

Stefan und Christian Braunewell haben so richtig Lust auf perlenden Genuss: »Wir lieben Bubbles. Wir trinken Bubbles. Wir feiern Bubbles.« Und: »Unser Stil ist unkonventionell. Uns interessiert die dunkle, geheimnisvolle Tiefe der Substanz eines Schaumweins gepaart mit Lebensfreude und Eleganz, immer spannend, immer am Limit, nie langweilig.« Das Credo ›Charakterweine mit Ecken und Kanten‹ gilt auch für die aktuellen Sekte aus klassischer Flaschengärung, die enormen Feinschliff haben. Der 2020 Blanc de Blancs Brut Natur mit 27 Monaten Hefelagerung zeigt die Eleganz und Feinheit des Chardonnay, der bei allem Druck kühle Finesse und ein ausgesprochen delikates Mousseux an den Gaumen zaubert. ›Brut de Selztal‹ 2020 heißt ein Pinot Brut aus 26-monatigem Hefelager, der schon mit seinem Namen dafür stehen soll, dass Sekt einfach in das kühle, windoffene Selztal passt. Die Kräuterwürze der Kalksteinböden wird nicht durch Restsüße überdeckt, sondern gibt Tiefe bei allem quicklebendigem Zug. Neu ab Dezember 2023 ist der Teufelspfad 2018 Pinot Prestige Brut Nature, ein reiner Spätburgunder mit 48 Monaten
Hefelager und quasi eine Hommage an die kraftvollen Böden, der mit Tiefe, Substanz und prickelnder Kantigkeit aufwartet. Und das Flaggschiff Grand Année 2014 Brut Nature aus Grau- und Spätburgunder zeigt bei 96 Monaten Hefelager, warum Sekt für die Brüder »Herzensthema, Lebenselixier und Passion ist«. Enorm dichtes, fast schon ein wenig zartsüßliches zartsüßliches Mousseux, komplexer Stoff, der aber vibrierend ausbalanciert ist. Noten von Brioche und Buttergebäck changieren mit kandierter Zitrusschale, reifem Steinobst und dezenter Nussigkeit. Und hinter dicken Kellermauern versteckt reift der Klopp Riesling Prestige. Coming-out: 2028.

Deutscher Sekt war einst heiß begehrt. Noch vor dem Ersten Weltkrieg zählte er zur absoluten Weltspitze und erzielte Höchstpreise. Auch verdankt die Champagne deutschen Kellermeistern und Kaufleuten einiges, worauf berühmte Champagnerhäuser wie Bollinger, Deutz, Taittinger oder auch Krug schon durch ihre Namen verweisen. Doch leider ging es dann erst einmal ziemlich steil bergab und ein nicht wirklich prickelndes Wirtschaftswundersektdenken setzte einstiger Klasse mächtig zu. Erst als einzelne Pioniere wie Volker Raumland vor einigen Jahrzehnten auf strenge traditionelle Qualitätskriterien setzten, wendete sich das Blatt. Winzersekt machte mehr und mehr die Runde. Schritt für Schritt lernte man, wie wichtig präzises Erntemanagement und nicht zu späte Lese, ausgedehntes Hefelager, heimische Trauben und auch die Fraktionierung bei der Pressung waren. Vor allem die potenziell besonders aromatische, lebendige und langlebige Cuvée oder auch erste Pressung stand nun immer mehr im Fokus, woraus etwa die hochwertigen Champagner gewonnen werden. Diese handwerkliche Philosophie kam an, immer mehr Vielfalt und individuelle Profile entstanden. So war es nur eine logische Folge, dass sich einige der besten Sektmacher über Anbaugebiete hinweg zu einer Vereinigung zusammenschlossen, um die Botschaft vom neuen deutschen Sekt gemeinsam zu kommunizieren. Und so versteht sich der Verband traditioneller Sektmacher als Sprachrohr und Plattform für eine hochwertige, klassische Sektbereitung aus ausgewählten heimischen Trauben. Er zählt aktuell 42 Mitglieder aus zehn Anbaugebieten und orientiert sich in seinen Statuten rigoros an Qualität, was besonders die Sektmacher-Réserve als Premiumlinie unterstreicht, wo etwa ein Mindesthefelager von 36 Monaten und sieben Rebsorten vorgesehen sind. Nach erfolgreicher Anerkennungsprobe tragen die Sekte dann ein entsprechendes Signet und sollen so für ein besonderes Perlen und Prickeln sorgen.

Sekt ist Lebenslust, ist Stil, ist Finesse. Sekt verkörpert ein Lebensgefühl, das lässig und eben auch ein wenig prickelnd ist. Dafür steht Schloss Vaux, das französische Wurzeln und sich im Rheingau einen Namen gemacht hat. »Wir verbinden Savoir-vivre mit Rheingauer Detailverliebtheit«, sagt Christoph Graf, »natürlich haben wir uns immer von der Champagne inspirieren lassen, aber hier im Rheingau sind Parzellen meist kleiner und wir müssen enorm präzise und akribisch arbeiten, um das Beste aus den Weinbergen herauszuholen. Dabei legen wir auch sehr viel Wert auf eine ausgesprochen feine Fruchtigkeit und Balance.« Tatsächlich bestechen die Sekte durch ihre Delikatesse und Ausgewogenheit. Und das auch bei markanten Schaumweinen wie dem 2016er Assmannshäuser Pinot Noir, der richtig knackig trocken und mit präsentem Gerbstoff Druck am Gaumen aufbaut. Die Tannine sind aber geschliffen, die durch eine zarte Mandelnote unterlegte Kirschfrucht schmeckt kräftig und saftig, das Säurespiel ist fest, gradlinig und elegant. Und durchaus weinige Anklänge werden durch ein feines Mousseux ausbalanciert. Solch ein Sekt ist sicher mehr als ein bloßer Aperitif, sondern kann auch ein festliches Essen anregend begleiten. Dabei schätzt Christoph Graf Sekte gerade auch zum würzigen Käse, der gern länger gereift sein darf und schon etwas mürbere, kristalline Strukturen gebildet hat. Der Riesling Rheingauer Réserve 2017 mit seinen delikaten fruchtigen Noten passt sicher dazu. Er wird aus einer Vielzahl von kleinen Parzellen cuvéetiert, um so für Ausgewogenheit im Geschmack, Raffinesse, Zug und Charakter zu sorgen. Gerade dieses gekonnte Verschneiden und die trotz aller Jahrgangsunterschiede doch auch angestrebte Wiedererkennbarkeit des Geschmacks, das Profil gibt, ist eine hohe Kunst, die in der Champagne gehegt und gepflegt wird – und auch bei Vaux. Stil hat auch der Rosé Brut 2021: heller in der Farbe als bei vielen banalen Rosés gewohnt, heller in der Frucht, aber pointiert im Geschmack und zart geädert. Und auch die Einstiegsqualität, die Cuvée Vaux, zeigt wieder diese Balance und ausgesprochen feine Fruchtigkeit. Das alles sind teils zwar markante, aber nie laute Sekte, die mehr sein wollen, als sie sind. Das macht sie auch so ausgesprochen lebendig, schwungvoll und – delikat. Und für die Zukunft reizt Christoph Graf durchaus noch die biodynamische Anbauweise, um so vielleicht noch dichtere Aromen zu erzielen.
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