
Mit ihrer Erwähnung eines gewissen ›Franz W.‹ verwies Ursula Krechel in ihrem neuesten Roman ›Sehr geehrte Frau Ministerin‹ auf Büchners ›Woyzeck‹. Einige Monate nach der Veröffentlichung erhielt sie einen besonderen Anruf – im November wird ihr der Georg-Büchner-Preis 2025 für ihr Lebenswerk überreicht. Sicherlich war die Jury aber nicht nur vom Büchner-Verweis überzeugt, denn Krechels Lebenswerk ist so vielfältig wie beeindruckend: Von Romanen über Essays bis hin zu Gedichtbänden und Theaterstücken schreibt Krechel vor allem über die beiden Themen Exil und starke Frauen.

›Sehr geehrte Frau Ministerin‹ etwa handelt von der Lateinlehrerin Silke Aschauer, die einen Roman über eine Frau namens Eva Patarak schreibt – gegen deren Willen. Ob Ursula Krechel sich hier mit Aschauer als Autorin identifiziert, können wir nur vermuten. Fest steht jedoch, dass Krechel in ihrem Roman ein hochinteressantes Spannungsfeld zwischen Frauen aus Antike und Gegenwart, zwischen Kräuterverkäuferinnen und Justizministerinnen bildet, deren Leben in den Schatten von Gewalt geraten.

In ihrem Werk rückt Krechel oft bisher übersehene Figuren in den Mittelpunkt, so auch in ihrem im Juli 2025 erschienenen Buch ›Vom Herzasthma des Exils‹. Von der Goethezeit bis heute schildert Krechel die Einzelschicksale von Menschen im Exil, deren Geschichte lange Zeit im Dunkeln blieb. Passenderweise schreibt die Jury des Büchner-Preises, dass Krechel »den Verheerungen der deutschen Geschichte und den Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur« entgegensetzt – ein Statement, das wir nur unterstreichen können.
Wir gratulieren Ursula Krechel herzlich zum Georg-Büchner-Preis und sind schon gespannt auf die Zukunft ihres Lebenswerks, denn dieses ist mit Sicherheit noch nicht abgeschlossen.
Lesenswertes von Ursula Krechel:
Sehr geehrte Frau Ministerin. Klett-Cotta Verlag. 368 Seiten. ISBN: 978-3-608-96653-4, 26 Euro.
Vom Herzasthma des Exils. Klett-Cotta Verlag. 176 Seiten. ISBN: 978-3-7681-9852-3, 18 Euro.
Landgericht. Jung und Jung Verlag. 496 Seiten. ISBN: 978-3-99027-100-1, 20 Euro. Deutscher Buchpreis 2012.
Zum Preis: deutscheakademie.de
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