
angepassten KI-Modell generiert wurden, Prompter und interaktives Video © Holly Herndon & Mat Dryhurst
Viele Menschen verbinden künstliche Intelligenz vor allem mit ChatGPT oder Bildgeneratoren. Was wird diese Besucherinnen und Besucher an ›The World Through AI‹ überraschen?
Ich hoffe, dass sie in der Ausstellung von der Vielfalt der KI-Technologien und den unterschiedlichen Möglichkeiten, sich damit auseinanderzusetzen, überrascht sein werden. Die Geschichte der KI reicht bis in die Mitte der 1950er-Jahre zurück, als der Begriff ›künstliche Intelligenz‹ zum ersten Mal verwendet wurde. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte hat sich die Bedeutung des Begriffs ständig gewandelt, so wie sich auch die KI-Technologien kontinuierlich weiterentwickelt haben. ChatGPT und die aktuellen Bildgeneratoren sind Teil dieser langen Geschichte, die nun mit den sogenannten ›KI-Agenten‹ fortgesetzt wird: KI-Modelle, die nicht nach dem Frage-Antwort-Schema funktionieren wie die heutigen Chatbots, sondern über ein weitaus höheres Maß an Autonomie verfügen. Im Verlauf der Ausstellung begegnen die Besucherinnen und Besucher Kunstwerken, die überwiegend aus den vergangenen zehn Jahren stammen und in denen sich Kunstschaffende mit verschiedenen Arten von KI-Technologien auseinandergesetzt haben: von maschinellem Sehen und Gesichtserkennungssystemen bis hin zu großen Sprachmodellen sowie Bild- oder Videogeneratoren, wobei sie deren vielfältige ästhetische, erkenntnistheoretische, soziale und politische Implikationen erforschen.
Die Ausstellung wurde 2025 erstmals im Jeu de Paume in Paris gezeigt und für die Schirn weiterentwickelt. Worauf dürfen sich die Besucherinnen und Besucher in Frankfurt besonders freuen? Welche neuen Impulse sind hinzugekommen?
Im Vergleich zu der Ausstellung, die von April bis September 2025 im Jeu de Paume zu sehen war, unterscheidet sich die in der Schirn gezeigte Version zu etwa einem Drittel. Einerseits habe ich mich entschlossen, neue Werke hinzuzufügen, die sich mit einigen neuen Phänomenen auseinandersetzen, die in den vergangenen Monaten aufgetreten sind, wie zum Beispiel dem Phänomen ›AI Slop‹ (die massenhafte Produktion schnell generierter, stereotyper, meme-ähnlicher Bilder mithilfe der Standardparameter der gängigsten kommerziellen KI-Modelle) und dem Phänomen ›Slopaganda‹ (die Nutzung solcher Bilder durch autoritäre Regierungen und rechtsextreme Parteien weltweit als neue Form der politischen visuellen Kommunikation). Die neuen Werke, die sich mit diesen Themen befassen, sind ›Welcome to Jankspace, Babes‹ (2025) von Daniel Felstead und Jenn Leung sowie ›Holy Slop! An Atlas of Slopaganda in Palestine‹ (2026) von Occitane Lacurie und Barnabé Sauvage.
Andererseits wollte ich die Ausstellung in ihrem spezifischen geografischen, kulturellen und historischen Kontext verankern: in der Dondorf Druckerei mit ihrer bewegten und vielschichtigen Geschichte sowie in der Stadt Frankfurt mit ihren Museen, Sammlungen und Archiven. Diese Verankerung zeigt sich in den Zeitkapseln (einer Reihe von Vitrinen, die historische Objekte, Geräte, Bilder und Bücher enthalten, welche die durch KI ausgelösten zeitgenössischen Veränderungen in eine genealogische Perspektive rücken) sowie in einem neuen, speziell für die Ausstellung konzipierten Film: Ania Szczepańskas ›Reinscribing the Dondorf‹ (2026). Der Film beleuchtet einige Momente in der Geschichte der Dondorf Druckerei und der jüdischen Familie Dondorf und reflektiert zugleich darüber, was es bedeutet, verschiedene Arten von KI für die historische und archivarische Forschung einzusetzen.

Turks“ (2021-2025) © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz
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Viele Werke beschäftigen sich nicht nur mit den Möglichkeiten künstlicher Intelligenz, sondern auch mit ihren ökologischen, politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Warum war es Ihnen wichtig, diese Perspektiven bewusst einzubeziehen?
Die Technologien, die zum weitläufigen und heterogenen Feld der KI gehören, lösen heute einen regelrechten Umbruch aus, der sich auf alle Bereiche unseres Lebens auswirkt und sowohl das Gefüge unserer Gesellschaften als auch unsere Art zu denken, uns Dinge vorzustellen, uns zu erinnern, Bilder, Texte und Töne zu erzeugen, zu arbeiten und mit anderen zu interagieren, tiefgreifend verändert. Es gibt keinen einzigen Bereich unseres Lebens, der nicht zumindest teilweise durch diese Technologien verändert wird. Aus diesem Grund kann sich eine Ausstellung über KI – selbst wenn sie aus der Perspektive der zeitgenössischen Kunst konzipiert ist – nicht auf die Frage beschränken, wie KI die Formen des künstlerischen Schaffens verändert. Sie muss sich mit KI aus vielfältigen Perspektiven auseinandersetzen, darunter auch mit ökologischen, politischen und sozialen Auswirkungen.
Die Ausstellung wurde in 17 unterschiedlichen Räumen thematisch gegliedert und stellt zeitgenössischen Werken ›Zeitkapseln‹ gegenüber, die einen historischen und medienarchäologischen Kontrapunkt setzen. Warum war es Ihnen ein Anliegen, der Ausstellung eine historische Tiefe zu geben, obwohl sie sich sonst primär auf Gegenwart und Zukunft fokussiert?
Die Zeitkapseln sollen uns daran erinnern, dass diese aktuellen Veränderungen nicht vor einigen Jahren aus dem Nichts entstanden sind, sondern in viel längeren Geschichten und Genealogien verwurzelt sind. Diese sind vielfältig und oft miteinander verflochten. Die Zeitkapseln tragen zusammen mit Werken wie dem großformatigen Diagramm ›Calculating Empires‹ (2023–2025) von Kate Crawford und Vladan Joler dazu bei, dass Betrachtende den aktuellen tektonischen Wandel, den wir gerade erleben, in eine längere historische Perspektive einordnen können.

Gab es während der Vorbereitungsphase ein Werk, das Sie persönlich überrascht oder Ihre Sichtweise auf KI verändert hat? Oder gibt es im Anschluss an diese Ausstellung eine Frage im Zusammenhang mit KI-generierten Inhalten, die Sie sich häufiger stellen als zuvor?
Was mir jetzt, nachdem ich die Arbeit an dieser Frankfurter Version der Ausstellung abgeschlossen habe, auffällt, ist das Aufkommen einer allgemeinen Ablehnungsbewegung gegenüber KI: einer Bewegung, die zu einem generellen Boykott von KI-Technologien aufruft, aufgrund ihrer zutiefst besorgniserregenden Auswirkungen auf unsere Umwelt, auf den Arbeitsmarkt, auf unsere eigenen kognitiven Fähigkeiten und so weiter. Auch wenn ich all diese Sorgen teile, halte ich es für einen großen Fehler, wenn ein Teil unserer Gesellschaft – nämlich derjenige, der es sich leisten kann – das Feld der KI aufgeben würde. Das würde bedeuten, es den wirtschaftlichen, industriellen und geopolitischen Kräften zu überlassen, die es bereits dominieren: dem Silicon Valley einerseits und China andererseits. Anstatt das Feld aufzugeben, sollten wir es weiterhin kritisch erforschen und aufzeigen, dass andere Wege der Entwicklung und Nutzung von KI möglich sind. Im gegenwärtigen historischen Moment besteht ein echter Bedarf an experimentellen, innovativen und gegenhegemonialen Ansätzen zur KI, und ich glaube, dass zeitgenössische Kunstschaffende und Museumsausstellungen in diesem Kontext eine sehr wichtige Rolle spielen können.
Vielen Dank für das Gespräch!
The World Through AI
Bis 20. September 2026
Öffnungszeiten: Mo geschlossen
Di, Mi, Fr, Sa, So 10–19 Uhr
Do 10–22 Uhr
SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT
Gabriel-Riesser-Weg 3
60325 Frankfurt am Main
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