
Learn & Burn ist eine Projektreihe der ›Women of DDC‹, der Frauen im Deutschen Design Club. Am 22. Mai 2026, im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain (WDC), machen sie die Evangelische Akademie in Frankfurt zum Netzwerk-Labor. Mit Impulsvorträgen, Workshops, Dialogformaten. Es geht um mehr Einfluss von Frauen in der Kreativbranche, sagen Annette Bertsch (AB) und Sophie Dobrigkeit (SD), die Teil des Organisationsteams sind. Hiltrud Conrad hat mit den beiden erfahrenen Designerinnen gesprochen.
Was will der ›Day for Female Networking‹?
SD: Der Tag soll Impuls sein für die Meta-Vernetzung der Frauen in der Kreativbranche, um damit ihren Einfluss auf allen Entscheidungsebenen zu steigern. Das ist unsere Vision. Als Women of DDC haben wir eine gewisse Reichweite, im Vergleich zu Lobbyverbänden anderer Branchen ist sie aber noch ausbaufähig.
AB: Das WDC-Motto ist ja ›Design for Democracy‹. Und wir sagen, Demokratie im Design muss die Teilhabe von 50 Prozent der Menschen auch abbilden können. – In der Kreativbranche ist es so: Im Studium und im Berufseinstieg sind Frauen in der Mehrheit. Später gibt es dann die gläserne Decke. Wenn es um die großen Entscheidungen oder Unternehmensführung geht, findet man immer weniger Frauen.
Woran liegt das?
AB: An der Struktur der Branche. In der Kreativbranche, denkt man, ach, die sind ja alle so offen und fortschrittlich, aber die Branche ist eben sehr fragmentiert. Sehr viele Soloselbstständige, sehr viele kleine Agenturen und keine großen, die irgendwelche Diversitätsprogramme haben. Wir sind viele Einzelkämpferinnen.
SD: Bei Gestalterinnen im Studium gibt es dafür oft noch wenig Bewusstsein, weil sie von weiblichen Studierenden umgeben sind und es inzwischen schon viele Professorinnen gibt. Bis sie versuchen, in der Hierarchie nach oben zu steigen, oder bis sie parallel noch Kinder managen. Dann kommen die Hindernisse und Hürden.

Heißt das, im Kern geht es bei Learn & Burn um Mentoring?
AB: Zuerst war es schon unsere Idee, junge Designerinnen beim Berufseinstieg zu unterstützen. Davon sind wir aber schnell abgekommen, denn das klassische Mentoring setzt vor allem auf der individuellen Ebene an: Wenn du dich soundso verhältst, dann kommst du in den vorhandenen Strukturen voran, dann kannst du dich als Frau durchsetzen. Das kostet aber sehr viel extra Energie. Und deshalb haben wir gesagt, wir müssen auf der strukturellen Ebene agieren, Bedingungen für Chancengleichheit schaffen.
Was muss sich denn ändern?
SD: Überall in der Branche muss die Präsenz von Frauen gestärkt werden.
AB: Ein Beispiel: Eine wesentliche Währung in der Kreativbranche, das sind die Preise. Wir haben 2023 eine Initiative unterstützt, die die Besetzung von Designjurys in Deutschland nach Geschlechterzugehörigkeit analysiert. Und natürlich gab es mit 65 Prozent einen krassen Männerüberschuss in den Jurys.
SD: Das Aufzeigen des Ungleichgewichts hat in diesem konkreten Beispiel schon deutlich Besserung ausgelöst, aber eben nicht genug. Sichtbarkeit ist wichtig, reicht aber nicht. Deswegen ist die Vernetzung für uns einer der Schlüssel, um strukturell weiterzukommen.
Können die ›Women of DDC‹ von anderen Branchennetzwerken lernen?
SD: Ja, am ›Day for Female Networking‹ sind auch Frauennetzwerke aus anderen Branchen wie Finance und Mobility vertreten. Wir wollen erfahren, wie die sich organisieren. Was funktioniert in welcher Branche? Was ist Best Practice? Immer im Hinterkopf, diese Branchen haben teilweise andere Strukturen. Wir hoffen auf Synergien und dass ein Verständnis entsteht: Wie können wir uns gegenseitig stärken? Oder auch ganz praktisch: Wie müssen denn Aufträge vergeben werden? Wie müssen Pitch-Situationen sein, damit Frauen in der Kreativbranche erfolgreich sein können?
AB: Und es geht darum: Wie kann man international Netzwerke aufbauen? Klar ist auch: Wir Frauen können die Strukturen nicht allein ändern. Deshalb sind beim Day for Female Networking ›all genders welcome‹. Der Austausch innerhalb der Women of DDC und mit anderen Frauennetzwerken ist unglaublich ermutigend. Was man hineingibt, kriegt man auch wirklich an Kraft und Energie zurück.

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