
Joachim Schrader bietet energetische Beratung an – und das nicht erst, seit das Thema durch die KfW-Förderungen in aller Munde ist. Bereits Ende der 1990er-Jahre setzte er sich das Ziel, bei allen von ihm betreuten Gebäuden vollständig auf fossile Energie zu verzichten. Volker Hummel sprach mit dem Experten für klimaneutrale Konzepte in Neubau und Sanierung.
Herr Schrader, viele Eigentümer kümmern sich zu spät und aus Sorge vor den drohenden Kosten eher halbherzig um die energetische Sanierung. Wider die ›Salamitaktik‹ bieten Sie eine ganzheitliche Beratung an. Was bedeutet das konkret?
Wir reden unseren Kunden nicht nach dem Mund. Ich komme beruflich aus dem schlüsselfertigen Bauen, und in dieser Form der Beauftragung muss man per se ganzheitlich denken. Ziel unserer Beratung ist daher die größtmögliche, im Idealfall vollständige Einsparung von CO2 in der Energiebilanz eines Gebäudes. Das gelingt nicht schnell und schmerzlos. Wenn wir jedoch ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man für mehr und raffiniertere Maßnahmen geradezu in mathematischer Progression auch mehr Fördergelder erhält, ist es doch ein freudiges Erwachen.
Wie erklären Sie sich die halben Sachen vieler Eigentümer?
Viele haben an ihren Objekten zum Beispiel bereits das Dach saniert oder neue Fenster eingebaut – meist ohne sich überhaupt um Fördermittel aus der BEG-Förderung vom Staat über KfW oder BAFA gekümmert zu haben – und suchen erst jetzt unseren Rat, weil die Heizungsanlage ebenfalls erneuert werden soll oder nach einem Fenstertausch Schimmelprobleme auftreten. Dann hören wir oft: »Hätten wir uns doch früher informiert!« Denn auch die Kosten für das Dach oder die Fenster wären mit unserer Begleitung wohl förderfähig gewesen. Unsere Beratung geschieht also wahrhaftig ganzheitlich, und dafür müssen wir auch einen umfassenden Eindruck gewinnen.
Bleiben wir bei ›Oma ihr klein’ Häuschen‹. Wie geht es damit weiter?
Zunächst interessieren uns die Wünsche der Eigentümerin selbst. Möchte sie im Alter weiterhin dort wohnen, sollte die Sanierung entsprechend barrierefrei geplant werden. Wäre eine nachträglich in den Grundriss integrierte Einliegerwohnung für eine Pflegekraft sinnvoll? (Eine weitere Wohnung auf der ursprünglichen Fläche ergibt selbstverständlich mehr Förderung!) Oder soll das Haus energetisch tipptopp an die Enkel übergeben werden, die dann 40 Jahre ›Ruhe‹ haben? Sobald wir diesen Überblick gewonnen haben, schauen wir uns die Immobilie vor Ort genau an und bewerten präzise das energetische Einsparpotenzial. Auf dieser Grundlage rechnen wir schrittweise vor, wo und wie man sparen könnte und welche Förderung jeweils infrage kommt. Bei entsprechender Vorbereitung lassen sich neun von zehn Kandidaten auf unseren Förderplan zur energetischen Sanierung ein. Es wird mit uns dann zwar der große Wurf, aber die meisten wollen im Betrieb auch nie mehr zurück. Allein das Gefühl, dank der von uns verwendeten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung immer frische, saubere Luft zu atmen, verbunden mit dem guten Gewissen, ein klimaneutrales Gebäude zu bewohnen, wollen unsere Kunden nicht mehr missen.

Im Hinblick auf eine ernst genommene Energieberatung muss Wiesbaden mit seiner Innenstadt aus Altbauten von 1900 und älter doch wie eine tickende energetische Zeitbombe wirken?
Keineswegs. Gerade hier haben wir bereits einige abgeschlossene Sanierungen vorzuweisen, die repräsentativ das Gegenteil belegen. Zum Beispiel eine sanierte Hofreite in Nordenstadt oder ein Mehrfamilienhaus mit historischer Sandsteinfassade am Wiesbadener Michelsberg. Nehmen wir die ›Villa Flonheim‹ in Alzey: Dort blieb buchstäblich nur die denkmalgeschützte Hülle erhalten. Dahinter entstand ein zeitgemäßer und wirtschaftlicherer Grundriss mit mehr Wohneinheiten als zuvor, die heute nahezu CO2-frei betrieben werden. Die gesamte Investition von über einer Million Euro mit sieben Wohnungen wurde komplett mit KfW-Mitteln finanziert, und es wurde hierfür ein Zuschuss von über 480.000 Euro vom Staat ausgezahlt. Unsere Energieberatung zum Konzept der Haustechnik – mit Photovoltaikanlage, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und einer modernen Infrarotheizung als Antwort auf die hohen Kosten eines neuen wasserführenden Heizungssystems mit Wärmepumpe – trug hier erheblich zur Reduzierung der Baukosten bei. Auch bei den Verhandlungen mit dem Denkmalschutz haben wir unseren Kunden über zwei Jahre hinweg unterstützt, sodass eine dem Verfall geweihte Immobilie dem architektonischen Erbe des Historismus heute wieder alle Ehre macht – und das mit 93 Prozent Brennstoffkosteneinsparung.
Vielen Dank für die beeindruckenden Insights!

VivArt Service
Maximale Förderug von Staat: bis zu 77.500 Euro je Wohneinheit
Eine Brennstoffkosteneinsparung um 86 Prozent bedeutet 4.500 Euro Einsparung im ersten Jahr nach der Sanierung.
Bauen + Energie Konzept GmbH
Joachim Schrader: 0171 4975885
Klingholzstraße 7
65189 Wiesbaden
0611 56501999
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