
Während in Deutschland alle über das Wetter, die Politik und irgendetwas immer schimpfen, treffe ich mich mit meinen besten Freunden zum Radfahren für eine Woche auf der Insel und wir erleben die Mandelblüte im Vorbeifahren, trinken an jeder Ecke Kaffee und vernichten ganze Kuchenbuffets mit Vergnügen.
Warum Mallorca für Rennradfahrer perfekt ist
Begonnen hat es vor fast 15 Jahren und wir tun es jedes Jahr wieder. 700 Kilometer kreuz und quer, hoch und runter auf der Insel, die so viel mehr zu bieten hat als den gruseligen Ballermann samt Bierkönig, der übrigens von einem deutschen Gastronomen ›erfunden‹ wurde und dessen Geschichte übel endete. Erst nach vielen Jahren habe ich verstanden, dass die vielen Papageien auf der Insel einst im Besitz des ›Bierkönigs‹ Manfred Meisels waren, der brutal ermordet wurde. Doch das gleichnamige Lokal meiden wir sowieso, trinken in der Altstadt von Palma lieber Wein und entdecken jedes Jahr weitere Restaurants, die unsere Fressattacken aushalten müssen. Die Gastronomen tun es mit einem Lächeln und wir lächeln auch, weil wir wissen, dass die 2.000 Kalorien uns gar nichts anhaben können. Die sind nach dem nächsten Trip wieder weggestrampelt.

Sa Calobra – die legendäre Rennrad-Strecke
Gleich am ersten Tag erobern wir die Insel: Die Strecke hoch zum Kloster Luc ist ein wahres Highlight und es ist gut, wenn man dafür genügend ›Körner‹ in der Reserve hat. Die haben wir nebst stillen Reserven auf der Hüfte. Knapp zehn Kilometer geht es sanft bergan, wer Lust hat, trinkt an der Tankstelle noch schnell einen Espresso, bevor es weiter in Richtung Sa Calobra geht: echt Kult und ein Treffpunkt für alle, die gesehen werden wollen. Sa Calobra liegt dann weiter der Straße entlang ganz abgelegen an der Nordwestküste im Tramuntana-Gebirge (ein UNESCO-Welterbe). Der Ort selbst ist winzig und die zugehörige Bucht dramatisch: steile, einige hundert Meter hohe Felswände, kleine Kieselbuchten und türkisfarbenes Wasser darunter. Natur pur. Man fühlt sich eher wie in einer Felsenschlucht als an einem typischen Mittelmeerstrand.
Café-Stopps gehören zum Mallorca Rennrad Gefühl
Auf dem Rückweg dann Einkehr im Sa Ruta Verde, einem kleinen Bikercafé, das herrliche Kuchen und tolle Smoothies anbietet und einen Innenhof, der maximale Sonnenanbetung möglich macht. Vielmehr braucht es nicht. Handy aus, Arbeit aus, Kopf aus, Leben an. Freunde, Kaffee, Kuchen, viel Gelächter: Da werden alte Geschichten neu erzählt, und wahrscheinlich verbindet uns alle, dass wir wissen, wie gut diese Zeit miteinander ist. Selbständig zu sein, bedeutet allzu oft, nicht loszulassen. Mallorca lädt dazu ein, es einmal zu probieren. Ich liebe es.
Zwischen Profi-Training und Genussradeln
Und während Mallorca im Sommer vielleicht wirklich ein Tourismusproblem hat, ist es hier im März geradezu menschenleer. Hobbysportler, echte Sportler und auch Profis, bereiten sich hier auf die Saison vor, und es passiert nicht selten, dass man von Menschen überholt wird, die offenbar den Sport richtig ernst nehmen. Meist fahren sie so schnell und angestrengt, dass ihnen die Luft zum Grüßen fehlt. Wir erledigen das dann gerne mit und fahren wie verrückt im Windschatten hinterher, um dann doch nach zwei Kilometern abreißen zu lassen und in der nächsten Gastronomie einzukehren. Man muss Prioritäten setzen – im Sport wie im Leben!

Ikonische Radtouren
Weitere Beiträge des Mallorca-Specials finden sie hier:
Klassiker für Roadbike‑Fans (mittel bis schwer):
Sa Calobra (Coll del Reis)
Legendäre Bergstrecke mit über 25 (!) Haarnadelkurven und steilem Anstieg: ein Muss für jeden Rennradler. Die spektakuläre Abfahrt zur Küste und das Panorama am Ziel sind einzigartig.
Cap de Formentor Die circa 40 km lange Runde von Port de Pollença zum Leuchtturm bietet dramatische Küstenblicke, steile Anstiege und wunderschöne Serpentinen.
Tramuntana Westküsten‑Route (Pollensa → Andratx)
Die lange, abwechslungsreiche Tour führt entlang der Küste durch die Serra de Tramuntana mit zahlreichen Aussichtspunkten und durch charmante Dörfern wie Deià und Valldemossa.
Puig Major & Sóller‑Pass
Eine anspruchsvolle Runde mit langen Anstiegen und Abfahrten – ideal, wenn du viele Höhenmeter und spektakuläre Aussichten suchst.
›Hidden Gems‹ & ruhigere Varianten:
Puig de Randa via Algaida
Eine ruhigere, aber landschaftlich sehr schöne Alternative zum Tramuntana‑Tarif, mit 360‑Grad‑Ausblick.
Campanet – Selva Backroads
Sanfte, autofreie Nebenstraßen zwischen kleinen Dörfern – perfekt, wenn du’s gemütlich willst.
Ermita de Betlem
Wunderschöne Strecke im Osten der Insel mit Meerblick und wenig Verkehr – ideal für ruhige Frühjahrsausfahrten.
Weitere Artikel zum Thema Freizeit & Gesundheit finden Sie in der der aktuellen Ausgabe VivArt. Verpassen Sie keine Ausgabe:
Große Kunst
Junge Fotografie und mehr
Vorlaut
Life doesn’t frighten me
Leckere Rezepte
Erbsen, Burrata und schwarze Oliven
Aus der Gesellschaft
Demokratie zum Hören
Handwerk im Wandel
Daniel Sieben: Hier leben
Restaurant Tipps
Gastgeberin mit rheinhessischem Herzschlag
Überzeugungstäter
Viora Wiesbaden: Feine Küche, Grosse Gastfreundlichkeit
Das Restaurant 959 in Heidelberg – eine absolute Auszeit
Kunst & Kultur
»Es war eine Art Glücksfall«
Zeitloses Design aus Mainz
Transformation: Kunst auf der Baustelle der Neuen Bäckerei
Wie KI unseren Blick verändert
Mode
Zur Kultur des Geschmacks
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