
10 Fragen an Julia Reichelt. Die Leiterin und Kuratorin des Kunstforums der TU Darmstadt liebt Tanztheater, ist passionierte Radfahrerin und schätzt den nahe gelegenen Odenwald als Ausflugsziel.
1. Sind Sie hier gebürtig?
Nein, ich bin in Wiesbaden geboren und habe in Aix-en-Provence und Mainz studiert. In Darmstadt lebe ich seit fast 30 Jahren.
2. Warum leben Sie hier?
Weil ich hier einen fantastischen Job habe als Leiterin und Kuratorin des Kunstforums der TU Darmstadt – und das seit über zehn Jahren! Ich darf hier internationale Ausstellungen kuratieren und Schwerpunkte setzen wie in der aktuellen Ausstellung ›Annegret Soltau. VATERSUCHE‹. Nach mehr als 20 Jahren zeigt diese feministische, in der ganzen Welt bekannte Künstlerin, die hier in Darmstadt lebt, wieder eine Einzelausstellung. Dafür bin ich dankbar.
3. Was mögen Sie an Darmstadt?
Die kurzen Wege, wörtlich und auch im übertragenen Sinn. Ich fahre immer mit dem Fahrrad oder gehe zu Fuß. Und durch den guten kollegialen Austausch und das Vernetztsein genügt manchmal ein Anruf, um ganz unkompliziert Unterstützung zu bekommen oder neue gemeinsame Ideen zu entwickeln. Mit Meike Heinigk, der Geschäftsführerin und künstlerischen Leiterin der Centralstation, habe ich vor mehr als 20 Jahren ein Netzwerk für kulturschaffende Frauen gegründet. Aber auch überregional fällt das Zusammenarbeiten und Vernetzen leicht. Wie bei dem Projekt ›INTERIOR‹ im vergangenen Jahr, das gemeinsam mit den Opelvillen Rüsselsheim, dem Sinclair-Haus Bad Homburg, dem Museum Giersch der Goethe- Universität Frankfurt sowie dem Kunsthaus Wiesbaden und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden umgesetzt wurde.

Porträt‹ © Corina Gertz / VG Bild-Kunst, Bonn, 2026.
4. Was hat sich in den vergangenen fünf Jahren zum Guten verändert?
Das historische Ausstellungsgebäude des Instituts Mathildenhöhe ist wieder geöffnet – kürzlich konnten wir in Kooperation die Live-Performance von Annegret Soltau in den Ausstellungshallen zeigen. Ich freue mich schon auf die kommenden Ausstellungen dort. Außerdem gibt es inzwischen mehr Fahrradwege! Es ist zwar noch viel zu tun, aber es hat sich schon einiges verbessert.
5. Was zum Schlechteren?
Es gibt immer mehr Leerstand in der Darmstädter Innenstadt. Schade, dass so viele kleine Traditionsgeschäfte schließen mussten.
6. Wohin gehen Sie auf einen Drink – und was ist Ihr aktuelles Stammlokal?
Am liebsten auf die ›Schloßbastion‹ bei schönem Wetter. Dort scheint die Sonne am längsten und man kann sich wie im Urlaub fühlen. Oder ins ›Bacio‹ am Kantplatz: mein Favorit nicht nur für das beste selbst gemachte Eis und den besten Kaffee in Darmstadt, sondern auch für das liebevoll eingerichtete, stilsichere Ambiente in jedem kleinen Detail. Das ist einmalig. Mein liebstes Lokal ist aktuell die ›Zoo Bar‹ in der Innenstadt: nett zu jeder Uhrzeit und mit gutem Essen.

Porträt‹ © Corina Gertz / VG Bild-Kunst, Bonn, 2026.
7. Welche Einzelhändler schätzen Sie besonders?
Den ›Kaiser Vollkornbäcker‹ in der Schulstraße, mein Lieblingsbäcker, der auch guten Wein und manchmal auch regionales Obst hat. Den ›Heckmann Store‹ mit seinen erlesenen Designobjekten. Die zahlreichen Buchhandlungen wie die ›Georg Büchner Buchhandlung‹, ›Buchhandlung Lesezeichen‹ und ›Buchhandlung am Markt‹.
8. Welches kulturelle Event haben Sie hier zuletzt besucht?
Den Film ›Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke‹. Kaum zu glauben, ein deutscher Film, der gut ist. Ansonsten gehe ich gerne ins Theater, auch in Wiesbaden, Mainz oder Frankfurt. Am liebsten ins Tanztheater. Dank Bruno Heynderickx, dem Leiter des Hessischen Staatsballetts, haben wir das Glück, internationale Stars der Tanzszene in Darmstadt zu sehen wie Sharon Eyals ›Corps de Walk‹ oder ›Rave Lucid‹ der französischen Company ›Mazelfreten‹ – die letzten beiden Tanzstücke, die ich gesehen habe: großartig!
9. Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie nicht hier sind?
Den Odenwald! Die Umgebung von Darmstadt ist wunderschön.
10. Vollenden Sie uns bitte noch diesen Satz: Darmstadt ist …
Vielfältig, ich lebe gern hier.

Porträt‹ © Corina Gertz / VG Bild-Kunst, Bonn, 2026.
THREADS OF LIFE
Vom 1. November 2026 bis 28. Februar 2027
im Kunstforum der TU Darmstadt
Corina Gertz & Hannah Maria Schmutterer
Im Rahmen der World Design Capital Frankfurt
RheinMain 2026 – Design for Democracy
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