
Fotos: Zerina Kaps
Lieber Herr Braun, das 959 zeigt, dass man auf Spitzenniveau Pizza und Menüs kombinieren kann. Wie kam es zu der Idee, die eigentlich ein Entweder-oder ist?
Lassen Sie mich das anders beschreiben. Das 959 gibt es in der Form schon länger, seit 2018. Es wurde vier Jahre umgebaut und war vorher ein gut besuchter Italiener. Ich selbst bin erst seit einem Jahr im 959 und wir haben viel verändert, aber auch sehr Gutes beibehalten, bringen neben Pizza mit edelsten Zutaten Klassiker auf den Tisch: von der Seezunge, im Ganzen gebraten, über ein über Tage hinweg gekochtes Gulasch bis hin zum perfekten Wiener Schnitzel vom Kalbsrücken in krosser Panade mit Preiselbeeren und ›schlotzigem‹ Kartoffelsalat. Dennoch wollten wir den goldenen Ofen niemals aufgeben, der von allen Tischen aus zu sehen ist. Nun haben wir eine recht außergewöhnliche Kombination, aber außergewöhnlich ist das 959 an sich ja schließlich auch. Wichtig sind uns die Perfektion und die Qualität des Produkts. Das muss wirklich stimmen.


Wie würden Sie die Philosophie des Hauses beschreiben?
Mir liegt wirklich sehr viel am Team und einem guten Team-Spirit. Das lässt einen vergessen, wie viel man eigentlich arbeitet. Wenn es zusammen Spaß macht und leicht von der Hand geht, dann werden selbst große Anstrengungen gut bewältigt und tatsächlich bekommt man nur so auch glückliche Gäste. Wir wollen eine Wohlfühloase im Tumult der Zeit sein. Reinkommen, ausspannen, das Leben im Vollen genießen. Wir sind niemals steif und bevormundend, sondern galant und beraten auf Augenhöhe. Das ist eine Art von Philosophie, wie wir sie beschreiben würden.
Unsere aktuelle Ausgabe haben wir mit ›ICH TRINKE, ALSO BIN ICH!‹ überschrieben. Das 959 passt herrlich dazu. Ihre Weinauswahl ist sensationell und Teil des Konzepts. Was ist Ihnen wichtig?
Ja, das stimmt, die Auswahl ist enorm. 959 ist ein Ort des guten Geschmacks und die Kombination von erstklassiger Küche und einem passenden Tropfen aus dem Keller beziehungsweise aus dem Weinschrank ist uns ein Anliegen. Über die Grenzen von Heidelberg hinaus ist das 959 für die riesige Auswahl bekannt. Unzählige Positionen, ungewöhnliche Größen und die absoluten Top-Weine. Diese Leidenschaft ist dem Inhaber geschuldet, ebenso wie die fantastische Zigarrenauswahl, die ihresgleichen sucht. Dennoch gibt es auch eine Bar, die man nicht übersehen kann. Die beiden Paternoster sind beeindruckend und haben gerade im Bereich Aperitif oder Digestiv einige Highlights zu bieten.


Die Deutschen gelten nicht unbedingt als Genussmenschen und geben nicht viel Geld für Lebensmittel aus. Wie begeistern Sie im 959, sodass die Neuronen feuern?
Vielleicht lässt sich Ihre Frage so beantworten: Das 959 ist nicht nur ein Restaurant. Es ist ein kuratierter Ort des Genusses und wir versuchen, dies in jedem Detail zu beweisen. Es gibt Design, Kunst, Plastiken, edles Tischgeschirr und eine Tischkultur, die uns wichtig ist. Wir sind Gastgeber und haben Gäste, die diese Art des Genießens als Auszeit betrachten. Es geht nicht nur um Essen und Trinken. Es geht um Beisammensein, Freundschaft, Kennerschaft und Spaß! Dann feuern auch die Neuronen, wie Sie es nennen.
Was wäre Ihr größter Traum?
In Bezug auf das 959 wollen wir so bleiben, wie wir sind. Kontinuität, Freude beim Arbeiten und Step by Step weiter zum Erfolg. Hier ist mein berufliches Zuhause. Ich bin gelernter Koch und habe nach den Wanderjahren hier einen Ort gefunden, der perfekt passt. Das 959 ist eine großartige Bühne und uns ist es eine Herzensangelegenheit, diese für den Beruf ideal zu nutzen. Die Freude am Herd, das Feuer sozusagen, weiterzugeben.
Vielen Dank für das Gespräch!

959 Heidelberg Stadtgarten GmbH & Co. KG
Friedrich-Ebert-Anlage 2
69117 Heidelberg
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