
Was ist Kunst, was ist das Leben? Manchmal ist das Leben selbst eine Kunst und verlangt nach viel Kreativität und unkonventionellen Lösungen. Für das Leben von Frank Brabant trifft dies rückblickend bestimmt zu und früh nahm er sein Leben selbst in die Hand. 1938 in Schwerin geboren, erkannte er schnell, dass ein Leben, was er führen wollte, dort nicht möglich war – weder intellektuell noch beim Ausleben seiner Homosexualität. 1958 siedelte er aus, doch was sich so lapidar schreiben lässt, war für den damals 20-Jährigen eine echte Herausforderung. Er ging mit nichts als der festen Absicht, seinem Leben einen Sinn zu geben und die Freiheit zu genießen. Der französische Philosoph Michael Foucault bedauerte einmal, »dass Kunst in unserer Gesellschaft zu etwas geworden ist, das nur Gegenstände, nicht aber Individuen oder das Leben betrifft. Dass Kunst etwas Gesondertes ist, das von Experten, nämlich Künstlern, gemacht wird. Aber könnte nicht das Leben eines jeden ein Kunstwerk werden?«. Für Brabant würde dies in jedem Fall zutreffen. Fast kafkaesk arbeitete er als Versicherungsangestellter und interessierte sich dafür im Eigentlichen so gar nicht.
»Natürlich ist es schön, nun im Alter Everybody’s Darling zu sein. Es war schließlich nicht immer so.«
Frank Brabant
1962 trat durch ein kleines Kunstwerk eine große Veränderung in sein Leben. Eher zufällig – »es gab etwas Leckeres zu trinken und auch Häppchen« – besuchte er die Galerie von Hanna Bekker vom Rath, in der er auf einer Vernissage mit Werken von Max Pechstein einen Holzstich des Künstlers erwarb. Die damals für ihn bedeutende Summe des Kaufpreises von 300 Mark stotterte er in vielen kleinen Raten über ein Jahr lang ab. Doch der Mangel an Geld war für ihn auch danach nie ein Hindernis. Vom geringen monatlichen Nettoeinkommen von 450 Mark sparte er, bis er sich ein Aquarell von Ernst Ludwig Kirchner leisten konnte, was er noch heute besitzt. Der heutige Wert? Untaxiert. So wurde er zum engagierten Sammler, zum »Trüffelschwein«, wie er selbst sagt. Unter anderen kamen Werke von Alexej von Jawlensky, Franz Marc, August Macke, Max Beckmann und Emil Nolde bis zu vielen Beispielen aus der Gegenwartskunst hinzu. Das Geld dafür kam ab 1968 von seiner eigenen Diskothek Pussy Cat, seinem Klub, der das Nachtleben Wiesbadens enorm bereicherte.
»Hier trafen sich Promis, Homos, Heteros und alle, die Teil einer etwas schillernderen Nachtwelt sein wollten.« Brabant war auf der Überholspur und interessierte sich weiterhin für alle ›randständigen Menschen‹ – in der Gesellschaft, real und in der Kunst. Beliebt war Brabant damals nicht bei allen. Der offene Umgang mit seiner Homosexualität war für einige Zeitgenossen eine Provokation. Er erinnert sich an Anfeindungen in der Fußgängerzone wie: »Typen wie dich sollte man vergasen!« Zweimal wurde er brutal zusammengeschlagen. Zurückblickend sagt er, dass es einfacher gewesen wäre, »einen normalen Puff zu eröffnen«, doch bereuen würde er nichts. Geändert hat er sich nie, gerade nicht in seiner aufgeschlossenen, freundlichen Art. Er will Menschen inspirieren, den Fokus auf jene lenken, die nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen.
So ist es kein Zufall, dass ein Schwerpunkt seiner Sammeltätigkeit die Maler der sogenannten ›verschollenen Generation‹ sind: Künstler, die in der NS-Zeit emigrierten oder im Zweiten Weltkrieg starben wie Johannes Wüsten, Erich Borchert, Rudolf Bauer und Paul Kleinschmidt. Künstler ohne große Namen, deren Werke aber große Qualitäten haben, die von vielen Menschen nicht auf den ersten Blick gesehen werden. Brabant selbst hat sich diesen besonderen, fast liebevollen Blick auf die Kunst und die Menschen erhalten. Der heute 85-Jährige wirkt voller Lebenslust und die Tatsache, dass er mit der Schenkung des Jawlensky-Gemäldes ans Museum Wiesbaden in seiner Heimatstadt viel Anerkennung erhalten hat, freut ihn sehr.
Ende 2017 gab Frank Brabant die Regelung seines Nachlasses bekannt: Nach seinem Tod erhalten das Staatliche Museum Schwerin und das Museum Wiesbaden in seiner Wahlheimatstadt jeweils 300 Gemälde: »Von Beckmann bis Jawlensky«. Bis heute gab es bereits 50 Einzelausstellungen und 17 Kataloge. Besonders empfehlenswert: ›FACE TO FACE‹ – Porträts der Sammlung Frank Brabant & Gäste‹. Verlag Kettler, 2022.
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