Charakter mit Lebensspuren

Adele Neuhauser steht für charakterstarke Frauen ›mit Lebensspuren‹. Ein perfekter Match zu den langen Lebensläufen, die wir lieben. Gelegenheit für ein Gespräch ergab sich in Wiesbaden, als die Schauspielerin den Ehrenpreis des 20. Deutschen Fernsehkrimi-Festivals erhielt.

Adele-Neuhauser-©-Deutsches-FernsehKrimi-Festival_Jason-Sellers
Geehrt wird die 65-Jährige für die Rolle der Tatort-Kommissarin Bibi Fellner. Die Preisverleihung prägt Adele Neuhauser mit ihrem Humor und Charme.

Festivalleiterin Cathrin Ehrlich spricht in ihrer Laudatio über ›Lebensspuren‹, die Ihre Figuren tragen, sogar von antiker Wucht – hier hat vielleicht Ihr Geburtsort Athen inspiriert. Aktuell sind Sie in der deutschen Komödie ›Faltenfrei‹ zu sehen. Ihre Rolle ist die einer Frau, die sich unter kuriosen Umständen von ihren Schönheitsidealen löst. Was hat Sie daran gereizt?

Genau das. Wer sich ständig optimiert, schafft äußerlich eine falsche Person, eine lebendige Hülle. Das ist wahnsinnig anstrengend – für alle Beteiligten – und lässt sich irgendwann nicht mehr aufrechterhalten. Der Film gewinnt dem amüsante Aspekte ab und regt zugleich zum Nachdenken an. Einfach ist das Älterwerden nicht.

Sollten Menschen offener mit Veränderungen umgehen, die damit einhergehen, beispielsweise in den Wechseljahren? Einige Frauen fordern, klar zu benennen, was manchmal zu schaffen macht: Hitzewallungen, Überforderung, Gewichtszunahme, das Aus für einen Kinderwunsch …

Ich schätze sowohl als Schauspielerin als auch im echten Leben Menschen, die wahrhaftig sind. Tatsächlich mag ich deshalb Bibi Fellner wahnsinnig gern und freue mich über die Auszeichnung. Und ja: Wir alle sollten sagen können, wie es uns geht, ohne Angst vor Tabus. Wir gehen heute sensibler mit unserem körperlichen und seelischen Befinden um als früher, das ist gut so und gilt auch für das angesprochene Thema. Ich selbst habe in einem Buch über Depressionen und Suizidgedanken geschrieben, auch viele andere haben das Thema angesprochen und dazu beigetragen, dass Menschen heute sehr viel besser darüber Bescheid wissen. Das ist der richtige Weg.

Foto Ilona Grundman Filmproduction
Adele Neuhauser in der Rolle der Rudolfine Steindling bei einem Dreh in den Wiesbadener Theaterkolonnaden

Sie haben vor einigen Jahren einen dokumentarischen Film in Wiesbaden gedreht: ›Die verschwundenen Millionen der DDR – Frau Fini und die SED‹. Der Wirtschaftsthriller wurde produziert von der Wiesbadenerin Ilona Grundmann. Drehorte waren unter anderem das Kurhaus und die Theaterkolonnaden.

Ja, das war ein wahnsinnig heißer Sommer und ich bin mit einem Pelzmantel vor dem Theater hin und her gelaufen. Ich spielte Rudolfine Steindling, eine spannende Frau, von der ich erst erfuhr, als ich für die Rolle angefragt wurde. Sie hatte zu DDR-Zeiten dubios viel Geld verdient, indem sie internationale Geschäftsleute mit den Parteioberen zusammenbrachte. Steindling hatte Stil, Charme, Fleiß und Klugheit, aber auch unglaubliche kriminelle Energie. Sie trug Chanel-Kostüme und war Mitglied der kommunistischen Partei, was ihr den Spitznahmen ›rote Fini‹ einbrachte. Eine interessante Rolle, für die ich fünf Tage hier in Wiesbaden wohnte, um die Szenen einzuspielen, die in die Dokumentation eingebunden.

Und natürlich ist Wiesbaden ein besonderer Ort. Gern bin ich heute wieder hierhergekommen!

Foto Stehende-Ovationen-fuer-Ehrenpreistraegerin-Adele-Neuhauser-©-Deutsches-FernsehKrimi-Festival_Jason-Sellers
Das Kino Caligari im Herzen Wiesbadens ist zur Ehrenpreisverleihung Ende März voll besetzt – mit Fans von Adele Neuhauser, die ihr stehend Ovationen spenden.

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