
Helene Luise Fiedeler, Aktivistin
»Eine mutige Entscheidung war für mich, die Ausbildung zur Klimabotschafterin zu beginnen. Damals wusste ich nicht, was mich dort erwarten würde. Ich war noch nicht lange politisch aktiv und hatte das Gefühl, schnell überfordert zu sein und noch nicht richtig mitreden zu können. Rückblickend war diese Entscheidung jedoch sehr gut, und ich bin bis heute froh, sie getroffen zu haben.
Eine mutige Tat war für mich das Moderieren von Demonstrationen. In solchen Situationen weiß man nie genau, was passieren wird. Es kann jederzeit etwas Unvorhergesehenes eintreten – etwa, dass Redebeiträge ausfallen und man muss spontan darauf reagieren können. Im Vorfeld kann das einschüchternd sein, aber in dem Moment selbst ist man so konzentriert, dass die anfängliche Unsicherheit schnell in den Hintergrund tritt.«

Gerhard Schulz, Erster Vorsitzender, Schlachthof Wiesbaden e.V.
»Gegen die Startbahn West zu protestieren oder in Gorleben am Bauzaun zu rütteln war gefühlt mutig. Den Kriegsdienst zu verweigern, war es für mich ganz bestimmt. Die Entscheidung, meine persönliche Zukunft an die völlig ungewisse Zukunft des entstehenden Kulturzentrums Schlachthof zu binden, war unspektakulär, aber selbsterklärend. Als ich Jahre später bei der Lektüre des Rentenbescheides dachte, es könnte ein Fehler gewesen sein, an den Erfolg eines Sozio-Kultur-Zentrums in Wiesbaden zu glauben, nahm alles erst richtig Fahrt auf.
Wir wissen vorher nicht, was wir später als mutig oder als naiv und vielleicht sogar als dumm empfinden werden. Jetzt, im Nachhinein, kann ich die eingegangenen Risiken bewerten und weiß, dass ich im Betriebsmodus (›Großes Herz, große Klappe, keine Ahnung‹) die Angst verdrängt haben muss. Über 30 Jahre lang den eingeschlagenen Weg nicht zu verlassen und eine Industriebrache in einen KulturPark zu verändern und mit einem ›KulturCampus‹ in die Zukunft entwickeln zu wollen, war geradlinig. Jede/r Unternehmer*in denkt sich sicher: »So what?« Sich für sein Unternehmen und Betrieb voll einzubringen ist doch normal. Ein gemeinnütziger Verein ist aber nicht ›dein Laden‹, da gehört dir gar nix. All deine eingesetzte Kraft dient(e) der Allgemeinheit. Wenn du das erkennst, hast du den Begriff ›Mut‹ verstanden.
Die Gesellschaft braucht Kultur und Bühne, um herauszufinden, wer sie ist und wie sie tickt. In der Förderung der Kultur unterscheidet die Politik zwischen der vielerorts sogenannten ›Hochkultur‹ und der von mir sogenannten ›Holzklasse‹ der freien Szene.
Ich konfrontiere unsere Landeshauptstadt mit den unterschiedlichen Realitäten der ›Kulturen‹ und hinterfrage die Förder-Systematik. Dass es Mut braucht, dies laut, klar und offen zu tun, weiß ich mittlerweile. Bei all der gemachten Erfahrung braucht es viel Verantwortung, vielleicht auch Mut, gerade jenen Orientierung zu bieten, die sich auf diesen unsicheren Weg machen, unsere Gesellschaft mitzugestalten.«

Erhard Witzel, Gründer der Gemeinnützigen ErWiStiftung, Kunstsammler
»Eine ganze Reihe von Entscheidungen in meinem Leben, waren mit großem Mut verbunden, meine mutigste Entscheidung in der nahen Vergangenheit und deshalb die Wichtigste, ist jedoch die Gründung meiner Stiftung schon zu Lebzeiten. Dieser Akt des Loslassens von materiellen Gütern – übrigens ohne Wenn und Aber von meiner Frau mitgetragen -, ist mit viel Respekt und Dankbarkeit verbunden. Meine Sammlung ist ein Spiegelbild meines Engagements, repräsentiert meine Überzeugungen und auch einen Großteil meines Vermögens, das der Stiftung zufiel.
Für mich war es eine Drahtseilakt zwischen Abschied und Neuanfang. Heute überwiegt ein Glücksgefühl, da es neue, wunderbare Ziele gibt; nämlich Leistungen in der Bildenden Kunst zu würdigen und angemessen zu honorieren!
Eine mutige Tat, vor der ich nur den Hut ziehen kann: Edward Snowden mit seinen Entscheidungen!«
Alle Infos unter: erwi-stiftung.com
Andrea Wink, Mitgründerin und Organisatorin des exground filmfest

»Eine mutige Tat ist in diesem Jahr bereits die Organisation des exground 38 selbst. Aufgrund der andauernden Renovierungsarbeiten in der Caligari Filmbühne planen wir das Festival zunächst ohne feste Spielstätte. Wir entwickeln ein Programm, ohne sicher zu wissen, wo wir es zeigen werden. Das erfordert nicht nur ein engagiertes und mutiges Team, sondern auch Vertrauen darauf, dass uns die Stadt rechtzeitig eine neue Spielstätte zur Verfügung stellt, in der wir unser Publikum willkommen heißen dürfen.
Die wohl mutigste Entscheidung war es, das exground filmfest, das einst aus einer spontanen Idee im Haus der Jugend entstand, in Wiesbaden dauerhaft zu etablieren. Damals gab es noch keine Fördergelder. Unser Mut, zu verhandeln, und die Offenheit, auch große Filme und bekannte Filmemacher einzuladen, haben sich ausgezahlt. Seit 38 Jahren wächst das Festival kontinuierlich. Der Schritt, all das hier in unserem verschlafenen Wiesbaden umzusetzen, hat sich aber definitiv gelohnt.«

Gia Warnken, Model
»Ich habe mein Berufsleben als Purser in der Luft verbracht, meist mit der großen LH A 380, und in 45 Jahren so ziemlich die ganze Welt bereist. Von mir aus hätte das noch ewig weitergehen können. Aber da ich das Rentenalter erreicht hatte, musste ich aufhören. Ehrlich gesagt bin ich da erst einmal in ein Loch gefallen, nach den vielen erfüllten Jahren. Einfach nur rumsitzen ist nicht meine Sache. Deshalb habe ich mit 68 angefangen als Model zu arbeiten. Die Wiesbadener Fotografin Zerina Kaps bietet professionelle Shooting samt Make-Up und Styling für private oder berufliche Zwecke an. Das hat richtig Spaß gemacht. Inzwischen hatte ich bereits einige Jobs, komme wieder in der Welt herum und treffe interessante junge Menschen. Noch kostet es mich Mut, auf einen Laufsteg zu gehen oder Shootings zu machen, aber ich werde immer cooler!«

Sascha Eschmann, Initiator »Nur Mut«
»49 Prozent aller jungen Menschen erleben ihren Alltag als stressig, 34 Prozent fühlen sich erschöpft und 32 Prozent zweifeln an sich. Die Zahlen der diesjährigen Studie ›Jugend in Deutschland‹ erleben wir auch in unseren Workshops mit Schülerinnen und Schülern. Der Druck ›etwas Gescheites zu machen‹, das Funktionieren als ›guter Schüler‹ in einem auf Frontalunterricht und Auswendiglernen zugeschnittenen Systems wird überlagert von der Angst vor Krieg, Rassismus und Umweltzerstörung.
Mit ›Nur Mut‹ durchbrechen wir diesen Teufelskreis. In mehrtägigen Workshops an und mit Schulen ermutigen wir junge Menschen, an ihre Träume zu glauben und ihre Stärken abseits von Schulnoten zu finden. Wir befähigen sie, mutig und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Zu erkennen, dass die Welt sie und ihre Ideen braucht. In fünf Jahren ›Nur Mut‹ durften wir bereits mit 1.000 jungen Menschen, zehn Schulen und 40 Lehrkräften arbeiten.
Wenn Sie ›Nur Mut‹ unterstützen möchten, werden Sie gern bei uns ehrenamtlich aktiv oder fördern unseren gemeinnützigen Verein mit einer Spende.«
Alle Infos unter: nurmut.online

Anja Kossiwakis, Model, Fashionbloggerin und Leiterin der Geschäftsstelle des Wiesbadener Investorennetzwerks
»Meine mutigste Entscheidung war, mich am Tag nach dem Mauerfall 1989 spontan in den Zug zu setzen und nach Wiesbaden zu fahren. Seitdem lebe ich hier – und zwar sehr gern. Deshalb habe ich im Jahr 2009 anlässlich des 111-jährigen Bestehens ein Fest für den Neropark initiiert, das es seither jedes Jahr gibt.
Ich finde: Wir sollten die Schönheit dieser Stadt viel mehr feiern. Wenn ich an eine mutige Tat denke, denke ich an die spontane Frage an den Vorstandsvorsitzenden von Burda, ob ich mit meinen Kinderreportern, den ›Kichererbsen‹, zur Bambi-Verleihung 2011 ins Kurhaus kommen kann. Ich war damals Autorin bei dem Kindermagazin Flummi. Die Kinder und ich haben es auf den roten Teppich geschafft. Ein anderes Feld, wo es um Mut geht, ist das Investorennetzwerk, dessen Geschäftsstelle ich leite. Wenn Menschen den Mut haben, ein Start-up zu gründen, dann können sie sich bei INWI bewerben und Investoren gewinnen.«

Claudia Zimmer, Konzeptschneiderei »Das Zimmer« Wiesbaden
»1997 ging ich ins Ausland, um Modeproduktionen zu leiten – und ließ meine kleine Tochter beim Vater zurück. Eine Entscheidung, die weh tat und mich oft zweifeln ließ. Heute sehe ich, wie stark und eigenständig sie geworden ist. Es gehört Mut dazu, etwas zu wagen, auch wenn man nicht sofort weiß, ob es richtig ist. Aber viele Jahre später merkt man oft, dass genau dieser Schritt notwendig war, um dahin zu kommen, wo man heute steht.
Nach fünfeinhalb Jahren in der Oranienstraße wagte ich den Schritt in neue Räume in der Taunusstraße – ein Umzug, der zunächst von Ängsten begleitet war. Investitionen, Stress und Unsicherheit gehörten dazu. Mut bedeutet für mich nicht, furchtlos zu sein, sondern den eigenen Impulsen zu vertrauen – auch wenn nicht alles bis ins Detail geplant ist. Während andere kalkulieren, entscheide ich eher intuitiv. Erst im Nachhinein erkenne ich, wie groß manche Schritte wirklich waren. Zwei Jahre später weiß ich: Dieser Weg war richtig.«

Daniela Diehl, Inhaberin ›Daniela Diehl Mode + accessoires‹, Mainz
»Für mich bedeutet eine mutige Tat im Grunde dasselbe wie eine mutige Entscheidung. Als ich mich vor siebzehn Jahren selbstständig gemacht habe, bezweifelten viele, ob das angesichts des aufkommenden Internets der richtige Schritt sei. Ich war damals – und bin es bis heute – fest von meiner Entscheidung überzeugt. Mein Konzept war aus meiner Sicht sorgfältig durchdacht und wurde durch einen fundierten Businessplan untermauert. Diese Entscheidung war für mich ein mutiger Schritt, den ich bis heute nicht bereut habe. In drei Jahren feiert mein Unternehmen sein zwanzigjähriges Bestehen, und das werde ich gebührend feiern.«

Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Politikerin
»Die Ukraine ist eine Blaupause für die Strategie zukünftiger Kriege, aber ich bin hier, um Ihnen Mut zu machen. Diese Kriege werden hybrid geführt; konventionell und durch strategische Angriffe auf die europäischen Demokratien, unter anderem durch Propaganda und Falschinformation. Das funktioniert am rechten und am linken Rand der politischen Meinung recht gut. Deshalb meine Bitte an Sie: Seien Sie mutig! Ich verstehe, dass man sich in der Familie, unter Freunden und Bekannten nicht streiten oder sich gar in Diskussionen anderer einmischen will. Aber tun Sie es in dem Sinne, durch gute Argumente die Demokratie zu stärken. Manchmal kommt man dabei überein, sich nicht einig zu sein, aber es zählt, die Fakten zu benennen und so Anstöße zum Nachdenken zu geben. Wir, die Zivilgesellschaft der Mitte, muss mutiger und lauter werden!«

Milena Gläser, Architektin, Fotografin und Mitgründerin von ›Studio Outro‹ in Limburg
»Für mich ist Mut untrennbar mit Optimismus verbunden. Ich bin in Brasilien aufgewachsen mit der Gewissheit: Für alles gibt es einen Weg – und am Ende wird alles gut. Diese Haltung hat mich getragen, als ich Anfang 20 allein nach Deutschland kam und hier ein neues Leben begann. Heute gründe ich mit meiner Schwägerin ein Geschäft – für viele ein mutiger Schritt, für mich ein natürlicher Impuls, dem Positiven zu folgen und Chancen zu ergreifen. Mut bedeutet, nach vorne zu blicken, darauf zu vertrauen, dass sich Wege öffnen, und das Gute in jeder Herausforderung zu entdecken. Diese Zuversicht ist meine Kraftquelle und begleitet mich auf jedem neuen Weg.«
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