Die Ästhetik des Raums

Der dänische Hersteller mit dem charismatischen CEO Morten Woldum lud nach Hanau ins Concept-Studio Scenario ein, um dort die neue ›Vipp Küche‹ zu präsentieren. Eine Küche von ikonischem Wert. Dirk Becker folgte der Einladung und war begeistert von den feinen Unterschieden, die hier große Bedeutung bekommen. Ein Gespräch mit dem Inhaber Kai Brehm über Ästhetik, zeitgemäßes Wohnen und Bauen.

Lieber Herr Brehm, Sie führen Scenario bereits in dritter Generation und man merkt sofort, dass hier vieles anders gedacht wird. Was ist Ihnen bei Scenario wichtig?
 Individualität und Authentizität. Es war nie mein Ansatz, große Markennamen einzusammeln oder hippe Trends zu kopieren. Wir starteten mit einigen Herstellern, da hat sie noch niemand gekannt. Über die Jahre haben sie sich dann zu guten und namhaften Herstellern entwickelt. Ich finde es spannend, Neuheiten zu entdecken und möchte Produkte präsentieren, die nicht an jeder Ecke zu finden sind.

Ich wurde durch Vipp auf Sie aufmerksam, aber Scenario ist weder Küchenstudio noch Designstore für Luxusobjekte. Wie beschreiben Sie es selbst?
Wir sind ein Concept-Studio für modernes Wohnambiente im In- und Outdoorbereich. Wir handeln nicht nur mit wunderbaren Materialien und Ausstattungsobjekten, sondern liefern einen ganzheitlichen Ansatz, um alle Bereiche gekonnt zu verbinden. Wo man normalerweise viele einzelne Geschäfte mit ihrem jeweiligen Schwerpunkt aufsuchen muss, können wir Interessierten eine Anlaufstelle bieten, mit der sie sehr viel beim Thema Renovierung oder Neubau an einer Stelle abarbeiten können. Aber wir möchten dem Kunden auch einen Wohlfühlort bieten. Wir liegen außerhalb, nicht innerhalb einer hektischen Stadt. Hier kann man zur Ruhe kommen, sich inspirieren lassen und so selbst neue Ansätze und Ideen finden.

Ihr Großvater kam aus dem Handwerk und auch ihnen merkt man die Liebe zu Materialien und zur handwerklichen Qualität bei allen Dingen an, die Sie präsentieren. Wie ent- scheiden Sie, was zu Scenario passt?
Tatsächlich verfolge ich keinen Masterplan. Vielmehr bin ich ein extremer Messegänger und zunächst offen für alles, was die Welt zu bieten hat. Dann lebt die Ausstellung wirklich von meinem persönlichen Geschmack. Kein einziges Produkt, das ich aufgenommen hätte, nur weil es sich gut verkaufen ließe. Ich muss mich zunächst in ein Produkt verlieben und mir dann überlegen, ob es zu unserem Portfolio passt. Und dann geht es auch darum, woher es kommt und wie es hergestellt wird. Ich finde es großartig, dass wir einen hohen Anteil an familiengeführten Herstellern haben, da stößt die Idee einer langfristigen Geschäftsbeziehung auf entsprechende Gegenliebe.

Das Portfolio Ihrer Marken ist eher ungewöhnlich. Könnten Sie ein paar Beispiele für Ihre Begeisterung nennen?
Da ist etwa die Firma Meroni & Colzani, eine italienische Möbelmarke, die seit drei Generationen im Besitz zweier Familien ist. Bis 2018 fertigte sie vornehmlich im Auftrag gehobener Hotellerie und exquisiter Verkaufsboutiquen. Dann entschied die jüngste Generation, eine eigene Kollektion zu entwerfen und auf den Markt zu bringen. Es hat sich wunderbar entwickelt und ist eine tolle Alternative für unsere Kundinnen und Kunden, die auf der Suche nach exzellenter Qualität mit dem gewissen Etwas sind. Oder ein ganz anderer Bereich: Pflanzgefäße aus einer Manu- faktur in Belgien. Die Firma Atelier Vierkant fertigt diese erlesenen Gefäße in 100 % Handarbeit mit unglaublichem Zeitaufwand: Wahre Kunstwerke, die ihresgleichen suchen. Zunächst mag man diesem Thema wenig Aufmerksamkeit schenken, aber wenn wir unseren Kundinnen und Kunden dann aufzeigen, welche Ausstrahlung ein solches Pflanzgefäß haben kann, wird schnell klar, dass man diesen Bereich genauso ernst nehmen sollte wie die restliche Ausstattung von Terrasse oder Garten. Nicht zu verges- sen, wie gut sich diese Gefäße im Innenbereich platzieren lassen. Auch beim Thema Materialien gibt es faszinierende Produkte. Da hätten wir etwa die Firma Nerosicilia, die Lavabasalt vom Ätna verarbeitet. Sie haben ein Verfahren entwickelt, bei dem die geschnittenen Platten in einem Ofen von oben befeuert werden. Dabei schmilzt das Gestein wieder zu Magma und verfärbt sich entsprechend schwarz: Ein faszinierendes Ergebnis, was zugleich archaisch, aber auch elegant anmutet. Ich denke, es sind diese handwerklichen und innovativen Merkmale, die mich bei unseren Marken begeistern.

Sie haben sich sehr früh über die wohnliche Erschließung des Draußens Gedanken gemacht, seien es Pflanzgefäße, Outdoormöbel, Schattenspender oder Heizsysteme. Wenn Sie Dinge gedanklich angehen, dann ganz und gar. Richtig?
Ja, ich denke, das war der eigentliche Ansatz, als ich mich vor zehn Jahren dazu entschloss, unseren geschäftlichen Fokus ganz auf die schönen Dinge beim Bauen und Wohnen zu verlegen. Wir sind sehr breit aufgestellt, das bedeutet, dass wir sehr viele Themenfelder abdecken. Aber es geht nicht darum, dass man einfach alles anbieten möchte, sondern vielmehr darum, dass die unterschiedlichen Bereiche und Themen in einem Haus perfekt miteinander harmonieren sollten. Das möchten wir unseren Kun- dinnen und Kunden mit der umfangreichen Ausstellung zeigen. Als ich vor knapp 24 Jahren mit dem modernen und geradlinigen Gartenbereich anfing, waren wir dem Zeitgeist einige Schritte voraus. Aber ich wollte den Kunden zeigen, wie wichtig es ist, dem Gartenbereich die gleiche Aufmerksamkeit bei der Ausstattung zu widmen wie dem Innenbereich … erst dann wird aus einzelnen Bereichen ein harmonisches Ganzes.

Viele orientieren sich an großen Marken und umgehen so beim Kauf die eigene Unsicherheit. Was ist Ihr Rat für eine gelungene Ästhetik des Raums?
Weniger ist mehr. Es geht nicht darum, einen asketischen Minimalismus zu beschwören, aber man sollte nicht allen Möglichkeiten und Versuchungen erliegen. Wenn Sie sich auf wenige Materialien und Farben konzentrieren, dann können sich diese wiederum viel besser in ihrer Wirkung entfalten und Sie kreieren eine wunderbare Plattform für die dann zu ergänzende Ausstattung. Für meinen Geschmack ist die Welt hektisch und bunt genug, da tut es gut, sich eine Wohlfühloase zu schaffen, in die man sich zurückziehen und neue Kraft auftanken kann. Das lange Zeit inflationär beschriebene Cocooning ist aktueller denn je.

Vielen Dank für das Gespräch!

scenario I wohnen + bauen

Pfaffenbrunnenstraße 93–95, 63456 Hanau

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Do & Fr 08.30–13 Uhr, 14–18 Uhr
Sa 09–15 Uhr

scenario-design.com


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