
Herr Graf, passt der Spielbegriff überhaupt zum manufaktürlichen Prozess, in dem die Sekte bei VAUX entstehen?
Schon die Entwicklungsgeschichte unserer neuen Sektlinie l’Artiste passt ideal dazu. ›l’Artiste‹ wie der Künstler, die Künstlerin. Kunsthandwerk hat für uns durchaus eine spielerische Komponente; es kann nur dann etwas Kunstvolles entstehen, wenn es geschmeidig von der Hand geht. Unsere beiden neuen Sekte verstehen wir als Kunsthandwerk. Ich würde in der Metapher sogar noch weiter gehen und den Vergleich mit einem Seiltänzer ziehen. Auch dieser muss sein Handwerk beherrschen, damit es in der künstlerischen Darstellung mühelos wirkt. Beim Launch einer neuen Sektlinie wie unserer l’Artiste geht es ebenso um Technik, um optimales Können, es braucht dazu Fleiß, viel Übung, undauch das führt nur dann zu solch einem schönen Ergebnis, wenn es auf spielerische Weise geschieht.
Ihr Produkt verbirgt die viele Arbeit dahinter in diesem eleganten, leichten und aromatischen Genuss.
Dies macht für mich persönlich Sekt auch so faszinierend. Auf den eleganten Tanz im Geschmack kommt es uns an. Es geht um die pure Trinkfreude bei charmanter Großartigkeit. In l’Artiste spiegelt sich all das wider. Daher geht an alle die herzliche Einladung nach Eltville, um die neue Sektlinie zu probieren!

Das ist gewiss auch ein Erfolg des ganzen Teams.
Aber sicher! Alle hier im Haus halten die neue Linie, bestehend aus l’Artiste und l’Artiste Rosé, für den next Level VAUX. Wir wollen Grenzen überschreiten, uns dabei aber auch treu bleiben, und zu dieser Balance verhilft Teamwork enorm.
Sind das auch Grenzen des Geschmacks?
Wie man es nimmt. Florian Franke, mein neuer Kollege, der das Weingut betreut, probiert gerne viel aus. Nur so können wir feststellen, ob wir an Grenzen stoßen. Er selbst macht in seinem eigenen Weingut Naturweine. Florian ist also Vollblut-Biodynamiker. Er wollte bei uns mit der Spontangärung beginnen. Am Ende war der gesamte Keller spontanvergoren. Das Ergebnis ist genial, ich bin ein großer Freund davon!

Kann man sich in der Sektherstellung auch ›verzocken‹?
Wenn man nach vorne denkt und etwas ausprobieren möchte, kann das auf dem Weg dahin schon passieren. Beim Riesling haben wir intern einmal mit dem Solera-Verfahren experimentiert. Von einem Gebinde im Keller gehen jedes Jahr zwei bis fünf Prozent in die nächste Cuvée. Die Cuvée wird zusammengestellt und die zwei bis fünf Prozent, die man vorher entnommen hat, werden wieder aufgefüllt. Das ist quasi eine ständige Verjüngung, aber auch ein nicht enden wollender Jahrgangsverschnitt. Das Solera-Verfahren ist aber bis dato bei uns nicht aufgegangen. Es gibt also auch bei VAUX Projekte, die wir verwerfen mussten, aber niemals einen unserer Sekte.
Bei allem Kalkül, aller Finesse und handwerklichem Geschick sind Glück und Zufall nicht beherrschbar, gerade bei einem Naturprodukt. Wie viel Anteil ist eigentlich Glückssache bei VAUX?
Wir haben selbstverständlich nicht alles in der Hand und brauchen in jeder Vegetationsperiode auch Glück. Die Natur lässt sich nicht in ein Schema pressen, das hat sie dieses Jahr wieder voll und ganz bewiesen. Zufälle kommen selbstverständlich dazu, aber in Form von Entdeckungen, willkommenen Aspekten, die einem plötzlich auffallen und die durchweg Freude bereiten.
Noch eine letzte Frage zum Spiel im Team. Wie viele Mitarbeitende zählt VAUX aktuell und wer ist bei der Assemblage- und der Dosage-Probe dabei?
Insgesamt sind wir überschaubare 21 Mitarbeitende. Bei der Cuvée der Grundweine sind wir mindestens vier bis fünf Gaumen, die entscheiden. Bei der Dosage mindestens drei bis vier. Wir spielen nur im Team!
Vielen Dank für das Gastspiel!
Sektmanufaktur Schloss VAUX AG
Kiedricher Str. 18A, 65343 Eltville am Rhein
Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–17 Uhr, Sa 11–14 Uhr
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