
Foto: Lotto Hessen
Herr Blach, nachdem Sie 14 Jahre lang Chef von Kloster Eberbach im Rheingau waren, sind Ihnen menschliches Glück, aber auch Verantwortung sicher besonders wichtige Werte. Inwieweit kann man als wertegetriebener Mensch einen Glücksspielanbieter führen?
Jeder, der ein Unternehmen führt, trägt zunächst einmal Verantwortung für das Management und Verantwortung für Menschen, unabhängig davon, welches Unternehmen geführt wird. Auch bei der Leitung einer Landeslotteriegesellschaft ist daher das Kaufmannsherz primär entscheidend. Die Zahlen müssen stimmen. Und wir müssen und wollen im Auftrag unseres Eigentümers, des Landes Hessen, gute Produkte anbieten, die von einer breiten Masse von Menschen gespielt werden. Dabei Menschen glücklich zu machen, ist natürlich sehr schön. Ich meine, auch für die rund 200 Kolleginnen und Kollegen in der Wiesbadener Glückszentrale sagen zu können: Es ist schon etwas Besonderes, dass wir im vergangenen Jahr 2023 allein 21 Millionäre küren konnten. So viele wie noch nie seit Einführung des Euro. Und nicht nur das: Neben den individuellen Gewinnern profitiert ja auch das Gemeinwohl in ganz Hessen von unseren Aktivitäten; das nennen wir das Lotto-Prinzip.
Was genau steckt dahinter, und wie verbinden Sie damit den Auftrag, in solch gesellschaftlich komplexen Zeiten auch für demokratische Werte einzustehen?
Geld muss natürlich erst mal verdient werden, bevor man es verteilen kann. Menschen müssen unsere Produkte kaufen, ob es Klassiker wie LOTTO 6aus49 sind oder die europäische Lotterie Eurojackpot oder die vielen Varianten bei den Rubbellosen. Da müssen wir tagtäglich einen hohen Anspruch an uns selbst haben, was auch das Thema Innovation angeht. Ich nenne es gern den unternehmerischen Ansatz zum Wohle des Landes Hessen. Den Großteil von dem, was wir erwirtschaften, können wir – abzüglich des Geldes, das an die Gewinnerinnen und Gewinner geht – dann in gute Projekte zur Förderung geben: in Soziales, in Umwelt und Nachhaltigkeit, in die Sportförderung und die Kultur sowie den Denkmalschutz. Im angelsächsischen Bereich spricht man von ›Good Causes‹. Es geht um gemeinnützige Projekte, darum, in einer Gesellschaft bestimmte Initiativen ins Rampenlicht zu stellen, damit sie einen guten Ansatz markieren und zur Nachahmung aufrufen. Es macht einen Unterschied, ob man in der Gesellschaft für den Zusammenhalt ist oder sie eher spaltet. Insofern sind Preise, die wir als LOTTO Hessen stiften, wie den Hessischen Sozial- oder den Denkmalschutzpreis, so wichtig: Sie zeichnen persönliches Engagement für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für demokratische Werte aus und machen
so den Unterschied.
Menschen spielen, weil sie gewinnen wollen. Doch die Chancen auf den Jackpot sind überschaubar. Was sagen Sie jenen, die meinen, da gewinnt doch eh keiner?
Zunächst einmal gilt: Nur wer mitspielt, kann gewinnen. Das meine ich sehr ernst, denn die 21 Millionärinnen und Millionäre aus dem vergangenen Jahr allein in Hessen sprechen da eine deutliche Sprache. Aber ganz klar ist auch: Wir haben einen staatlichen Auftrag, den Spieltrieb der Menschen in vernünftige, in sichere Bahnen zu lenken. Dafür stehen die staatlichen Lotteriegesellschaften. Genau deswegen müssen wir hochattraktive Produkte entwickeln, denn sonst wandern die Menschen in den Graubereich oder gar in den Schwarzmarkt ab. Es ist ja nicht zu leugnen, dass es auch eine große Anzahl illegaler Spielanbieter gibt, die versuchen, über Umwege die deutsche Regulierung zu hintertreiben. Wir hingegen wollen die Menschen bei den seriösen staatlichen Lotterien halten, wo der Spieler- und Jugendschutz großgeschrieben wird. Dafür setzen sich im Übrigen auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den rund 2.000 Lotto-Verkaufsstellen in Hessen ein, die wir mit diversen Schulungsangeboten umfangreich sensibilisieren. Allen Spielenden, die noch auf den großen Lottogewinn warten, sei versichert: Im Endeffekt profitieren alle Menschen in Hessen von dem, was wir ans Land abführen und was wir im Sponsoring fördern.

Foto: Marcus Kaufhold
LOTTO Hessen wurde in diesem Jahr 75 Jahre alt. Was machte die Menschen 1949 glücklich und was heute?
Eine Erfahrung aus den letzten 75 Jahre ist: Die Wünsche der Hessinnen und Hessen sind vielfach die gleichen geblieben: ein neues Haus, die Welt erkunden, Vorsorge für Kinder und Enkel treffen. Natürlich war Hessen in den Anfangsjahren noch ein ganz anderes Land, vieles war nach dem Krieg knapp, und da war die Sportwette TOTO, das erste Baby von LOTTO Hessen übrigens, ein echter Hoffnungsbringer. Unvorstellbar, aber wahr: Gewinne wurden in den 1950er- und 1960er-Jahren noch persönlich und in bar überreicht; dafür rollte das Gewinnauto von LOTTO Hessen vor, eine Flasche Sekt im Gepäck und die D-Mark passend abgezählt. Der Mythos vom Mann mit dem Geldkoffer stammt aus dieser Zeit und hält sich hartnäckig. Dabei werden heute alle Gewinne ab 8.000 Euro überwiesen, und da gibt es zum Schutz aller auch keine Ausnahmen. Persönlich freue ich mich immer, wenn unsere großen Gewinner den Weg zu uns in die Rosenstraße finden und sich vor Ort beraten lassen – für einen besonnenen Umgang mit dem lebensverändernden Geldsegen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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