
Die Privatpraxis am Römertor feiert ihr Einjähriges. Dr. Michaela Wende und Bianca März haben damit ihre Vision erfüllt: einen Ort zu schaffen, an dem medizinische Kompetenz und menschliche Zuwendung Hand in Hand gehen. Im Gespräch mit Miriam Becker zieht das Team eine erste Bilanz.
Nachdem Sie beide viele Jahre in großen Praxen und Kliniken gearbeitet haben, führen Sie nun eine Privatpraxis. Warum?
MW: Wir wollten einen Ort schaffen, an dem unsere Patientinnen und Patienten zur Ruhe kommen können und sich genauso wohlfühlen wie wir – ohne Hektik, ohne überfülltes Wartezimmer. Wichtig ist mir zu betonen, dass auch Selbstzahler willkommen sind. Gerade im Bereich Longevity und Well-Aging werden ohnehin nicht alle Leistungen von den Krankenkassen übernommen.
Zu Ihnen kommen also gesetzlich Versicherte?
BM: Ja, etwa ein Drittel sind Selbstzahler. Sie entscheiden sich bewusst dafür, Geld für ihre Gesundheit auszugeben – so wie für andere Dinge auch. Dann gehen sie zu jemandem, der darauf spezialisiert ist, ein gutes Praxismanagement bietet und sich Zeit nehmen kann. Hier achten wir auf Balance – für unsere Patienten, aber auch für uns selbst.
Man merkt, dass Sie sehr gut zusammenarbeiten. Schon die persönliche Begrüßung an der Tür fällt auf. Es gibt kaum Wartezeiten und die Praxis erinnert eher an eine stilvoll eingerichtete Altbauwohnung.
BM: Das war unser Ziel. Ein Patient hat einmal gefragt, ob er seine Schuhe an der Eingangstür ausziehen soll – so wohnlich ist es hier! Ich war viele Jahre lang Praxismanagerin, unter anderem in einem großen medizinischen Versorgungszentrum in Berlin. Diese Erfahrung fließt in die Organisation hier ein – allerdings mit einem klaren Fokus auf persönliche Betreuung. Wir haben uns bewusst entschieden, nur zu zweit zu arbeiten. Wir wissen, dass jede ihre Arbeit zuverlässig erledigt.
Sie haben gerade einen Vortrag über Hormone gehalten, und auf Ihrer Website gibt es einen spannenden Podcast dazu. Warum ist dieses Thema wichtig?
MW: Ich habe in meiner Arbeit immer wieder erlebt, dass besonders Frauen mit denselben Beschwerden zurückkamen. Häufig blieb am Ende nur die Behandlung mit Antidepressiva, weil andere Ansätze fehlten. In der Kassenpraxis war jedoch oft keine Zeit für ausführliche Gespräche. Dann hörte ich von einer Fortbildung zu bioidentischen Hormonen. Ich habe mich sofort angemeldet. Nach vielen Jahren in der Schulmedizin finde ich es spannend, meinen Erfahrungsschatz zu erweitern und möglichst mit wenig Medikamenten auszukommen. Die zentrale Frage ist: Wie können wir gesund älter werden?
Indem wir Körper und Geist optimal versorgen und Krankheiten frühzeitig erkennen?
MW: Genau. Es geht darum, Menschen zu begleiten, damit sie gar nicht erst in schwere gesundheitliche Probleme geraten. Und diejenigen, die bereits erkrankt sind, so zu unterstützen, dass sich ihre körperliche Konstitution verbessert.
BM: Viele Patientinnen, die zu uns kommen, stehen unter hohem Leidensdruck und fühlen sich oft nicht verstanden. Hier kommen sie ins Erzählen – nicht nur im Arztgespräch, manchmal auch ganz nebenbei beim Blutabnehmen. Dabei zeigt sich, dass viele Frauen, aber auch Männer, Beschwerden lange hinnehmen, obwohl diese ihre Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Wenn das hier im vertrauten Gespräch zur Sprache kommt, können wir daran arbeiten.
MW: Viele Frauen wissen nicht, dass ihnen Testosteron fehlt oder sie haben Angst vor Brustkrebs bei einer Hormontherapie. Gleichzeitig möchten Patientinnen heute verstehen, was in ihrem Körper passiert. Sie wollen auf Augenhöhe behandelt werden und nicht nur ein Rezept erhalten.

Gerade beim Thema Hormone besteht Beratungsbedarf, oder?
MW: Ja, das erleben wir auch bei unseren Vorträgen. Sobald eine Teilnehmerin offen über ihre Beschwerden spricht, schildern immer mehr Frauen ihre eigenen Probleme – etwa Schlafstörungen, Depressionen oder Reizbarkeit. Viele Frauen erkennen sich in diesen Beschreibungen wieder und sagen: »Das bin ja ich.«
Wie ist es bei männlichen Patienten?
MW: Auch bei Männern verändern sich die Hormone, allerdings weniger abrupt als bei Frauen. Dennoch können Defizite entstehen, etwa beim Progesteron. Viele fühlen sich weniger belastbar. Männer sprechen allerdings eher über körperliche Beschwerden – etwa Schmerzen im Knie oder in der Hüfte. Gefühle wie Erschöpfung oder Traurigkeit werden seltener thematisiert. Ob Männer oder Frauen: Hormone sind keine Nebensache – sie steuern Energie, Stimmung, Schlaf und Wohlbefinden. Und manchmal braucht es nur kleine Stellschrauben, um wieder
in Balance zu kommen.
Die Therapie mit bioidentischen Hormonen ist nur ein Aspekt Ihrer Arbeit als erfahrene Allgemeinmedizinerin. Können Sie etwas über Ihr Engagement in der palliativen Betreuung erzählen?
BM: Ich habe gemeinsam mit anderen ärztlichen Kollegen das Hospiz in Erbenheim aufgebaut. Zu dieser Zeit gab es solche Strukturen in Deutschland kaum; wir gehörten zu den ersten Einrichtungen. Parallel habe ich eine Ausbildung in Palliativmedizin und Schmerztherapie gemacht. Die Arbeit war fachlich und menschlich sehr bereichernd, vor allem die Zusammenarbeit im Team. Wir konnten den Patienten bis zuletzt etwas geben – das war sehr erfüllend.
Welche Vision haben Sie für diese Praxis?
BM: Wir wollten jeden Tag mit Freude zur Arbeit gehen und unsere Patienten bestmöglich unterstützen. Dies ist uns gelungen. Es ist genauso, wie wir es uns vorgestellt haben.
MW: Richtig. Wir machen so weiter. Mir ist wichtig, die Persönlichkeit und die Lebensgeschichte eines Menschen kennenzulernen. In der weiteren Zusammenarbeit können wir manches auch einmal telefonisch oder per Videosprechstunde klären – etwa Laborwerte oder den Verlauf einer Therapie. Das ist für viele Patientinnen und Patienten sehr praktisch. Und trotzdem bleibt das Wichtigste das persönliche Willkommen hier in der Praxis.

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Am Kaiser-Friedrich-Bad 6
65183 Wiesbaden
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