
Liebe Frau Pforr, mit dem Erwerb der Villa wird hier Geschichte neu geschrieben. Was ist Ihnen wichtig?
Herr Reitzle hat Villa Santo Stefano zunächst als Ferienhaus erworben. Auf dem Gelände fanden sich gerade mal 1.000 Olivenbäume und knapp ein Hektar Wein – für den Hausgebrauch. Lucca war vor allem für sein herausragendes Olivenöl bekannt, weniger für Wein. Wolfgang Reitzle ließ aber der Gedanke nicht los, hier dennoch einen hervorragenden Wein zu produzieren. Also entwickelte er über die Jahre ein Wein- und Ölprojekt, das immer größere Dimensionen annahm. Heute bewirtschaftet Villa Santo Stefano 22 Hektar Wein in der Maremma und über sechs Hektar in Lucca. Dazu kommen rund 3.000 Olivenbäume.
Wie würden Sie die Philosophie beschreiben?
Unser Flagship-Wein Loto repräsentiert unsere Philosophie, und die heißt: kompromisslose Perfektion. Das beginnt bei der Zahl der Trauben pro Rebstock: Wir schneiden auf maximal drei Trauben pro Rebstock zurück. Im Zuge der Ernte wandert jede Kassette in weniger als 30 Minuten nach dem Schnitt in einen Kühlwagen mit einer Temperatur von zwei bis drei Grad Celsius. Dort verbleiben die Trauben bis zur Verarbeitung am nächsten Morgen. Jede Weinsorte wird in eigens abgestimmten Barriquefässern ausgebaut. Nach der Komposition des Cuvées lagert der Wein zur Ausbalancierung noch mehr als sechs Monate in großen Betonbehältern bis zur Abfüllung.
Welche Idee steckt denn hinter dem Winemaking von Villa Santo?
Die Trauben für Loto bauen wir an drei verschiedenen Orten in der Maremma an. Unsere Strategie unterscheidet sich damit von fast allen anderen Weingütern in der Toskana. Jede Rebsorte für den Loto wird in dafür optimalen Gebieten angebaut, denn jede Rebsorte braucht idealerweise ein eigenes Mikroklima und eine optimale Bodenbeschaffenheit. Da wir sehr viel mehr Anbaufläche bewirtschaften, als wir an Loto-Flaschen produzieren, können wir eine extrem rigorose Auswahl der Trauben bei der Ernte vornehmen. So werden wir Schritt für Schritt die Qualität weiter steigern und versuchen, in die absolute Spitzengruppe der Toskana-Weine aufzusteigen. In dieser Klasse sind wir bereits heute mit unserem exklusiven Wein Nina vertreten, einem auf 2.000 Flaschen limitierten 100-Prozent-Cabernet-Franc-Wein.

Sie arbeiten dort, wo andere Menschen ihren Urlaub verbringen. Pittoreske Landschaften und spektakuläre Ausblicke: Lenkt das nicht schrecklich von der Arbeit ab?
Villa Santo Stefano ist ein Traumanwesen, ein Paradies und in der Tat sehr inspirierend und motivierend. Ich fühle mich absolut privilegiert, hier arbeiten zu dürfen. Die Landschaft ist für mich eine unglaubliche Bereicherung und stimuliert mich tagtäglich.

Auf Ihrer Website zitieren Sie Henry Ford: »Der größte Feind der Qualität ist die Eile.« Wie schaffen Sie es, in diesem hart umkämpften Markt so entspannt zu bleiben?
In der Tat steht der Weinmarkt heute stark unter Druck. Es wird weniger Wein getrunken und somit gibt es Überkapazitäten. Wir als Boutique-Weingut versuchen aber trotz des hohen Markt- drucks relativ entspannt zu bleiben, indem wir uns auf unsere Kernwerte konzentrieren: Sorgfalt, Geduld und ständige Verfeinerung. In dem stark umkämpften Weinmarkt ist es entschei- dend, sich nicht allzu sehr vom Wettbewerb unter Druck setzen zu lassen, sondern beständig die eigenen Ziele zu verfolgen. Ich glaube, dass uns ein solcher Ansatz ermöglicht, die höchste Weinqualität zu gewährleisten. Und Qualität wird sich auf Dauer einfach durchsetzen.
Daran glauben wir auch. Vielen Dank für das Gespräch!

Villa Santo Stefano
Villa della Chiesa di Pieve di Santo Stefano 504/B 55100 Lucca, Italien
+39 0583 395 349
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