
Was macht eine wahre Ikone aus? Für Scott W.J. Lipinski, CEO des Fashion Council Germany, ist die Antwort eindeutig: eine Frau aus Offenburg, die die Mode für immer verändert hat. Im Gespräch mit VivArt verrät er, warum Aenne Burda sein persönliches Vorbild ist – und wie eine Schnittmuster-Revolution die Welt bewegte.
»Offenburg? Das klingt nur wenig nach Mode. Doch genau dort, in einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg, hat Aenne Burda eine Revolution losgetreten, die die internationale Modebranche für immer verändern sollte.
Ab 1950 brachte die Frau des früheren Druckereiinhabers und späteren Verlegers Franz Burda ein Modeheft heraus. Das Besondere: Jeder Ausgabe von „Burda Moden“ lagen Schnittmuster bei, mit denen sich die Leserin die abgebildeten Entwürfe selbst nachschneidern konnte; ab 1952 wurden über das Verlagshaus auch Einzelschnitte verkauft, je Kleid ein kleines Tütchen mit Schnittmuster und Arbeitsanleitung darin.
Gerade in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit kam das besonders gut an: Aenne Burda machte Millionen Frauen nicht mehr nur bloße Bekleidung, sondern echte Mode verfügbar – erst in Deutschland, dann in der ganzen Welt. Zwischenzeitlich erschien „Burda Moden“ in 18 Sprachen und rund 120 Ländern. Und auch wenn man in den elitären Couture-Ateliers anfangs die Nase rümpfte über diese Frau, die Modernität und Eleganz für die Massen erlebbar machte, sollte sich das bald ändern.
In ihren späten Jahren saß die Offenburgerin in Paris in der ersten Reihe, war mit Karl Lagerfeld eng befreundet, wurde von Andy Warhol in einem Pop-Art-Gemälde portraitiert. Und das alles, weil die 2005 verstorbene Aenne Burda die Mode demokratisiert hatte – durch ihre Schnittmuster. Oder, wie es einmal die Kulturwissenschaftlerin Antonia Meiners formulierte: „In der Bundesrepublik gibt es wohl kaum eine Familie, in der Großmutter, Mutter oder Tochter sich danach nicht irgendwann einmal ihr Wunschkleid schneiderten.«
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