Ästhetik ist Bewusstsein

Dr. Nuri Alamuti ist ein Perfektionist der angenehmen Sorte. Vor allem, wenn es um Ästhetik geht. Miriam Becker besuchte ihn in seinen herrlichen Praxisräumen.

Foto: Jason Sellers

Ihre Profession, die plastische Chirurgie, erlebt durch die Pandemie einen Boom. Wie kommt das?

Die Menschen waren auf sich zurückgeworfen und haben vieles infrage gestellt. Dazu gehört auch das Äußere. Einige haben sich zudem bei Video-Konferenzen ständig selbst gesehen – und mit sich gehadert. Nicht zuletzt konnte weniger Geld ausgegeben werden, das manche nun in Selbstoptimierung investieren. Der Wunsch, einem Ideal zu entsprechen, wird immer größer. 

Merken Sie das in Ihrer Wiesbadener Gemeinschaftspraxis, wo sie in einem kleinen Team selbst operieren?

Ja, die Nachfrage ist explodiert, lag aber schon davor über unseren Kapazitäten. 

Es gibt zwei Gründe, die unter Ihr Messer führen können: ein selbst empfundener Makel oder ein durch Krankheit oder Verletzung entstelltes Äußeres. Wonach wählen Sie aus, wen Sie operieren? 

Ein Makel wird zunächst einmal von einem Menschen als solcher empfunden. Wer eine prägnante Nase hat, kann ein Leben lang darunter leiden oder sie mit Stolz tragen. Wir führen vor einer Operation lieber ein Gespräch zu viel darüber als zu wenig. Gerade junge Menschen haben oft einen gewissen Leidensdruck und wünschen sich eine Veränderung. Aber ich habe auch schon vor Corona die Erfahrung gemacht, dass sich Operationen von selbst erledigen können, wenn man gut berät, weil junge Leute einer Identitätskrise entwachsen. Das ist für mich ebenso ein Erfolg wie eine gelungene Operation. 

Wann ist eine Schönheitsoperation gelungen? Bei Nasen ist die Revisionsrate ja grundsätzlich überdurchschnittlich hoch.

Stimmt, das hängt meist mit dem Erwartungsmanagement zusammen. Manche erhoffen sich, dass eine Anpassung an die Norm das gesamte Leben verbessert. Deshalb legen wir so großen Wert auf die Vorgespräche. Was wir mit dem Skalpell leisten können oder nicht, wissen wir sehr genau. Aber wir können nur Erwartungen erfüllen, die klar ausgesprochen sind. 

Foto: Jason Sellers
Foto: Jason Sellers

Ein verändertes Äußeres kann zum Selbstbewusstsein beitragen, auch wenn die Veränderung in den Augen anderer eher klein ist …
Das ist eine Gratwanderung. Wenn ich mit einem gut vertretbaren Eingriff einem Menschen eine große Unterstützung gebe, dann entscheide ich mich dafür. Wenn ich denke, dass die Selbstzweifel nicht abnehmen würden, sondern sich nach einer OP sogar verstärken, weil der äußere Makel nicht mehr dafür verantwortlich gemacht werden kann, dann lasse ich es sein. 

Sie operieren seit mehr als drei Jahrzehnten – nicht nur in Ihrer Gemeinschaftspraxis, die Sie mit Dr. Dietmar Scholz in Wies- baden führen, sondern auf der ganzen Welt für die Hilfsorganisation Interplast. Dort ermöglicht plastische Chirurgie vielen Menschen überhaupt ein normales Leben, weil sie stark eingeschränkt sind. Dieser Arbeit konnten Sie während der Coronapandemie nicht nachgehen.
Ja, aber nachdem ich in diesen Ländern so viel operiert habe wie möglich, wollte ich mich ohnehin mehr darauf konzentrieren, mein Wissen weiterzugeben, damit die dortigen Ärzte und Ärztinnen selbst tätig werden können. Das ist viel effektiver. Gerade jetzt konnten wir diese Idee mit Interplast ausrollen und haben Videoschulungen in die ganze Welt übertragen. So konnten wir doch einiges bewirken. 

Dafür haben Sie sich eines anderen Projekts angenommen. 
Richtig! In unseren Praxisräumen gibt es jetzt keine weiße Wand mehr! Der Künstler Tommy Tritsch von der Firma Morgen aus Frankfurt hat mir geholfen, diesen langgehegten Traum zu erfüllen, obwohl er vorher noch nie eine Arztpraxis verschönert hat. Genau das fanden wir beide spannend. 

Was haben Sie gegen Weiß? 
Es ist so klinisch. Wir wollen keine Klinik sein, arbeiten im Team mit flachen Hierarchien, führen Gespräche und Operationen jeweils selbst durch. Hygiene geht auch in farbigen Räumen – und es ist für alle eine viel schönere Atmosphäre, zumal wir in möglichst vielen Details dieser wundervollen Gründerzeitvilla wieder ihre ursprüngliche Optik verleihen konnten, indem wir zeitgenössische Möbel und Baustoffe wie gebrauchte Dielenböden verwendet haben. 

Was sowohl ästhetisch gelungen als auch nachhaltig ist. Vielen Dank für das Gespräch! 

INTERPLAST Germany e. V. 

Spendenkonto
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE52 5502 0500 0008 6660 00
BIC: BFSWDE33MNZ 

interplast-germany.de


Große Kunst

Auf leisen Sohlen

Auf leisen Sohlen

Dirk Becker über den Porsche Taycan, Kindheitsträume und die neue Art des Autofahrens ... Weiterlesen
Kunst kann schmecken!

Kunst kann schmecken!

Wir haben uns bereits in VivArt von Kreativkoch Stefan Wiesner am Feuerring beeindrucken lassen. Was er an dieser erstaunlichen Grillskulptur ... Weiterlesen
Zugewandte Kunst

Zugewandte Kunst

Seit 2012 leitet Prof. Matthias Wagner K das Museum Angewandte Kunst am Mainufer. Uns von VivArt gefällt schon lange, wie ... Weiterlesen

Leckere Rezepte

Ratatouille-Shakshuka von Shabnam Rebo

Ratatouille-Shakshuka von Shabnam Rebo

Shabnam Rebo leidet seit Jahren an einer Autoimmunerkrankung, die fast dazu führte, dass ihr kompletter Darmtrakt entfernt werden musste. Doch ... Weiterlesen
Erbsen, Burrata und schwarze Oliven

Erbsen, Burrata und schwarze Oliven

Gemütliches Beisammensein mit Freund*innen bei leckerem Essen und unbeschwerten Gesprächen – genau dieses Lebensgefühl spiegelt die populäre Food-Bloggerin Alison Roman ... Weiterlesen
Garten Kunst

Garten Kunst

Ein leckeren alkoholfreien Cocktail für den Sommer, mit Zutaten aus dem eigenen Garten ... Weiterlesen

Aus der Gesellschaft

Marc Zenglein + das Café UKRAINA

Marc Zenglein + das Café UKRAINA

Über ›Familien für Familien‹, ein Projekt von Privatpersonen für Menschen aus der Ukraine ... Weiterlesen
Erika Noacks Vortrag über die Wasserstraße findet in der Wiesbadener Casinogesellschaft statt.

Wiesbadener Wasserstraße

Am Dienstag, den 26. April, findet einer der beliebten Vorträge von Erika Noack in der Wiesbadener Casinogesellschaft statt. Diesmal: Wiesbadener ... Weiterlesen
Earth Hour 2022

Earth Hour 2022

Millionen Menschen rund um den Globus schalten am 26. März 2022 zur internationalen ›WWF Earth Hour‹ das Licht aus, um ... Weiterlesen

Restaurant Tipps

Das Rheingau Gourmet & Wein Festival für die Ukraine

Das Rheingau Gourmet & Wein Festival für die Ukraine

Alexander Wulf, der Sternekoch mit russischen Wurzeln kocht für den Frieden ... Weiterlesen
Sterneküche  mit Weitblick

Sterneküche mit Weitblick

Der junge Inhaber und Chefkoch Alexander Hohlwein kreiert im 360 Grad Ungewöhnliches. Gemeinsam mit seiner Partnerin Rebekka Weickert haben sie ... Weiterlesen
Ein Held am Grill

Ein Held am Grill

Der Hellhof ist eine kulinarische Institution, die stets nach neuen Erlebnissen sucht! VivArt über den Ort für guten Geschmack ... Weiterlesen
Zuversicht im Glantal

Zuversicht im Glantal

VivArt und der Meisenheimer Hof passen seit Jahren ideal zusammen, und natürlich haben wir mit dem befreundeten Gastgeber Markus Pape ... Weiterlesen

Kunst & Kultur

Choreografien von XIE Sin und Sharon Eyal im Hessischen Staatsballett

Wozu Menschen im Stande sind

Hessisches Staatsballett: »What we are made of« – Choreografien von XIE Sin und Sharon Eyal. Unbedingt ansehen, empfiehlt Miriam Becker ... Weiterlesen
Das »sam« zu Gast in den Kurhauskolonnaden am Bowling Green in Wiesbaden.

Vorhang auf!

Von Mai bis Juli ist das »sam« zu Gast in den Kurhauskolonnaden am Bowling Green in Wiesbaden ... Weiterlesen
Die Wiesbadener Kurze Nacht der Museen und Galerien findet statt.

Eine kurze Nacht voller Kunst und Kultur

Am Samstag, den 9. April 2022 findet ab 18 Uhr zum zwanzigsten Mal die Wiesbadener Kurze Nacht der Museen und ... Weiterlesen
Die Ausstellung ›design + gestaltung mainz – schöne dinge‹ als Treffpunkt für Kreative aus den Bereichen Kunsthandwerk und Design

20 Jahre schönstes Design in Mainz

Über die letzten zwei Dekaden hat sich die Ausstellung ›design + gestaltung mainz – schöne dinge‹ als Treffpunkt für Kreative ... Weiterlesen

Mode

Der Zukunft neue Kleider

Der Zukunft neue Kleider

Wie wollen wir in Zukunft leben? Die Frage hat mittlerweile in alle Lebensbereiche Einzug erhalten. Und wenn auch erschreckenderweise Fast ... Weiterlesen
Embrace yourself

Embrace yourself

Seit über 25 Jahren steht das Modelabel Anja Gockel für individuelle Mode made in Germany. Miriam Becker sprach mit der ... Weiterlesen
Viva la nonna!

Viva la nonna!

In jeder Ausgabe berichtet Luisa Hartung von der Freundschaft mit ihren SilberFreundinnen. Diesmal nimmt sie sich in ihrer Kolumne den ... Weiterlesen