RIESLINGE VOLL SAFT UND KRAFT

Peter Querbach keltert ausbalancierte, ungemein bekömmliche und vor allem langlebige Rieslinge, die für all die guten Attribute eines animierenden Rheingauers stehen – und die sich teils noch über 20 Jahre verfeinern. Von Manfred Lüer.
Was macht die Rieslinge von Peter Querbach eigentlich so besonders? Die Antwort des Winzers ist verblüffend kurz und präzise: »Saftigkeit! Meine Weine sind einfach so richtig saftig.« Allerdings proklamieren viele Kollegen das auch für sich; selbst kalt vergorene, vordergründig fruchtbetonte Weine gelten gemeinhin als ›saftig‹, obwohl sie oft nur allzu poppig und glucosig sind. Wirklich nachhaltig erfrischende Saftigkeit ist aber ein vollkommen anderes Attribut und meint die langsam gereifte Frucht, die nach einer möglichst langen Vegetationsperiode besonders delikat und köstlich hervortritt, wenn sie denn gesund geblieben ist. Genau dies schmeckt man in den Rieslingen von Querbach. Bereits der Riesling ›Schoppen‹ ist supersaftig und quicklebendig. Der 2019er etwa zeigt feine Würze, pikantes Spiel und bereitet Trinkfreude pur. Auch nach mehreren Jahren Reife, wenn viele andere Gutsweine längst ermüdet sind.
Diese Verfeinerung ist die nächste Stärke von Querbach. Alle Weine bieten richtig viel Geschmack, sind ausbalanciert, klar, zartcremig und moderat im Alkohol. Zumeist bewegen sie sich zwischen 11,5 und zwölf Volumenprozent, davon darf’s gern auch mal ein Glas mehr sein. Und sie reifen wie eingangs bemerkt bestens, brauchen oft sogar einige Jahre, um sich aus so manch reduktiver und verschlossener Phase zu öffnen. Wenn diese Weine dann ihren Charakter voll zeigen, passen sie auch bestens zum Essen. So gibt der Winzer zu den jeweiligen Jahrgängen stets auch eine Empfehlung zur passenden Speise. Und verschiedene Jahrgänge gibt es hier in einer ganz erstaunlichen Fülle. Aktuell reicht das Repertoire zurück bis zum Jahrgang 2001, dabei ist der jüngste in diesem Herbst angebotene der 2022er – auch dies ist eine Besonderheit von Querbach.
›Riesling international trocken‹ ist die Bezeichnung für die meist im feinherben Bereich angesiedelten Rieslinge, weil Peter Querbach auf Spontangärung setzt: die wichtigste Voraussetzung für die enorme Langlebigkeit der Rieslinge. Dafür hegt und pflegt der Winzer die Weinberge und wird nicht müde, davon zu erzählen, wie wichtig diese akribische Arbeit im Wingert ist. Dann erst bietet die Spontangärung mit natürlichen Hefen, bei der die Weine oft im noch nicht ganz trockenen Bereich stecken bleiben, mehr Frischepotenzial. Diese Weinbereitung sorgt zudem für mehr geschmackliche Nuancen und auch eine cremigere Textur, was das so lebendige Säurespiel puffert.
Und so faszinieren mich diese Rieslinge einerseits durch ihre direkte, lebendige Art, andererseits durch richtig viel Geschmack und Tiefe. Bis ganz zurück im Jahrgang 2001, zu dem sich Geschmortes empfiehlt. Der 2002er ›Hallgarten‹ ist gleichfalls delikat, aber auch muskulös und bietet damit reichhaltige Spannung. Das Pendant aus 2004 ist auch erfrischend lang, reifer in der Frucht, wirkt verspielter. ›Sur Lie‹ steht für längeres Hefelager. Der 2008er bietet cremig gepufferte Pikanz und minzige Frische. Der ›Milestone Oestricher Doosberg‹ 2013 ist jetzt auf dem Punkt: komplex mineralisch unterlegt, zart-salzig, zeigt etwas Karamell, viel Weinbergpfirsich und seidige Textur. Und auch dieser Wein hätte noch weiteres Potenzial, wenn man sich bezähmen kann. Selbst warme Jahrgänge wie 2015 und 2018 zeigen bei Querbach null Trockenstress oder gerieten zu mächtig beim Alkohol, sondern schmecken erstaunlich lebendig, präzise und – saftig. Da ist sie wieder, diese Souplesse, die so viel Trinkfreude bereitet. Da darf man sich getrost schon jetzt auf den kommenden Jahrgang 2023 freuen!
Weingut Querbach
Lenchenstraße 19, 65375 Oestrich-Winkel
06723 3887
DILLMANN PACKT’S

Das Weingut Dillmann bringt frischen Wind und einen coolen Zug ins traditionsreiche Anbaugebiet. Erst 1980 gründeten Annette und Karlo den Betrieb zunächst im Nebenerwerb, den dann die Söhne Marcel und Marius zur Hauptsache erklärten.
Ein neues Kellereigebäude nebst Vinothek und Straußwirtschaft. Zwei coole Jungs, die richtig anpacken können. Dazu dieses moderne Interieur und ein Corporate Design, mit dem man in jeder Metropole Europas im Gedächtnis bleibt: Das Weingut Dillmann hat sich enorm weiterentwickelt und liegt in prächtiger Lage oberhalb von Geisenheim. Die beiden Brüder Marius und Marcel wirken locker, lässig und selbstbewusst, blieben aber auch bodenständig und geerdet. Dabei profitieren sie von einer klaren Aufgabenteilung in der Familie: Marcel kümmert sich mit Vater Karlo um die Weinberge und den Keller, Marius ums Marketing und den Vertrieb und Mutter Annette um die organisatorischen Aufgaben.
Bereits die Gutsweine von Dillmann bereiten viel Trinkspaß. Der 2023er ›Riesling Alte Reben‹ bietet erstaunlich viel Geschmack und Frische zum kleinen Kurs, was für das Pendant, den 2022er ›Spätburgunder Roter Renner‹, ebenso gilt. Dann folgen schon die Lagenweine wie der ›Geisenheimer Rothenberg‹ 2022 mit mineralisch anklingender Tiefe, gefolgt von der kalibrierten Réserve 2020 aus dem ›Geisenheimer Kläuserweg‹ mit viel Substanz, Kraft und merklichem Holzeinfluss. »Riesling ist unsere Leidenschaft«, sagt Marius und man glaubt’s ihm aufs Wort. Dabei ist das Repertoire hier breiter gefächert: Neben nachhaltigen Naturweinen wie dem 2022er Spätburgunder Rosé mit dem ulkigen Namen ›Jana Türlich‹ gibt es auch ungemein süffige Spätburgunder Rosé wie den feinherben 2023er ›Rosalinde‹. Und wie gut Rotweine von hier schmecken können, zeigt der seidig-kirschfruchtige 2020er aus dem ›Assmannshäuser Höllenberg‹.
Weingut Dillmann
Langestraße 17a, 65366 Geisenheim, 06722 8162
SPREITZERS RIESLING-SPIEL

Foto: Weingut Josef Spreitzer
Das Weingut Spreitzer ist einer der führenden Betriebe im Rheingau. Vor allem auch deshalb, weil gerade im Weinberg der Grundstein gelegt wird.
»Unsere Weine schmecken vom ersten Jahr an«, sagt Andreas Spreitzer selbstbewusst und verweist auf die Arbeit im Weinberg, die in den vergangenen Jahren noch akribischer, qualitätsorientierter und präziser geworden ist: »So erzielen wir eine gleichmäßige Ausreifung für aromatische, extraktreiche und ausbalancierte Rieslinge mit eleganter Säure, die Substanz und Frische haben.« Die Rieslinge von Spreitzer sind animierend, niedrig im Alkohol, haben jedoch aromatisch viel zu bieten. Und man ist hier auch preislich deutlich am Boden geblieben. Bernd, seine Frau Mareike und Andreas Spreitzer engagieren sich mit insgesamt vier Kindern im Weingut, wo eine herzliche, freundliche, nie abgehobene Stimmung herrscht. So bekommt man hier noch einen Gutsriesling für unter zehn Euro – bei renommierten Betrieben inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr.
Der 2023er ›Spreitzer Oestricher Muschelkalk‹ ist der saftige Schluck ins Fruchtfleisch, der Appetit auf mehr macht. Bei nur 11,5 Volumenprozent Alkohol löst er dieses Versprechen souverän ein: Das filigrane Frucht-Säure-Spiel ist zart-mineralisch unterlegt und balanciert delikat zwischen Reife und Kühle. Und das Große Gewächs 2021 aus dem Rosengarten, der mauerumfriedet ist, zeigt enorme Konzentration, Gelbfleischigkeit, florale Frische und ein elegantes, pikantes Säurespiel mit viel Mineral. Riesling reloaded heißt hier eben auch eines: den Weinberg so einstellen, dass die Beeren harmonisch und extraktreich reifen und der Ortswein zum Beispiel gleichmäßig bei 88 und 92 Grad Öchsle gelesen werden kann. Auf diese Weise können Rieslinge auch jugendlich schon so prima munden.
Weingut Josef Spreitzer
Rheingaustraße 86
65375 Oestrich-Winkel
06723 2625
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