Sculpting Music

Jens Ritter fertigt in Deidesheim/Pfalz großartige Gitarren und Kunstobjekte, die in den Museen der Welt gesammelt und exponiert werden. Dirk Becker traf den Künstler zum Gespräch über die Grenzen zwischen Musik, Kunst, Passion und Kultur.VivArt über die Freude am besseren Gewissen, E-Mobilität und Porsche Taycan als Alltagswagen. Eine Freude!

Foto: Cornelia Köster

Lieber Herr Ritter, Sie fertigen seit vielen Jahren Gitarren, die von Museen wie dem Smithsonian Museum in Washington D.C., dem Boston Museum of Fine Arts oder dem MET – Metropolitan Museum of Art in New York City gekauft und als Kunstwerke aus-gestellt werden. Woher kommt diese Kreativität, Ihre Passion?

Finanziell war ich als Jugendlicher nicht in der Lage, eine Gitarre zu kaufen. Also baute ich mir selbst ein Instrument. Die dadurch entstan-dene Freude und Erfüllung ließen mich nicht mehr los und ich kreierte weitere Gitarren. Meine Designs unterschieden sich von Anfang an stark vom klassischen Gitarrenbau und dadurch stieg meine Bekanntheit insbeson-dere in den USA und Japan. Durch immer exklusivere Modelle und die Verwendung von außergewöhnlichen Materialien wie Brokat-stoffen, Gold oder Diamanten entwickelten sich meine Instrumente weg vom einfachen Arbeitswerkzeug hin zum Sammlerobjekt. Aufgrund der Ankäufe der US-Museen zählen heute auch viele Kunst- und Musikliebhaber zu meinen Kunden, die gar nicht Gitarre spielen können.

Stars wie Prince, Lady Gaga, George Benson, Mary J. Blige, Musiker von Grateful Dead, Madonna, Van Halen und viele andere kaufen Ihre extraordinären Instrumente und bieten damit eine großartige Performance. Wie fühlt sich das für Sie an?

Wenn Sie mit Zehntausenden Menschen zusammen im Stadion stehen und vor Ihnen auf der Bühne performt ein Superstar einen Lieblingssong aus Ihrer Jugendzeit auf einer von Ihnen gebauten Gitarre, dann ist das schon ein abgefahrenes Gefühl.
Allerdings ist es genauso wundervoll, wenn ich meinen Kunden ihr neues Instrument oder Kunstobjekt vorstelle und dabei eine tiefe emotionale Berührung beobachte.

Bei Ihnen verschiebt sich die Grenze von der Gitarre zum Kunstobjekt. Was ist Ihnen dabei wichtig?

Abgesehen von meinen ›normalen‹ Gitarren baue ich sogenannte INTUNE FRAMES. Dabei handelt es sich um Objekte, Gemälde oder Fotografien, aus denen man Gitarren entnehmen und bespielen kann. Bei diesen Kreationen geht es mir vor allen Din-gen darum, den kulturellen Impact der E-Gitarre zu erweitern und dem Musiker bzw. Musikliebhaber näherzubringen.

Bei meinen Kunstobjekten arbeite ich sehr viel mit Klanginstallationen und gitarrenähnlichen Skulpturen. Ich verarbeite und kommuniziere Klänge und Eindrücke, die sich im Laufe meines Lebens ansammelten.

Es gibt zudem noch eine Hybrid-Kunst/Gitarren-Serie (Sleeping Beauties), bei der ich den Instrumenten ihre eigentliche Funktion für 100 Jahre deaktiviert habe. Man kann die Gitarren also erst in 100 Jahren bespielen. Es geht bei diesem Projekt darum, die hand-gemachte Musik symbolisch in die Zukunft zu senden. Viele meiner Sammler und Investoren kaufen diese Objekte für ihre Enkel und Urenkel und senden somit ein Kulturstatement aus der heutigen Zeit in die Zukunft.

Foto: Westcoast Dream (Edition of 6)

Im Jahr 2010 wurde Prince, für den Sie einige Gitarren schufen, für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Stephen G. Hill, Präsident der BET-Gesellschaft, hob seinen ›einzigartigen Stil‹ hervor und sagte: »Prince ist dynamisch, Prince ist genial, Prince ist Musik.« Was soll man später einmal über Jens Ritter sagen?

Ein Fachmagazin nannte mich ›Stradivari der E-Gitarre‹. Das war natürlich nice fürs Ego, aber mir ist es viel wichtiger, dass die Menschen auch noch in den nächsten Jahrhunderten auf meinen Instrumenten musizieren und sich durch meine Kunstobjekte berührt fühlen.

Jens Ritter

jens-ritter-germany.com


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