
Zerina Kaps zeigt in ihrem Film ›Flammen der Hoffnung‹ die Realität illegalen Welpenhandels. Foto: Zerina Kaps
In welchem Rahmen ist ›Flammen der Hoffnung‹ entstanden und was hat dich dazu bewegt, einen Film über den illegalen Welpenhandel zu drehen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?
Die Dokumentation ist mein Abschlussfilm. Ich habe im Umfeld immer wieder erlebt, wie viele Menschen sich Rassewelpen zulegen – und wie der Weg zum Züchter dabei oft als selbstverständlich gilt. Durch intensive Recherchen im Internet wurde mir bewusst, wie groß das Ausmaß tatsächlich ist: Auf beliebten Online-Plattformen wie Quoka sind im Schnitt monatlich rund 17.000 Welpen-Inserate zu finden. Das hat mich schockiert. Mein Schlüsselerlebnis liegt aber schon länger zurück: Mit 19 habe ich zum ersten Mal gemeinsam mit meiner Schwester auf der griechischen Insel Korfu in einem Tierschutzverein geholfen. Als wir dort eine Plastiktüte mit lebenden, gerade mal zwei Tage alten Welpen in einem Graben fanden, war das ein Moment, der sich eingebrannt hat. Ich dachte: Wie grausam kann unsere Welt sein? Dieses Erlebnis hat mich geprägt – seitdem engagiere ich mich immer wieder im Ausland im Tierschutz.
Wie hast du dich auf das Thema vorbereitet? Hast du mit Tierschutzorganisationen oder Behörden zusammengearbeitet?
Ich habe unter anderem mit einer Expertin aus dem Research- und Investigation-Team von VIER PFOTEN gesprochen, die sich seit Jahren mit dem illegalen Welpenhandel beschäftigt. Darüber hinaus habe ich mich mit vielen Tierschützern ausgetauscht. Da ich selbst seit Jahren aktiv im Tierschutz tätig bin, war mir vieles bereits bekannt – aber die tiefergehenden Gespräche und Recherchen haben das Bild weiter geschärft.

Für ihren Dreh sprach Zerina Kaps mit verschiedenen Tierschützerinnen und Tierschützern. Foto: Zerina Kaps
Viele Käufer*innen wissen gar nicht, dass sie Opfer krimineller Machenschaften werden. Welche Rolle spielen Online-Plattformen beim illegalen Handel und wie zeigst oder kritisierst du sie im Film?
Das ist ein zentrales Problem: Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie mit dem Kauf eines Welpen aus dem Internet womöglich kriminelle Strukturen unterstützen – teils sogar mafiöse Netzwerke. Der illegale Welpenhandel ist ein extrem lukratives Geschäft, vergleichbar mit dem Handel von Drogen, Waffen oder Menschen. Plattformen wie DeineTierwelt, Quoka, Snautz oder eDogs ermöglichen diesen Handel durch fehlende Kontrollen. Händler können dort anonym verkaufen, mit gefälschten Angaben – ohne jegliche Überprüfung. Ich kritisiere in meinem Film ganz klar, dass es so einfach möglich ist, Tiere online zu handeln. Meiner Meinung nach braucht es viel strengere Gesetze: Wer züchtet, sollte registriert sein, die Einnahmen versteuern, regelmäßige Tierarztbesuche nachweisen und über eine behördliche Genehmigung (§11 Tierschutzgesetz) verfügen. Doch genau das umgehen viele.
Wie gehst du mit der Darstellung von Tierleid um, ohne die Zuschauer*innen zu überfordern oder abzuschrecken?
Ich zeige in meinem Film durchaus erschütternde Bilder – aber sie spiegeln längst nicht die ganze Wahrheit wider. Die Realität ist oft noch brutaler. In Ländern wie der Türkei werden Hunde aktuell systematisch getötet. In Rumänien gibt es Tötungsstationen, in denen alle zwei Wochen massenhaft Hunde grausam getötet werden. Und auch in Marokko droht ein Massaker im Vorfeld der WM. So hart es klingt: Mein Film ist traurig – aber das wahre Ausmaß ist noch viel schlimmer. Trotzdem versuche ich, die Balance zu halten, um niemanden zu überfordern.

Zerina Kaps reiste für den Dreh in verschiedene osteuropäische Länder. Foto: Zerina Kaps
Der Film wirft auch Fragen nach Verantwortung und Gesetzgebung auf. Inwiefern thematisierst du in deinem Film die politische Dimension des Problems?
Die politische Ebene spielt in meinem Film eher eine untergeordnete Rolle, weil die Laufzeit von 45 Minuten einfach begrenzt ist. Dennoch sprechen einige meiner Interviewpartner klare Forderungen aus – etwa nach mehr Verantwortung von Veterinärämtern oder strengeren Kontrollen durch Behörden. Das Tierschutzgesetz in Deutschland ist bei weitem nicht perfekt, aber selbst die bestehenden Regeln würden viel bewirken, wenn sie konsequent angewendet würden.
Welche Rolle spielt journalistisches oder filmisches Engagement deiner Meinung nach im Kampf gegen diese Form der organisierten Kriminalität?
Filmisches und journalistisches Engagement spielt eine enorme Rolle. Es bringt Licht ins Dunkel, macht Strukturen sichtbar, die sonst im Verborgenen bleiben. Vor allem durch emotionale Bilder und persönliche Geschichten erreicht man die Menschen direkt – und kann so Bewusstsein schaffen. Filme wie meiner können Druck auf Politik und Gesellschaft ausüben, Veränderungen anstoßen und Menschen zum Umdenken bewegen. Sichtbarkeit ist der erste Schritt zu Veränderung.

Gab es Begegnungen während der Dreharbeiten, die dich besonders berührt oder verändert haben?
Definitiv. Ich war in einer sogenannten „Vermehrerstation“ in Ungarn – der Geruch, die Bedingungen, die vernachlässigten und toten Tiere: Es war wie ein Horrorfilm, den man live miterlebt. Auch die Beschlagnahmung von sieben Welpen in Hessen hat mich tief bewegt. Einer der Welpen starb bereits am nächsten Tag. Sie waren vielleicht vier Wochen alt, ohne Muttertier – und wurden in einer Dusche gehalten. Solche Erlebnisse zeigen mir, wie real und grausam dieser Handel ist. Und dass wir mit besseren Gesetzen und mehr Grenzkontrollen tatsächlich etwas verändern könnten.

Die Regisseurin und Fotografin hatte schon immer ein großes Herz für Straßenhunde. Foto: Zerina Kaps
Was rätst du Menschen, die einen Hund anschaffen wollen – und was sollte jede und jeder wissen, bevor ein Tier ins Haus kommt?
Mein wichtigster Rat: Geht zuerst ins Tierheim. Allein in Deutschland warten rund 300.000 Tiere auf ein Zuhause. In Spanien oder Griechenland habe ich Tierheime mit über 100 Hunden gesehen. In einer Welt, in der Tiere noch immer getötet werden, ist es für mich moralisch nicht vertretbar, zum Züchter zu gehen. Deshalb bin ich ganz klar für Adopt – Don’t Shop. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass ein Hund Verantwortung bedeutet – oft für 15 bis 20 Jahre. Besucht mehrere Tierheime, lasst euch beraten, welche Hunderasse zu eurem Lebensstil passt. Jedes Tier ist anders. Man muss schauen, was wirklich zu einem passt – emotional, zeitlich und finanziell.
Was wünschst du dir, dass die Zuschauer*innen nach deinem Film über den Welpenhandel wissen – und wie sollen sie handeln?
Mein größter Wunsch ist, dass nach dem Film niemand mehr naiv einen Welpen im Internet kauft. Ich möchte, dass die Zuschauer*innen verstehen: Ein großer Teil der dort angebotenen Hunde stammt aus dubiosen Quellen – und wer solche Angebote unterstützt, macht sich mitverantwortlich. Ich wünsche mir mehr Sensibilität, mehr Verantwortung und dass Menschen aktiv werden: Aufklären, weitertragen, helfen. Nur so können wir etwas ändern.
Vielen Dank für das Gespräch.
Zerina Kaps
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