
Ein Denkmal für die Opfer der Homosexuellenverfolgung
Das erste Mahnmal in Deutschland, das an die Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus erinnert, steht in Frankfurt am Main. Der sogenannte Frankfurter Engel wurde 1994 aufgestellt und prägt seither die Erinnerungskultur der Stadt.
Nach über 34 Jahren intensiver Arbeit hat sich die Initiative Mahnmal Homosexuellenverfolgung (IMH), die das Denkmal einst ins Leben rief, Anfang dieses Jahres aufgelöst. »Unser Werk ist getan, aber die Verbundenheit bleibt«, sagt Hans-Peter Hoogen, einer der Initiatoren.
Politischer Aufbruch und eine mutige Idee
Die Geschichte des Frankfurter Engels begann Ende der 1980er-Jahre in einer Zeit des politischen Umbruchs. Mit der ersten rot-grünen Stadtregierung 1989 bekam schwule Kulturpolitik in Frankfurt zum ersten Mal Unterstützung.
In diesem Klima gründete sich eine sechsköpfige Männergruppe, die IMH, und entwickelte ein Konzept, um den lange übersehenen homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus ein Denkmal zu setzen. 1990 traten sie mit einer Denkschrift an die Öffentlichkeit. Ihr Anliegen: »Vergangenheit und Gegenwart homosexuellen Lebens in dieser Stadt in das Bewusstsein ihrer Bürger zu rücken.«
Der Frankfurter Engel entsteht
Dank der Unterstützung der Stadt, verschiedener Stiftungen und vieler privater Spender konnte das Mahnmal schließlich 1994 verwirklicht werden. Die renommierte Künstlerin Rosemarie Trockel gestaltete den Frankfurter Engel mit einer starken Symbolik:

Die auffällige Bruchstelle am Hals der Figur ist kein Schaden, sondern ein bewusst gesetztes Zeichen. Bevor die Statue in Bronze gegossen wurde, schlug Trockel dem Wachsmodell den Kopf ab und setzte ihn leicht verschoben wieder auf. Diese sichtbare Narbe steht für die Wunden, die Verfolgung und Gewalt in der Geschichte hinterlassen haben.
Mehr als nur ein Denkmal
Der Frankfurter Engel war das erste Mahnmal dieser Art in Deutschland und markierte einen echten Wendepunkt im öffentlichen Gedenken. Möglich wurde das durch den unermüdlichen Einsatz der IMH.
»Wir wollten nicht nur ein Denkmal errichten, sondern einen Ort des Gedenkens, der begehbar ist und an dem man verweilen kann«, erklärt Andreas Maul von der Initiative.
Heute ist der Frankfurter Engel auf dem Klaus-Mann-Platz ein fester Bestandteil der queeren Erinnerungskultur in Frankfurt. Er ist Anlaufpunkt für viele Menschen und spielt besonders beim jährlichen Love Walk am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Trans- und Interphobie, eine zentrale Rolle.

Das Vermächtnis lebt weiter
Auch wenn die Initiative Mahnmal Homosexuellenverfolgung Anfang des Jahres ihre aktive Arbeit beendet hat, bleibt ihr Vermächtnis lebendig. Mit dem Frankfurter Engel hat Frankfurt ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen und für die Würde queerer Menschen geschaffen. Das Denkmal mahnt bis heute und erinnert uns daran, welche Bedeutung Akzeptanz und Vielfalt in einer freien Gesellschaft haben.
Der Frankfurter Engel steht auf dem Klaus-Mann-Platz, nahe der Konstablerwache. Er ist jederzeit frei zugänglich.
Mehr zur Geschichte des Mahnmals und der Initiative finden Sie auf den Seiten der Stadt Frankfurt unter www.frankfurt.de.
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