
Einen Notruf absetzen?
Das kann, muss aber nicht richtig sein. Die Notfallnummer 112 ist die Wahl in lebensbedrohlichen Situationen wie Bewusstlosigkeit, Brustschmerz, Lähmungserscheinungen oder gar Atem- und Herzstillstand. Von dort erfolgt eine Ersteinschätzung der Dringlichkeit und der notwendigen Rettungsmittel wie Notarzt und Rettungswagen. Bundesweit kommen Millionen Menschen von selbst in die Notaufnahmen, die dort gar nicht hingehören. Das ist eine große Belastung für alle Beteiligten.
Welche Nummer ist in nicht lebensbedrohlichen Situationen richtig?
Wer ärztliche Hilfe braucht, wenn Praxen geschlossen sind, wählt die Notdienstnummer 116 117. Kompetente Mitarbeiter beraten und vermitteln in eine Notfallsprechstunde oder erforderlichenfalls einen ärztlichen Hausbesuch – in weniger dringlichen Fällen einen Termin in einer Arztpraxis. Aktuell ist die Vernetzung der Rufnummern 116 117 und 112 sowie eine Neustrukturierung in integrierte Leitstellen und Notfallzentren mit Notaufnahme geplant.
Versteht jeder Mensch etwas anderes unter einem Notfall?
Ja, bin ich selbst oder eine geliebte Person betroffen, komme ich in Not, habe ich vielleicht Angst oder gerate in Panik. Die Betroffenen selbst erleben das als Notfall. Geschulte Laien und Profis hingegen schätzen die Situation klarer ein und können sachgerechte Entscheidungen fällen.
Was meinen Sie mit geschulten Laien?
Zwei Dinge: Jeder von uns sollte sich mit Gesundheitsthemen beschäftigen. Auch sollte man wissen, unter welchen chronischen Erkrankungen man selbst und nahestehende Personen leiden, welche Alarmzeichen und akuten Beschwerden auftreten können und wie darauf zu reagieren ist. Am besten bespricht man das mit den behandelnden Ärzten und legt medizinische Unterlagen leicht auffindbar bereit, die im Notfall wichtig sein können. Dann ist souveränes Handeln möglich.
Zweitens?
Wie lange ist Ihr letzter Erste-Hilfe-Kurs her? Bei den meisten lautet die Antwort: seit der Führerscheinprüfung. Fest steht: Man ist umso unsicherer, je länger der Kurs zurückliegt. Eine Auffrischung ist gar nicht so aufwendig, die Hilfs- und Rettungsorganisationen bieten dies an. Man kann einen Kurs gemeinsam absolvieren – im Freundes- oder Kollegenkreis, da können wir gern etwas arrangieren! Danach ist man wieder notfallkompetent, für sich und andere!

PROF. DR. MED. THOMAS WEBER ist Facharzt für Innere Medizin und für Arbeitsmedizin sowie,Notfallmediziner. Er gehört zu den Gründern des Netzwerkes ›Wiesbaden lernt Erste Hilfe‹ und ist Vorsitzender des gleichnamigen Vereins, der die Notfallkompetenz in der Bevölkerung steigern will, unter anderem wurden mehr als 16.000 Schüler*innen in Erster Hilfe geschult.
Foto: privat
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