
Die Eiserne Hand lädt zu kleinen Abenteuern ein. In dieser Ausgabe deklinieren wir mal das Thema ›Mut‹ anhand eines besonderen Weges durch. Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz an der Eisernen Hand, einem der Pässe, die seit alters her von Wiesbaden über den Taunus führen.
Auf den Altenstein
Wir gehen zunächst vom Parkplatz gemächlich den Rheinhöhenweg (Markierung R) entlang. Auf dem schnell erreichten Herzogsweg stoßen wir nach 15 Minuten links auf eine Ruhebank mit dem Wegweiser ›Altenstein‹. Hier biegen wir ab, gehen wenige Schritte bis oben hin, dann rechts ab mit rotem Wimpel fünf Minuten zum Naturdenkmal Altenstein (großes Foto).
Es gehört schon Mut dazu, den Altenstein zu besteigen. Mut unterscheidet sich aber von Leichtsinn. Ein bisschen Kletterkunst und trockenes Wetter gehören neben dem Mut dazu. Und jemand, der mitklettert oder unten aufpasst. Es ist ein wahres Vergnügen, dann ganz oben zu sein und in alle Richtungen schauen zu können. Wieder unten angelangt, schauen wir uns den Felsen nochmals von allen Seiten genauer an.
Zum Spitzenstein
Danach gehen wir den Weg am Altenstein vorbei weiter und treffen nach fünf Minuten links auf einen zum Teil kaum sichtbaren, kurzen Pfad zum Spitzenstein, ein Felsenensemble aus Glimmersandstein, ebenfalls Naturdenkmal. Hier ist es stark abschüssig und es braucht etwas Mut, Trittsicherheit und gutes Schuhwerk, die Felsklippen zu umrunden. Die Aussicht auf Taunusstein aber ist selten schön und belohnt uns.

Waldbrache und Jägerpfad
Nun geht es zurück, am Altenstein vorbei und dann geradeaus hinauf zum in der Karte zwar eingezeichneten, aber kaum mehr sichtbaren keltischen Ringwall. Hohe, kranke Fichten, vor wenigen Jahren noch voll im Saft, wurden hier abgeholzt. Wir begegnen dem Klimawandel und dem Waldsterben. Die Hochfläche bietet einen wüsten Anblick, aber einen unvergesslichen Ausblick auf die benachbarte Hohe Wurzel mit ihrem Funkturm. Eiserne Hand und Hohe Wurzel sind zwei parallele Pässe von Wiesbaden in den Taunus.
Wir gehen auf der Brache den Weg weiter bis zu einem Hochsitz. Von dort führt ein zunächst sichtbarer Jägerpfad den Abhang hinunter bis zu einem Querweg. Hier ein paar Minuten steil abzusteigen, erfordert wiederum ein wenig Mut, es gibt keine Markierung, der Pfad ist bald nur noch zu erahnen, es geht über Stock und Stein. Wieder etwas für trittsichere Wanderlustige. Stöcke wären hier von Vorteil. Aber man kommt schließlich auf dem Querweg nahe breiter Holzstöße an.
Es geht auch normal
Wem dieser Abstieg zu viel ist, läuft vom Hochsitz einfach den Weg zurück. Man muss es mit dem Mut ja nicht übertreiben. Das gilt auch für den Altenstein. Der Quarzitfelsen ist ein attraktives Wanderziel, auch wenn man nicht die Absicht hat, hinaufzuklettern. Wir aber nehmen den Querweg nach links und erreichen schnell unterhalb der oben beschriebenen Bank den bekannten Herzogsweg und dann die Eiserne Hand.
Geschichten um den Altenstein
Um den Altenstein ranken sich in die Vorzeit zurückgehende Mythen. Keltische Wächter mögen von ihm herab die Umgebung des Ringwalls beobachtet haben. Belegt ist, dass die Menschen in Taunusstein hier um das Jahr 1900 herum jeweils am zweiten Pfingsttag ein großes Fest begingen. Ein Tanzboden hoch oben, über eine Holztreppe erreichbar, war die Attraktion. Die Tradition lebt. Heute feiern junge Leute aus Taunusstein auf dem Altenstein ihre Geburtstage oder Silvester mit Blick auf das Feuerwerk in Wiesbaden. Für die etwas älteren Menschen des Ortes ist der Altenstein ein schnelles Wanderziel und Lieblingsplatz, wenn sie mal kurz draußen sein wollen.
Einkehr
Schließlich verarbeiten wir im Gasthof ›Waldgeist zur Eisernen Hand‹ die Eindrücke des Tages, an einem ebenfalls historischen Ort, nämlich dem denkmalgeschützten ehemaligen Bahnhof der Aartalbahn. Homo sapiens hat überall seine Spuren hinterlassen. Und immer galt schon, dass Speis und Trank Leib und Seele zusammenhalten. Das bietet der ›Waldgeist‹ in Hülle und Fülle.
Waldgeist zur Eisernen Hand
Eiserne Hand 1, 65232 Taunusstein
Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do 11.30–
14.30 Uhr, 17–22 Uhr
Fr, Sa, So 11.30–22 Uhr, Di Ruhetag
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