
Der Taschen Verlag bringt ein monumentales Werk heraus – eine irre 752-Seiten-Reise durch die gut gefüllten Vitrinen und obsessiven Köpfe der geschicktesten Sammler*innen des Planeten. Um mehr als 2.500 besondere Sneaker ins Rampenlicht zu holen, blieb zwischen Tokyo und New York, London, Philadelphia, Melbourne und Størdal keine bröckelnde Sohle verschont. Denn auch das ist Fakt: Alte Schuhe sind vergilbt, lösen sich auf und werden brüchig, trotz aller Rettungsversuche. Das Buch präsentiert Vintage-Klassiker, unverkäufliche Muster, handgefertigte Prototypen, sündhaft teure Collabs, Player Exclusives und abgewetzte ›game-worn‹ Jordans mit millionenschwerem Preisschild. Wer heute neue Basketball-Schuhe kauft, kann kaum glauben, dass ein so leichtfüßiges Spiel mit diesen schweren Ledertretern überhaupt möglich war. Das Thema Ästhetik einmal völlig außen vor. Schön beziehungsweise eigentlich hässlich sind auch die Produktentwicklungen zu sehen: von hohen Schuhen über niedrige bis hin zu ultrahohen nach Verletzungen wie beim Ausnahmeathleten Kobe Bryant. Nike, Adidas, Converse, New Balance und eine Handvoll anderer Player in einem fast epischen Wettstreit um die besten Athlet*innen und die besten Plätze in den heimischen Schuhregalen. Doch wer dachte, dass er mit 20 Paaren schon weit vorne mitspielt, der hat sich getäuscht. Hier kommen die Verrückten zu Wort, deren Kollektionen ganze Räume füllen – bis zur Decke.
Es ist kein leichtes Spiel. Ich habe zehn Jahre gebraucht, um 60 Paar Jordans zu finden, die von Michael Jordan signiert und bei einem Spiel getragen wurden. Es geht um die Jagd. Harte Arbeit und nicht lockerlassen, ein unschlagbares Gefühl!
Elliot Tebele
Es zeigt sich: Die endlose Suche nach einem Lieblingssneaker von unschätzbarem Wert ist zugleich Fluch und Segen dieser besonderen Leidenschaft. 2,2 Millionen US-Dollar bei einer Sothebyʼs-Versteigerung für ein Paar getragene Air Jordans, die er 1998 bei den Finals trug, sind nicht das Ende der Obsession. 2022 erzielten 200 Paare Air Force 1 zusammen 25,3 Millionen US-Dollar. Nike, Virgil Abloh und Louis Vuitton taten sich zusammen, um diese ›Limited Edition‹ zu kreieren. Die Gebote begannen bei 2.000 US-Dollar und erreichten für das einzige Einzelstück 352.000 US-Dollar. Ein Teil der Erlöse wurde zur Unterstützung von Ablohs Stipendienfonds für schwarze Studierende verwendet. Doch es geht nicht nur ums Geld. Zum Thema Sammeln sagt der New Yorker Tebele, der in seinen 30ern bereits eine zehnjährige Sammlerkarriere hinter sich hat, dass sich alles um die Jagd dreht: »So eine Sammlung kann man nicht einfach kaufen. Es dauert unglaublich viele Stunden, die Nuancen jedes Paares zu erforschen und zu lernen, wie sich das auf den Wert auswirkt. Ich hatte auch großes Glück, dass ich da hineingekommen bin. Es war ja eine kleine Gruppe von Leuten, die diese im Spiel getragenen und signierten Michael-Jordan-Schuhe sammelte. Und ich hatte das Glück, dort zu sein, als der Markt unterbewertet war.« Aufgrund intensiver Recherchen gelang es Tebele, die meisten der Schuhe direkt von den Eigentümern zu kaufen. Weiter erklärt Wood, dass es beim Jagen auch auf das Wissen ankommt, um zu erkennen, worauf man sich dabei einlässt. Ist dies geschehen, »stehen Ihnen alle möglichen persönlichen Dilemmata, Zwickmühlen, finanzielle Dramen und subjektive Opfer bevor, die Sie endlos durcharbeiten müssen«, meint Woody und fügt hinzu, dass genau dies den Spaß ausmache. Das Sammlerethos ist omnipräsent: Sie fiebern, jagen und suchen unermüdlich nach ›dem einen‹ Schuh, der ihnen noch nicht gehört. Selbst bei 2.500 Paaren ist noch nicht Schluss. Die in Szene gesetzten Sammlungen und Profile der Sneakerheads werden von einer Reihe Profitipps begleitet, wie man Sneaker fotografiert, richtig lagert, versichert, reinigt und auch Fälschungen vermeidet. Diese amüsanten Sammlergeschichten und unbezahlbaren Ratschläge sind die ultimative Eintrittskarte in die Welt der ›true collectors‹.

Simon ›Woody‹ Wood: World’s Greatest Sneaker Collectors
Taschen Verlag. Hardcover, 752 Seiten, 50 EUR
Große Kunst
Junge Fotografie und mehr
Vorlaut
Life doesn’t frighten me
Aus der Gesellschaft
Über die besten Eier, die Welt und Hühnerglück
Der Frankfurter Globetrotter
Demokratie zum Hören
Restaurant Tipps
Fine oriental Food
Küche mit Haltung
›Meet and Eat‹ im Kreuzberger Himmel
Zeit für dich
Wo Ruhe zum Luxus wird
Schnell und präzise
Entspannung mit Weitblick
Lebensfreude steht im Mittelpunkt
Leckere Rezepte
Geschmurgelte Kichererbsen und Zwiebel mit Feta und Oregano
Matcha Haferlatte
Gaumenschmaus à la Ukraine
Erbsen, Burrata und schwarze Oliven
Mode & Fashion
Gutes Gewissen trägt nie auf
Mode – Kunst der Kommunikation