
© Fondazione Marianne Werefkin, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona
Bis heute wird Kunstgeschichte überwiegend aus der Perspektive männlicher Künstler erzählt. Spricht man über den Blauen Reiter, fallen meist zuerst Namen wie Wassily Kandinsky oder Franz Marc. Dass der Künstlerbewegung jedoch ebenso Frauen angehörten und diese den expressionistischen Stil der klassischen Moderne entscheidend mitprägten, bleibt häufig eine Randnotiz – wenn sie überhaupt Erwähnung finden.

Die Ausstellung ›Die Blauen Reiterinnen‹, die im Museum Wiesbaden in Kooperation mit dem Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München sowie der Fondazione Marianne Werefkin in Ascona entstanden ist und ab dem 23. Oktober zu sehen sein wird, richtet den Blick nun bewusst auf diese weibliche Perspektive.
Zwölf Künstlerinnen des Blauen Reiters im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zwölf Künstlerinnen und ihr Beitrag zu einer der bedeutendsten Kunstbewegungen der Moderne: Erma Bossi, Sonia Delaunay-Terk, Emmi Dresler, Elisabeth Epstein, Elisabeth Erdmann-Macke, Natalja Gontscharowa, Else Lasker-Schüler, Maria Franck-Marc, Olga Meerson, Gabriele Münter, Carla Pohle und Marianne von Werefkin. Neuere Forschungen belegen insbesondere den maßgeblichen Einfluss von Marianne von Werefkin und Elisabeth Epstein auf die Entwicklung der Bildsprache des Blauen Reiters. Beide können deshalb mit Recht als die geistigen Mütter der Bewegung und Pionierinnen der Moderne bezeichnet werden.

Credit: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026- Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Pionierinnen der Moderne statt Randfiguren
Mit ›Die Blauen Reiterinnen‹ entsteht erstmals eine Ausstellung, die den Einfluss von Frauen auf den Blauen Reiter und die Entwicklung des deutschen Frühexpressionismus konsequent in den Mittelpunkt rückt. Dieser Perspektivwechsel macht deutlich, dass diese Künstlerinnen weit mehr waren als die Partnerinnen oder Lebensgefährtinnen berühmter Maler. Sie waren eigenständige Wegbereiterinnen einer Kunst, die Farbe vom Gegenstand löste, subjektiven Ausdruck über akademische Regeln stellte und alle künstlerischen Ausdrucksformen als gleichwertig verstand. »Die Zukunft der Kunst ist die emotionale Kunst«, formulierte Marianne von Werefkin bereits damals in ihrem programmatischen Leitsatz.
Frauen, Geschlechterrollen und Identität in der Kunst
Die Werke der Künstlerinnen erzählen jedoch nicht nur von künstlerischer Innovation, sondern geben zugleich Einblick in die gesellschaftliche Realität ihrer Zeit. Die Künstlerinnen thematisieren ihre Rolle in einer männerdominierten Gesellschaft, machen Frauen- und Care-Arbeit sichtbar, setzen sich mit Körperbildern auseinander und greifen bereits Fragen nach Geschlechterrollen und Identität auf. Damit erweiterten sie die Themen des Blauen Reiters um Perspektiven, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Zugleich lädt die Ausstellung dazu ein, Kunstgeschichte aus neuen Perspektiven zu lesen.

Die Blauen Reiterinnen
23.10.2026–21.02.2027 Museum Wiesbaden Friedrich-Ebert-Allee 2 65185 Wiesbaden
Nach ihrer Laufzeit im Museum Wiesbaden ist die Ausstellung vom 13. März bis 29. August 2027 im Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen und vom 12. Oktober 2027 bis 23. April 2028 im Lenbachhaus in München zu sehen.
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