
Das Team des Tierheims Wiesbaden leistet nicht nur die alltägliche Versorgung der Tiere, sondern ist auch im Verhaltenstraining der Hunde aktiv, um dafür zu sorgen, dass sie möglichst schnell fit für ein neues Zuhause werden. Die Rate an vermittelten Tieren überrascht: Allein im vergangenen Jahr wurden 48 Hunde vermittelt. Ebby und Raja, die wir bei ihren Gassi-Runden begleiten dürfen, sind noch auf der Suche.
Die beiden Hündinnen warten bei unserer Ankunft schon aufgeregt darauf, dass es losgeht. Sie werden uns von Ehrenamtlerin Sylvia Gaul vorgestellt. Wie jedes Heimtier haben auch die beiden ihre ›Geschichte‹. Die aufgeweckte Jack-Russell-Hündin Raja wurde in einem Waldgebiet bei Idstein gefunden. Ebby lebt bereits seit zwei Jahren im Tierheim Wiesbaden, die amerikanische Bulldogge wurde vom Amt abgegeben: »Ein echter Gute-Laune-Hund«, meint Gaul. Nach ausgiebigen Streicheleinheiten zum Kennenlernen starten wir unseren Spaziergang.

»Mindestens dreimal am Tag sollte man mit seinem Vierbeiner spazieren gehen, das vertieft die Verbundenheit zwischen Tier und Mensch. Vom Personal im Tierheim ist dies für rund 60 Hunde jedoch unmöglich zu leisten«, erklärt die Frau, während wir von der viel befahrenen Mainzer Straße in einen beschaulicheren Feldweg einbiegen. Ebby kennt den Weg und die kräftige Bulldogge zeigt uns, wo’s langgeht. Die Zeit mit den Gassi-Geher*innen ist DAS Highlight für die großen und kleinen Hunde im Tierheim.
Derzeit gibt es rund 50 ehrenamtlich Tätige, die regelmäßig mit den Hunden losziehen. Eine bunt gemischte Gruppe: »Es ist egal, wer du bist und wo du herkommst, hier zählt nur das Tier«, erklärt Gaul. Alle, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, sind willkommen. Um Gassi-Gehe*in zu werden, braucht man keinerlei Vorkenntnisse. Man muss lediglich aus versicherungstechnischen Gründen Mitglied im Tierschutzverein werden. Nach einer theoretischen Einweisung ins ›Hunde-Einmaleins‹ folgt der Praxisteil durch erfahrene Gassi-Geher*innen, die Routen zeigen und weitere Tipps zum Umgang mit dem Hund geben. Zeitlich ist man flexibel, man kann einfach zu den jeweiligen Gassi-Zeiten ohne Voranmeldung vorbeikommen.

Während wir an diesem sonnigen Märztag den Feldweg entlangspazieren und die Hunde dabei beobachten, wie sie sich jedes Grashalms erfreuen, begreifen wir im Nu, warum sich die fröhliche Frau bereits seit 17 Jahren ehrenamtlich im Tierheim Wiesbaden engagiert. Ange- fangen hat sie als Gassi-Geherin. Da sie immer mehr Kontakt zu den Tieren entwickelte, wurde sie gefragt, ob sie beim Training der Hunde mithelfen möchte – und so wuchs ihr Engagement.
Über so viel Einsatz freut sich das Tierheim-Team. So können intensive Bindungen zwischen Hund und Mensch entstehen, ohne dass man wie bei einem eigenen Hund 24 Stunden für ihn Sorge tragen muss – inklusive Urlaubszeit und bei Krankheit.
Der Benefit dieser Mensch-Hund-Beziehung, wie sie das Tierheim bietet, liegt nicht nur beim Tier: Bei den Hunderunden kommt man selbst in Bewegung und entwickelt soziale Kontakte zu anderen Gassi-Geher*innen, die sich gern zu Spaziergängen verabreden.
»Diese gemeinsame Zeit gibt Mensch und Tier so viel«, schwärmt Sylvia Gaul. Als wir nach unserer gemeinsamen Runde wieder im Tierheim ankommen, können wir sie so gut verstehen.
Gassi-Zeiten:
Do und Fr 14–17.15 Uhr
Sa und So 8.15–10.45 Uhr
Das Tierheim bittet darum, die Hol- und Bringzeiten zu beachten.
Ein Tipp für den Sommer: Immer dienstags findet ein langes Gassi-Gehen von 18 bis 20 Uhr statt, bei dem Menschen und Tiere die hellen Abende genießen können.
Erfahren Sie mehr über ehrenamtliche Angebote unter:
Tierheim Wiesbaden
Spelzmühlweg 1, 65187 Wiesbaden
Große Kunst
Junge Fotografie und mehr
Vorlaut
Life doesn’t frighten me
Leckere Rezepte
Erbsen, Burrata und schwarze Oliven
Aus der Gesellschaft
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