
Foto:Volksbank Darmstadt Mainz
Herr Geck, 2023 war ein ereignisreiches Jahr in der Politik wie an den Kapitalmärkten. Was hat die Börsen am meisten bewegt?
Das stimmt, es ist wirklich viel passiert. Neben all den Themen, die die Weltgemeinschaft und auch unsere Gesellschaft in Deutschland bewegt haben, ist an den Kapitalmärkten vor allem die Rückkehr der Zinsen von Bedeutung gewesen. Ausgelöst durch den Konflikt in der Ukraine und die daraus resultierende, stark gestiegene Inflation haben die Zentralbanken vor allem in Europa und den USA in den vergangenen 18 Monaten die Leitzinsen massiv erhöht. War im Frühjahr 2022 insbesondere das Thema Negativzinsen noch sehr präsent, so bekommt man heute – 18 Monate später – wieder bis zu 4 Prozent Zinsen auf das Jahr gerechnet bei einer mittelfristigen Anlage in festverzinslichen Wertpapieren.
Das sind doch gute Entwicklungen für die Kunden, Anleger und Sparer Ihrer Bank oder?
Auf der einen Seite natürlich schon. Durch die Rückkehr der Zinsen gibt es hier endlich wieder attraktive Angebote für zinsorientierte Anleger. Auf der anderen Seite hat die Geschwindigkeit des Zinsanstiegs kurzfristig bei vielen Anlegern auch zu Verlusten bei bestehenden Zinsanlagen geführt. Zugleich sind Investments in manchen Technologieaktien unter die Räder gekommen. Wir beobachten derzeit, dass der lange vermisste Zins bei vielen Anlegern zu einer sehr starken Fokussierung auf Zinspapiere führt. Wichtig ist dabei, dass Anleger trotzdem ihre Depotstruktur im Auge behalten, sonst verpassen sie mittelfristig Renditechancen.
Sind in der aktuellen Situation Investments in Gold zu empfehlen?
Unter dem Zinsanstieg leidet Gold üblicherweise, da es eine unverzinste Anlageklasse darstellt. Allerdings gewinnt Gold als Sachwert immer an Bedeutung und Wert, wenn die Inflation steigt oder die Unsicherheit wie durch den Krieg in der Ukraine oder die Eskalation im Nahen Osten zunimmt. In Summe war das Jahr 2023 ein gutes Jahr für Gold. Man ist versucht, ›leider‹ zu sagen, da die erwähnten politischen Krisen dazu geführt haben.

Für Immobilien dagegen sind nach einer langen Boomphase die Zeiten schwieriger geworden.
In der Tat. Der Zinsanstieg hat dazu geführt, dass viele Menschen sich die Immobilie nicht mehr leisten können und dadurch die Nachfrage spürbar zurückgegangen ist. Nach vielen Jahren von unaufhaltsam steigenden Preisen erleben wir eine erste vorsichtige Korrektur der Immobilienwerte – diese ist aber sehr abhängig von der Lage und dem Alter der Immobilie.
Wie sieht es derzeit bei Kunst oder Oldtimern aus?
Kunst, Oldtimer und vergleichbare Anlagegüter korrelieren nicht so stark mit den klassischen Anlageklassen. Vereinfacht gesagt reagieren diese Anlageklassen aufgrund des sehr engen Kreises an Investoren nicht so stark und schnell wie die klassischen Geldanlagen. Am ehesten hat man hier den Wegfall von russischen Investoren Anfang 2022 gemerkt.
Vielen Dank für die spannenden Insights, Herr Geck!
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