
Alexandra Bohemia ist Künstlerin, Planerin und Farbsammlerin – auf ihren Reisen sammelt sie die Farbeindrücke von alltäglichen Stadt- und Landschaftsansichten und verarbeitet diese in fortlaufenden Serien. VivArt sprach mit ihr über ihre Arbeit als Künstlerin.
Deine Reisen haben dich stark geprägt. Wie haben diese Erfahrungen deine Kunst und deine Farbauswahl beeinflusst?
Ich reise so oft ich kann – am liebsten mit meinem Camper, weil ich dadurch komplett frei bin. Unterwegs entdecke ich ständig neue Farben, Lichtstimmungen und Landschaften, die mich inspirieren. Ich nenne das ›Farbensammeln‹ – manchmal sind es die kühlen Blautöne eines Sees am frühen Morgen, manchmal das warme Rosa und strahlende Orange eines Sonnenuntergangs. Diese Eindrücke übersetze ich später im Atelier in Farbkompositionen, die für mich Erinnerungen an Orte und Stimmungen sind. Jede Reise hinterlässt so ihre eigene Farbspur in meiner Arbeit.

Du sammelst Farben und arbeitest gerne in fortlaufenden Serien. Kannst du uns erklären, wie dieser kreative Prozess aussieht?
Ich habe nicht den einen Prozess, dem ich wie einem Rezept folge – mein Arbeiten ist sehr intuitiv. Oft beginnt alles mit einer Farbe oder einer Stimmung, die ich unterwegs erlebt habe, ob auf Reise oder Zuhause. Daraus entsteht eine Serie, wie ein visuelles Tagebuch. Ich arbeite meist an mehreren Leinwänden gleichzeitig, experimentiere mit Schichten, Transparenzen und Strukturen. Manchmal kehre ich zu bestimmten Farbkombinationen zurück und arbeite an Serien weiter, die ich eigentlich schon als abgeschlossen empfunden hatte – so entwickeln sich meine Arbeiten organisch weiter, immer im Dialog mit dem, was war und dem, was gerade entsteht.

Deine Kunst spiegelt verschiedene Lebensabschnitte wider. Gibt es eine Serie oder ein Werk, das besonders persönlich für dich ist?
Eine Serie, die mir besonders am Herzen liegt und an der ich fortlaufend arbeite, heißt Despina. Inspiriert ist sie von der gleichnamigen Stadt aus Italo Calvinos Roman ›Die unsichtbaren Städte‹. In Calvinos Erzählung liegt Despina zwischen Wüste und Meer – ein Ort des Übergangs, voller Gegensätze und Möglichkeiten.
In meiner Serie zeigt sich Despina in sanften Pastelltönen, die ich mit irisierenden Folierungen und neonfarbenen Akzenten kombiniere. Diese Verbindung steht für das Gleichzeitige von Leichtigkeit und Intensität, von Ruhe und Aufbruch. Für mich ist Despina eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit Wandel, Bewegung und dem Dazwischen – einem Zustand, der mich künstlerisch immer wieder aufs Neue fasziniert.

Stadt- und Landschaftsansichten inspirieren dich stark. Wie wählst du deine Motive aus, und welche alltäglichen Perspektiven faszinieren dich besonders?
Mich faszinieren Orte, an denen Gegensätze sichtbar werden – wo urbane Strukturen plötzlich in weiche Landschaften übergehen, wo die Bruchkante zwischen Küste und Meer oder der feine Übergang zwischen Himmel und Horizont spürbar wird. Auch alltägliche Orte ziehen mich an, wenn sie durch Licht und Farbe eine völlig neue Stimmung oder Struktur bekommen.
Du bist aktiv auf Instagram und TikTok und teilst dort den Entstehungsprozess deiner Kunst. Welche Rolle spielt Social Media für dich – eher als Inspirationsquelle, als Kommunikationskanal oder beides?
Beides, Social Media ist für mich ein Raum des Austauschs und der Sichtbarkeit. Ich liebe es, Einblicke in meinen kreativen Prozess zu geben, weil Kunst für mich etwas Verbindendes ist. Gleichzeitig inspiriert mich der Austausch mit anderen Künstler:innen und Menschen, die sich von Farben und Emotionen angesprochen fühlen. Es geht mir nicht um Perfektion, einen tollen Feed, sondern darum, Momente aus dem Atelier und unterwegs zu teilen.

Welche Ziele oder Projekte hast du als Künstlerin für die kommenden Jahre?
In diesem Jahr habe ich verstärkt das Malen en plein air, also unter freiem Himmel und unterwegs, ausprobiert – und bin dabei richtig auf den Geschmack gekommen. Es hat etwas unglaublich Befreiendes, die Inspiration, die man sieht, direkt in Farbe zu übersetzen – manchmal als rohe Skizze, manchmal schon als Beginn eines neuen Kunstwerks. Das möchte ich im kommenden Jahr noch intensiver umsetzen. Ich kann mir auch gut vorstellen, Workshops dazu zu geben – um zu zeigen, wie das Farben sammeln und das intuitive Malen direkt in der Natur miteinander verbunden werden können. Außerdem plane ich eine neue Serie, die sich stärker mit Grenzräumen beschäftigt – inspiriert von meiner Forschung zu Placemaking und den Übergängen zwischen Orten.
Alexandra Bohemia
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