
Manesse legt zum hundertsten Todestag des großen Joseph Conrad (1857–1924) eine Neuübersetzung von ›Nostromo‹ auf. Der Autor von ›Lord Jim‹ und ›Herz der Finsternis‹ schrieb ähnlich wie B. Traven oder Herman Melville nieder, was er biografisch bezeugen konnte: Der Vater, ein polnischer Freiheitskämpfer, die Familie ins englische Exil gezwungen, Kapitänspatent mit 19, zahllose Seereisen und die berüchtigte Kongofahrt, die ein lebenslanges Trauma hinterließ. Conrad bringt seine Helden oft in bedrängende existenzielle Situationen, die ihnen große Gewissensschuld aufladen. In seinem politischsten Roman zeigt Conrad, wie Profit- und Machtgier ein rohstoffreiches Land zugrunde richten und das Volk unterdrücken. ›Nostromo‹, was eine Verballhornung von italienisch für ›Unser Mann‹ ist, handelt im Auftrag einer Clique aus ›Blancos‹; Exil-Italiener und Briten, die in der Hauptstadt Sulaco in der erfundenen lateinamerikanischen Republik Costaguana das Sagen haben: »Ein stolzer Prachtkerl und Gewaltmensch; ein Mann des Volkes im Dienst seiner Herren.« Herr und Knecht, Täter und Opfer – Nostromo ist beides in diesem durch und durch korrupten System. Und in der gelungenen Neuübersetzung kommt das multiperspektivische Erzählen Conrads faszinierend modern daher!
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