem Neun-Liter-Sechszylindermotor mit 420 PS auf bis zu 50 km/h beschleunigt werden. Muriel ist 17 Jahre alt und absolviert das erste Jahr ihrer Ausbildung auf dem Hof Heckelmann in Nauheim, einem der großen Ackerbaubetriebe der Gegend. Die Fahrerlaubnis für Traktoren darf
man mit 16 Jahren erwerben. Muriel benötigte zusätzlich eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) sowie eine Sondergenehmigung für große Maschinen. Beides erwarb sie in Eigeninitiative. »Ich wusste schon seit meiner Kindheit, dass ich Landwirtin werden will«, sagt Muriel. »Schon als Kind hatte ich leidenschaftlich gern mit Tieren zu tun. Erst Voltigieren mit fünf, dann Reitstunden ab zwölf und die erste Reitbeteiligung. Da war der Bezug zur Landwirtschaft gleich da: Wie macht man Heu und Stroh? Woher kommt das Futter?«

Als Muriel während eines Österreichurlaubs auf einer Alm Milchziegen melken durfte, wurde ihr klar, dass es fortan ohne diese Vierbeiner nicht mehr gehen würde. Die Unterstützung ihrer Eltern war eine große Hilfe; ein Stall wurde gebaut, der Vater half beim Abstecken der Wiese während des Grasens. »Mit 14 machte ich das erste Praktikum in einem Milchviehbetrieb. Ich durfte melken, einstreuen, es war toll. Während der Ferien habe ich dann ein zweiwöchiges Praktikum auf dem Hof Schauferts bei Schönborn gemacht. Dort habe ich viel gelernt; ich durfte sogar Siloballen wickeln«, erzählt Muriel. Wie in allen handwerklichen Berufen weiß auch eine Landwirtin am Ende des Tages, was sie geleistet hat. Und das war für Muriel entscheidend für die Berufswahl.

»Deshalb wollte ich unbedingt nach der mittleren Reife meine Ausbildung starten.« Das zweite Lehrjahr wird sie in einem großen Milchbetrieb in Bad Kreuznach absolvieren. Für das dritte Jahr ist die Entscheidung noch nicht gefallen; bei aller Tierliebe hat sie bereits in den ersten Monaten der Lehrzeit gemerkt, dass auch der Ackerbau eine interessante Disziplin ist. Was ihr am meisten Spaß macht? Muriel überlegt: »Ich kann es gar nicht sagen. Jeder Tag ist anders, jede Jahreszeit ist anders. Auf einem Bauernhof wird jeden Tag für etwas eine Lösung gesucht. Und gefunden!«

Foto: Muriel Debusmann
So fing alles an: Muriel und ihre Ziegen.

Nach der Ausbildung will Muriel zunächst mal über den Tellerrand blicken und das ›Farming‹ in Kanada oder Australien kennenlernen. »Das wird wunderbar funktionieren«, erklärt Max Bochmann vom Hof Heckelmann, der Muriels Ausbildung täglich im Blick hat.

»Wenn ihre Lehre abgeschlossen ist, wird Muriel so umfangreiche Kenntnisse im Umgang mit landwirtschaftlichen Maschinen haben, dass sie überall auf der Welt eine gesuchte Fachkraft sein wird.« Wie es dann weitergeht, steht noch ein wenig in den Sternen. »Ich merke schon, dass ich für die Themen, die in der Berufsschule behandelt werden, ein tieferes Interesse habe. Vielleicht werde ich ja später noch studieren. Und dass ich einmal einen Beruf ausüben werde, der eng mit der Landwirtschaft verbunden ist – Herdenmanagement zum Beispiel –, das ist sicher.« Auf meine Frage, ob es etwas gibt, das sie stört, antwortet sie ohne Umschweife: »Die meisten Leute haben keine Ahnung von Landwirtschaft. Sie wissen nicht, was für ein moderner, komplexer Beruf das ist, den man nicht einfach so ausüben kann, sondern in dreijähriger Lehrzeit lernt.« Für die VivArt zu schreiben ist ein großes Vergnügen, besonders wenn man so beeindruckende junge Menschen wie Muriel Debusmann kennenlernt. Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute!


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