Zukunftsbühne

Es ist das aktuelle Gesprächsthema unserer Theaterlandschaft: 50 Jahre hat die Architektur des Schauspiels und der Oper Frankfurt den Willy-Brandt-Platz geprägt. Jetzt muss eine neue Lösung gefunden werden! Mara von Zitzewitz im Gespräch mit Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, über die Zukunft der städtischen Bühnen.

 Foto: Rendering: gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner 

Das Schauspielhaus ist wahrhaft frankfurterisch. Lange haben Sie die Hoffnung gehegt, eine Sanierung der prägnanten Theaterdoppelanlage sei möglich. Im Januar kam dann die Entscheidung dagegen. Wie sehen mögliche Neubaulösungen aus? 

Derzeit lasse ich fünf Standortvarianten vertieft prüfen: Variante eins – die sogenannte Spiegel-Variante – sieht die Oper auf dem heutigen Platz der Doppelanlage vor, das Schauspiel entstünde gegen- über in den Wallanlagen. Variante zwei verfolgt den Gedanken einer Kulturmeile: In der Mainzer Straße entstünde ein Opern-Neubau, das Schauspiel bliebe auf dem Willy-Brandt-Platz und würde ebenfalls ein neues Gebäude erhalten. Bei der dritten Variante würde das Schauspiel am Opernplatz entstehen, während die Oper am Willy- Brandt-Platz verbliebe. Variante vier sieht einen Neubau der Doppelanlage auf dem Willy-Brandt-Platz vor. Ein weiterer Standort für eine Komplettverlagerung wird derzeit noch geprüft. Die weiterführenden Untersuchungen dienen als Entscheidungsgrundlage für die Stadtverordneten in der Standortfrage. Wir werden diesen Prozess mit öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltungen zu verschiedenen Themen begleiten. 

Wer wird für die Zukunftsgestaltung, die unmittelbar die Stadtlandschaft prägen wird, verantwortlich sein?


Die derzeitigen Visualisierungen der unterschiedlichen Varianten stellen lediglich ›Platzhalter‹ dar und ersetzen nicht den vorgesehenen Architekturwettbewerb, den es selbstverständlich bei einem Projekt dieser Größenordnung geben wird. Wir benötigen eine zukunftsweisende Architektur und wir wollen eine Lösung, die Frankfurt städtebaulich und architektonisch bereichert. Wir haben hier eine interessante, sich immer weiter verdichtende Hochhausinnenstadt, und mit ihr tritt ein neues Theater-, ein neues Operngebäude in einen Dialog ein, das muss schon eine kraftvolle Setzung sein. Als fünftgrößte Stadt Deutschlands mitten in Europa sollten wir diesen Anspruch haben. 

 Foto: Rendering: gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner 
 Foto: Rendering: gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner 

Eine Spartenteilung von Oper und Schauspiel ist bei den Entwürfen sehr präsent. Welche Konsequenz hätte das für die Frankfurter Theaterlandschaft?

Es wäre in meinen Augen sehr sinnvoll, mit zwei neuen Kulturbauten die Stadt für die nächsten Jahrzehnte weiterzuentwickeln. Die Innenstädte stehen derzeit vor einem großen strukturellen Wandel: Das Konzept der Einkaufsmeilen mit ihren großen Warenhäusern wird in Frage gestellt. Gleichzeitig erfährt der öffentliche Raum eine völlig neue Nutzung. Das alles wird durch Corona wie unter einem Brennglas deutlich. Diese Entwicklungen in Beziehung zueinander zu setzen und zu überlegen, wie wir unsere Innenstadt zukünftig gestalten wollen, ist unausweichlich. Wir wissen, wie belebend Kulturbauten auf ihre Umgebung wirken, wobei mir besonders wichtig ist, dass die innerstädtischen Räume durch die gesamte Bevölkerung genutzt werden können. Wir dürfen unsere Innenstädte nicht ausverkaufen! 

Wie stellen Sie sich den Willy-Brandt-Platz in zehn Jahren vor? 

Als einen begrünten Platz im Herzen der Stadt. In zehn Jahren haben wir am Willy-Brandt-Platz ein offenes und ein- ladendes Schauspielgebäude. Im Architektenwettbewerb muss die Neuerschließung des Platzes nicht mehr als Durchgangs-, sondern als Platz mit echter Aufenthaltsqualität gedacht werden. Der Platz wirkt im Moment eher abweisend, es fehlen Cafés und weitere Möglichkeiten der Begegnung. Das kann man in Zukunft alles wunderbar lösen – eine einmalige Chance für die Weiterentwicklung dieser Stadt. 

Und zuletzt noch: Welche der vorgestellten Varianten präferieren Sie?

Die Variante mit einer Oper am Rande der Wallanlage und einem neuen Schauspiel auf dem Willy-Brandt-Platz ist besonders reizvoll für Frankfurt. Wir würden das sehr teure Interim für die Oper einsparen, UND es entstünde eine neue Kulturmeile an den Wallanlagen: beginnend mit dem Jüdischen Museum, gefolgt vom Schauspiel am Willy-Brandt-Platz, dem English Theatre, dem MMK Tower, der neuen Oper, der neuen Dependance des Weltkulturen Museums und, als Schlusspunkt, der Alten Oper. Das Zusammenspiel von Kulturbauten, Grünanlagen und Hochhäusern besitzt meiner Meinung nach ein großes Potenzial für die zukünftige Entwicklung unserer Innenstadt. Eines steht für mich außer Frage: Der Willy-Brandt-Platz und sein Umfeld sind der ideale Standort für die Städtischen Bühnen Frankfurt. 

Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Hartwig! 


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