
Klaus Gres ist der eigentliche Pionier am Berg. Bevor Jürgen Hofmannm Mitte der 2000er-Jahre seine Qualitätsoffensive begann, feilte Gres bereits am Lagenriesling aus dem Hundertgulden. In dieser kalkreichen historischen Spitzenlage besitzt das Weingut wertvolle Kernstücke, auch mit besonders alten Reben. Das ist ein wertvolles Faustpfand, denn so können sich die Wurzeln besonders tief verzweigen und die Mineralien aufsaugen. Ein reiches Wurzelwerk schützt auch vor Trockenstress, weil es die Pflanzen allgemein besser versorgen kann. Außerdem strahlen Weine von älteren Reben, die allerdings auch gut gepflegt und top in Schuss sein müssen, oft eine innere Ruhe aus, wirken lässiger und sind nicht so fruchtbetont wie Pendants von jungen Stöcken, wo sich anstelle von Tiefe und Ausdruckskraft meist eine etwas ungestüme Jugendlichkeit zeigt. Weine aus alten Reben spielen generell mehr auf Zeit, reifen besser, sind oft muskulöser und benötigen etwas länger, um sich voll zu entfalten. Dann aber können sie potenziell ihr spannendes Profil auch länger halten.
So verwundert es kaum, dass selbst ein 2004er Hundertgulden von Gres heute noch in beachtlicher Form ist, noch immer Substanz und Frische zeigt. Ähnliches gilt für 2007, ein eher durchschnittliches Weinjahr im Ertrag, von dem man meinen sollte, dass die trockenen Rieslinge längst ausgetrunken sein müssten. Beide Weine haben beachtliches Rückgrat, dabei wurden sie im Keller nicht künstlich tiefergelegt. Damals war die Stilistik allerdings noch deutlich stärker am Mainstream orientiert und fruchtbetonter, die Weine hatten noch nicht ganz diesen phenolischen Rückhalt, auch nicht diesen Holzeinfluss wie heute. Frühe Zugänglichkeit stand mehr im Fokus. Eine wirkliche Top- Lage setzt sich geschmacklich aber auf die eine oder andere Art und Weise immer durch, vorausgesetzt, die Weinbergarbeit stimmt und das Lesegut ist sauber. All das traf schon damals auf das Weingut Gres zu und so konnten die früheren Jahrgänge oft hervorragend reifen und auch jene typische Salzigkeit des Hundertgulden anklingen lassen.

Die mineralische Ausdruckskraft steigerte Klaus Gres immer noch weiter. Durch noch akribischeres Weinbergmanagement, durch fundierten Holzeinsatz, längere Maischestandzeit und noch ausgedehnteres Hefelager. Gerade der Ausbau in Stückf.ssern gibt den Weinen mehr Zeit und Kraft zur Entfaltung. So strahlen die Jahrgänge 2013, 2014 und 2015 heute noch und zeigen, welch großes Potenzial gut gereifte Hundertgulden-Rieslinge bieten können. Und wie markant ein mineralisches Säurespiel bei aller Fruchtpräsenz auch nach rund zehn Jahren sein kann. Aktuelle Jahrgänge wie 2021 und 2022 haben sogar noch mehr Statur,wirken jetzt noch etwas verschlossen, aber insgesamt salziger als frühere Pendants. Auch sie kommen nicht über den Alkohol, balancieren raffiniert zwischen Stein und Frucht, und in die angestammte Gelbfleischigkeit von Steinfrüchten wie Pfirsich und Aprikose mischen sich teils exotischere Aromen wie rosa Grapefruit.
Beim Thema alte Reben hat Klaus Gres noch einen Champion in petto: die gern auch als Bordeaux-Alternative gepriesene rote No. 1 Cuvée. Inspiriert durch einen Kalifornien-Aufenthalt in den 1980er-Jahren setzte der Appenheimer schon Anfang der 1990er- Jahre auf Cabernet Sauvignon und Merlot, die er wohlweislich in wertige Parzellen anbaute. Beim Ausbau im Barrique schätzt Klaus Gres hier satte Phenolik, setzt auf spontane Gärung und einen längeren Ausbau mit feiner Oxidation. Bereits in den 2000er-Jahren platziert er mit der No. 1 so einen Kontrapunkt zum damals deutlich reduktiveren Hundertgulden-Riesling, und die Cuvée erwarb sich schnell eine Fangemeinde gerade unter solchen Konsumentinnen und Konsumenten, die sonst gern international rot trinken. Die Jahrgänge 2005 bis 2008 sind heute noch in Bestform, je nach Jahrgang reifer und kalibrierter, aber mit enorm viel Spaß zu trinken. Tatsächlich braucht dieser wirklich fair bepreiste Wein ein paar Jahre länger zur Entfaltung und auch der Verschnitt, der etwas Frühburgunder enthält, hat sich geändert; so wurde der Dornfelder inzwischen weggelassen. Der aktuelle 2021er ist ein kalibriertes Kraftpaket, das zeigt, dass dieser Wein in puncto Gerbstoffschliff, Würze und Saftigkeit noch weiter zugelegt hat. Das Holz, das früher ein wenig gröber und härter wirkte, ist noch feiner und präziser geworden. Daher ist solch ein Wein auch ein wenig früher zugänglich. Und so hat Klaus Gres bei weiß wie rot alte Reben im Fokus. Auf den Hundertgulden 2023 und die 2022er Cuvée No. 1 dürfen wir sehr gespannt sein!
Weingut Gres
Ingelheimer Straße 6
55437 Appenheim
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