Schloss Johannisberg

Schloss Johannisberg gilt nicht nur als Wiege der Spätlese, maßgeblicher ist, dass sich die Benediktiner-Mönche vor gut 300 Jahren für den Riesling als Leitsorte entschieden. Das bewies für die damalige Zeit, in der der Gemischte Satz üblich war, enormen Weitblick und geschah nicht ohne finanzielles Risiko. Das Kalkül ging auf und der Grundstein für das Image vom Schloss als Riesling-Hochburg war gelegt. Heute verantwortet Stefan Doktor dieses Rheingauer Monument. In jüngeren Jahren war er Rennrodler in der slowakischen Nationalmannschaft. Im Leistungssport lernte er, sich ehrgeizige Ziele zu setzen und diese konsequent zu erreichen. Seine Ziele für Schloss Johannisberg hat er bereits peu à peu umgesetzt. Beim Wein ist nun alles an einem Ort, was die Abläufe optimiert und die Verarbeitung präziser und schonender macht. Früher wurden die Trauben im benachbarten Mumm’schen Weingut eingebracht; doch mit der neu gebauten Kelterhalle am Schloss ist alles technisch auf dem neuesten Stand. Zuerst werden die Grundweine für Sekt gelesen, dann kann sich das Johannisberg-Team auf die Schlossweine konzentrieren. Deren Terroir bietet nicht nur mineralischen Quarzit und Eisenerz, sondern hält das Wasser besonders gut – ein Vorteil in trocken-heißen Jahren. Ganz neu sind mächtige Holzfässer von 4.000 und 6.000 Litern, in denen sich das Große Gewächs Silberlack nach der Assemblage rund ein Jahr entwickeln kann. Stolz ist der Gutsdirektor auch auf den trockenen Goldlack als Flaggschiff. Drei Jahre Holzreife verleihen Tiefe, Konzentration und Komplexität: ein Wein, der in sich ruht. »Vor allem haben wir unsere Weinbergsarbeit intensiviert«, sagt Stefan Doktor. »Das ist der Schlüssel für alles!« Dann lobt er sein Team, das noch akribischer arbeitet und nun auch bio. Mit dem Jahrgang 2024 wird die dreijährige Umstellung abgeschlossen sein. Die aktuellen Weine überzeugen jetzt schon: Der feinherbe Riesling Kabinett Rotlack 2023 ist mit zart-pikantem Spiel und Finesse bei nur elf Volumenprozent Alkohol federleicht ausbalanciert. Der trockene Riesling Bronzelack 2022, quasi der Ortswein, ist souverän von der banalen Frucht weggeschoben, bietet dafür Rückhalt, Anklänge von Feuerstein und viel sub stanzielle Feinheit. Klassiker des Hauses ist die Spätlese Grünlack 2022: herrlich lebendig, wunderbar saftig, spannungsgeladen und zart steinig-salzig unterlegt. Diese Weine lassen sich bestens am Weinstand linker Hand vom Schloss genießen oder im Restaurant Schlossschänke. Hier wird eine bodenständig verfeinerte, kreative Küche geboten, die regionale und internationale Akzente setzt und mit besonders schmackhaften Soßen glänzt. So lässt sich der Sommer 2024 auf typisch Rheingauer Art heiter und beschwingt genießen!

Schloss Vollrads

Im Gegensatz zum fast schon mondän wirkenden Schloss Johannisberg wirkt Schloss Vollrads etwas diskreter, jedoch nicht minder elegant. Malerisch eingebettet zwischen Weinbergen und Wald teilt sich den Reben hier in heißen Perioden der so wichtige Kaltluftstrom mit. Auch die Wasserversorgung ist ideal und sorgt dafür, dass Trockenstress für die Reben quasi ein Fremdwort ist. Das Lebensgefühl ist hier lässig-entspannt und bodenständig. Das spiegeln auch die Weine wider, die unter der Leitung von Ralf Bengel im trockenen Segment noch mehr an Statur gewannen, ohne im Alkohol zuzulegen. Genau das ist typisch für Vollrads. Hier geht es um Delikatesse und Finesse, um Langlebigkeit ohne Schwere. Die Weine sind ausbalanciert, ohne vorlaut zu sein; sie brauchen in der Jugend oft ein wenig mehr Zeit zur Entfaltung, verfeinern sich dann aber über einige Jahre weiter. Dabei profitieren sie von mineralischer Kraft, denn in den biologisch bewirtschafteten Böden mischen sich Quarzit, Kalk und auch ein wenig Schiefer. Berühmt sind die Kabinettweine, die so langlebig wie heiter und bekömmlich sind. Stolz ist Ralf Bengel schon auf den normalen trockenen Gutswein, quasi die Visitenkarte des Hauses. Auch dieser schmeckt noch besser, wenn ihm zwei, drei Jahre zur Entfaltung gegönnt sind. Der herrlich süffig und saftig ausbalancierte 2022er bereitet allerdings schon in diesem Sommer Trinkfreude. Geradezu schüchtern zeigt sich der Ortswein Winkel 2022 anfangs am Gaumen, um plötzlich zuzulegen und sein festes, feinfruchtiges Säurespiel im wunderbaren Nachhall zu entfalten: viel Aromatik bei moderatem Alkohol. Schlossberg heißt das trockene Flaggschiff als Großes Gewächs, das im heißen Weinjahr 2019 beeindruckend kalibriert, komplex und gewichtig wurde und neben würzig-mineralischen Nuancen Anklänge an Kräuter bietet und auch in der Frucht keine vorlauten Töne anschlägt. Das alles macht riesigen Spaß – gerade in diesem einzigartigen Rahmen. Das wohnlich wirkende Schloss Vollrads hat am Wochenende und an Feiertagen für Gäste den Wein- und Essensstand geöffnet und lädt ein, sich hier im malerischen Innenhof für ein gutes Glas Wein und Leckereien niederzulassen. Dies hat auf Vollrads lange Tradition. Delikat ergänzt wird das gastronomische Angebot durch das elegante Gutsrestaurant mit lauschiger Terrasse, in dem Alexander Ehrgott seit fast 20 Jahren seine Gäste verwöhnt – in dieser Kontinuität ein großes Glück für Vollrads. Und dann hat Ralf Bengel noch ein Ass im Ärmel: Der neu gebaute Weinkeller oberhalb des Restaurants bietet enorme Kapazitäten, vor allem eine noch schonendere Verarbeitung mittels Schwerkraft. »Dadurch können wir im Herbst länger pokern als bisher und die Trauben noch aromatischer ausreifen lassen – ohne Angst vor den Folgen eines Wetterumschwungs«, meint der Gutsdirektor selbstsicher. Wir freuen uns schon auf den Jahrgang 2024.

Kloster Eberbach

Viel getan hat sich auch bei einem der renommiertesten Betriebe überhaupt, dem Weingut Kloster Eberbach, das unter den Rheingauer Monumenten nicht fehlen kann! Hier hat eine ganz neue Thermik eingesetzt: Mit viel Können, international erworbener Erfahrung und noch mehr Verve führt Kathrin Puff seit dem Jahrgang 2018 das Weinkellerteam. Tatkräftig unterstützt von Max Schäfer als Weinbauleitung mit Fokus auf den Außenbetrieb, während Dieter Greiner die Geschäftsleitung führt. Die beiden setzen auf Herkunftscharakter und Qualität – ohne die jeweiligen Eigenarten eines Jahrgangs zu verschweigen. Dafür hat sich vor allem in der Selektion aus der berühmten, mauerumfriedeten Monopollage Steinberg seit dem Jahrgang 2021 viel getan. Aus dem drei Hektar großen Zehntstück – quasi dem Herzstück der Lage mit bunten Schieferböden, Quarzit und Lösslehm – stammt nun der Riesling Erste Lage, der als 2022er seidige Frucht und straffe Klarheit zeigt. Hier stehen auch einige der ältesten Reben des Steinbergs überhaupt, die beindruckende Tiefe, enorme Kraft und substanzielle Feinheit verleihen. Neu positioniert hat sich gleichfalls das Große Gewächs Steinberg. Es wird nun aus der historischen Parzelle Goldener Becher im oberen Teil des Steinbergs gelesen. Der Schieferverwitterungsboden hier sorgt für eine ausgesprochen feine, filigrane und tiefschürfende Mineralität, die im 2021er bei aller Kraft und Komplexität salzig und steinig anklingt. Und der 2023er Ortswein Steinberg repräsentiert den ausgesprochen feinen und individuellen Charakter dieser 30 Hektar großen Lage: Everybodies Darling! Viel bewegt hat Max Schäfer auch beim Thema Nachhaltigkeit durch die Anlage einer Querterrassierung im Höllenberg. Hier kann Kathrin Puff nun ihre Erfahrung aus der Toskana beim Chianti Classico voll ausspielen. Die Roten wurden noch feiner im Holz, noch präziser und seidiger im Tannin. Das klingt bereits im 2021er Höllenberg Erste Lage an, während das Große Gewächs 2020 offen maischevergoren wurde, dann 22 Monate im Holzfass lagerte und nun enorm kalibriert, würzig und dennoch animierend schmeckt. Ebenso Trinkfreude bereitet der 2022er Ortswein, der wie seine roten Pendants erfreulich moderat im Alkohol ist. Und getreu dem Motto ›Das Beste bewahren und Neues wagen‹ gibt es nun den ›Steinberger Wild Ferment‹: Einmal Steinberg pur und ursprünglich – mit natürlichem Gäransatz und Maischegärung auf den Traubenschalen. Dieser Wein wird fünf Jahre nach der Lese in Doppelmagnumflaschen ausschließlich über die Versteigerung angeboten, ab September im selben Jahr dann für den europäischen und internationalen Markt, ausschließlich in Magnumflaschen.


Wir schreiben das Jahr 1136. Am 13. Februar legt Bernhard von Clairvaux (1090–1153), Lichtgestalt des Mittelalters, den Grundstein für die Zisterzienserabtei im Rheingau. Zwölf Mönche wer- den aus dem Burgund entsandt, um unter Abt Ruthard im idyllischen Kisselbachtal ein Kloster zu gründen. Berühmt für seinen Weinbau, erblüht rasant ein unerhört erfolgreicher Wirtschaftsbetrieb; Kloster Eberbach gilt als das größte Weinhandelsunternehmen der mittelalterlichen Welt! Mit seinen 888 Jahren ist Kloster Eberbach heute lebendiger denn je! Ein eindrucksvolles europäisches Kulturdenkmal und Ursprung von Deutschlands größtem Weingut. Auch wenn der Orden und seine Brüder längst Vergangenheit sind, leben ihre Werte von Gemeinschaft und sozialem Miteinander bis heute bei der 1998 vom Land Hessen
Für dessen Erhaltung eingesetzten Stiftung Kloster Eberbach fort. Hunderttausende Gäste besuchen die Idylle im Grünen Jahr für Jahr, sei es als weltberühmten Drehort des Kinomeisterwerks ›Der Name der Rose‹, als Hauptspielstätte des Rheingau Musik Festivals oder anlässlich einer Weinführung, Tagung oder Familienfeier.
»Es braucht gute Konzepte, um die Menschen immer wieder neu für das Kloster zu begeistern. Oder – um es mit den Worten der Denkmalpflege zu sagen – Lebendigkeit ist der beste Denkmalschutz«, betont Julius Wagner, der seit Anfang 2023 Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kloster Eberbach ist. »Wir müssen uns dabei vom etablierten Gedanken eines auf Exponaten aufbauenden Museums lösen und die gesamte Anlage in den Blick nehmen. Es gilt, mit zeitgemäßen Mitteln Geschichte und dadurch einen wichtigen Teil unserer Kultur erfahrbar zu machen.« So wurde in jüngster Vergangenheit im Außenbereich eine eigene Imkerei errichtet, die nicht nur Honig produziert, sondern auch im Kontext des Klosters zu besichtigen ist. Ein künstlerisches Bienenhaus wird folgen, ebenso informative QR- Codes im Innenbereich und viele weitere Erlebnisprojekte neben den bereits erfolgreich stattfindenden Familienausstellungen. »Unser bahnbrechendes Vorhaben wird es, moderne 3-D-Projektionen auf die prächtigen mittelalterlichen Grabplatten der hier bestatteten Adligen und Äbte zu bringen«, erläutert Julius Wagner. »Die Tumbendeckel der Katzenelnbogener Grafen, bis heute wunderschön gestaltet und im Relief erhalten, waren einst farbig bemalt. Wir werden diese Farbenpracht nicht nur wieder zum Strahlen bringen, sondern fesselnd und erlebbar Geschichte und Geschichten darstellen.«

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Gastgeberin mit rheinhessischem Herzschlag
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Junge Fotografie und mehr
Vorlaut
Life doesn’t frighten me
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Oladky zum Vernaschen!
Spargel und Radieschen vom Grill mit Burrata und Zitronendressing
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