
Wenn von deutschem Spitzenriesling die Rede ist, fällt der Name Breuer unweigerlich. Seit vielen Jahren prägt Theresa Breuer das renommierte Weingut in Rüdesheim mit einer klaren Handschrift: respektvoll gegenüber der Tradition, offen für Innovation und kompromisslos in ihrem Qualitätsanspruch. Ihre Weine spiegeln die Charakteristik der großen Rheingauer Lagen ebenso wider wie ihre persönliche Überzeugung, dass Herkunft, Geduld und Handwerk untrennbar miteinander verbunden sind. Im Gespräch mit Dirk Becker erzählt Theresa Breuer, warum Wein weit mehr ist als ein Genussmittel, welche Verantwortung sie als Winzerin trägt und was sie für die Zukunft des deutschen Weinbaus bewegt.
Liebe Theresa, das Weingut Georg Breuer gehört zu den bekanntesten Weingütern Deutschlands. Wie gelingt es dir, die Tradition des Hauses zu bewahren und gleichzeitig eine eigene Handschrift einzubringen?
Wir sind so, wie wir sind – und genau das bedeutet auch, dass Veränderung ganz selbstverständlich dazugehört. Tradition heißt für mich nicht, Dinge unverändert zu bewahren, sondern sie verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Jeder Wein, der unseren Namen trägt, muss unserem eigenen Anspruch gerecht werden. Wir trinken unsere Weine selbst mit großer Freude und können uns mit jedem einzelnen identifizieren. Diese Authentizität ist für mich die wichtigste Verbindung zwischen der Geschichte unseres Hauses und dem, was wir heute daraus machen.

Deine Weine gelten als präzise Botschafter ihrer Herkunft. Welche Rolle spielen Terroir und Nachhaltigkeit heute in der täglichen Arbeit – und wie haben sich die Ansprüche in den vergangenen Jahren verändert?
Der Klimawandel ist längst eines der prägendsten Themen im Weinbau. Auch in schwierigen Jahren haben unsere Weinberge hervorragende Qualitäten hervorgebracht, doch wir wissen, dass nicht alles so weitergehen wird wie bisher. Gerade in den Steillagen stehen wir vor neuen Herausforderungen – inzwischen müssen wir teilweise sogar Wasser in die Weinberge bringen. Gleichzeitig sind wir der Entwicklung nicht hilflos ausgeliefert. Mit Strohmulch, vielfältigen Einsaaten und einer nachhaltigen Bewirtschaftung versuchen wir, unsere Weinberge widerstandsfähiger zu machen. Jede Veränderung fordert uns heraus, aber sie bietet auch die Chance, neu zu denken und dazuzulernen – sei es bei den Erträgen oder im Umgang mit der Natur.
Wein ist heute weit mehr als ein klassisches Kulturgut – junge Menschen entdecken ihn neu, gleichzeitig verändern sich Konsumgewohnheiten. Wie siehst du die Zukunft des deutschen Weins und welche Chancen bietet sie?
Ich hoffe sehr, dass gerade die junge Generation Wein wieder neu für sich entdeckt – nicht nur als Getränk, sondern als Ausdruck von Kultur, Genuss und Heimat. Wein erzählt Geschichten, verbindet Menschen und macht Herkunft erlebbar. Wir möchten die Menschen einladen, diesen Weg mit uns zu gehen und mitzuerleben, wie Wein entsteht. Wenn wir es schaffen, Wein wieder leichter, nahbarer und emotionaler zu vermitteln, dann sehe ich große Chancen für die Zukunft des deutschen Weinbaus.

Der Beruf der Winzerin verlangt Fachwissen, unternehmerisches Denken und viel Leidenschaft. Irgendwie ist es wie ein nicht endender Marathon. Was begeistert dich auch nach vielen Jahren noch jeden Tag an der Arbeit – und welche Momente sind die größten Herausforderungen?
Das Schönste an meinem Beruf ist die Zusammenarbeit mit der Natur. Kein Jahr gleicht dem anderen, keine Entwicklung lässt sich vollständig planen – genau das macht die Arbeit so faszinierend. Wir wachsen mit jeder Saison und lernen ständig dazu. Gleichzeitig hat sich unser Berufsbild stark verändert. Wir sind heute nicht mehr nur Landwirte, sondern ebenso Unternehmer, Vermarkter und Manager. Die zunehmende Bürokratie ist dabei oft eine große Belastung und manchmal auch frustrierend. Trotzdem überwiegt für mich die Begeisterung, jeden Tag mit der Natur arbeiten und etwas Bleibendes schaffen zu dürfen.
Wenn du den Leserinnen und Lesern von VivArt einen einzigen Wein aus dem Sortiment empfehlen dürftest – welcher wäre das und welche Geschichte erzählt er über dich und das Weingut?
Meine Antwort fällt immer wieder etwas anders aus, aber sehr häufig ist es der Terra Montosa Riesling. Dieser Wein vereint seit dem Jahrgang 1990 die zweitbesten Partien unserer großen Steillagen. Sein Name – ›Steile Erde‹ – geht auf eine lateinische Urkunde aus dem Jahr 1074 zurück, in der die Rebpflanzungen im Rüdesheimer Berg erstmals erwähnt werden. Für mich erzählt der Terra Montosa die Geschichte unseres Weinguts besonders gut: Er verbindet unterschiedliche Böden zu einer vielschichtigen Cuvée und steht für das, was unsere Arbeit ausmacht – Handwerk, Schweiß und Herzblut. Gleichzeitig ist er ein wunderbarer Essensbegleiter und zeigt, wie spannend und lebendig Riesling aus dem Rheingau sein kann.
Vielen Dank für das Gespräch.

Weingut Georg Breuer
Grabenstraße 8 65385 Rüdesheim am Rhein
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