Mehr Demut

Gunter Künstler liefert Jahr für Jahr beeindruckende Weine. Dirk Becker besuchte ihn in seinem Weingut und im Keller und ist nach dem Kennenlernen vor weit mehr als 20 Jahren noch immer fasziniert vom Streben nach Perfektion.

Foto: Weingut Künstler


Lieber Herr Künstler, 2020 ist die gesamte Welt durch Corona aus den Fugen geraten. Wie macht sich das für Ihr Weingut bemerkbar?

Wir waren im Vertrieb breit aufgestellt und dennoch traf uns die Krise hart. Gastronomie: null Absatz. Fachhandel: null Absatz. Und der Export brach auch weg. Lediglich die Endverbraucher, um die wir uns aber auch all die Jahre immer intensiv gekümmert haben, blieben uns erhalten. Mit Veranstaltungen und Verkostungen haben wir unseren Kunden immer zeigen wollen, dass sie uns extrem viel bedeuten. Das hat sich nun bemerkbar gemacht. Wichtig war aber auch, dass unser Team es als Herausforderung annahm. Wir stehen besser zusammen als je zuvor. Das ist toll, in der Krise wirklich eine echte Mannschaft zu haben.

Die Menschen trinken wieder mehr zu Hause und im Kreise engster Freunde. Merken Sie dieses geänderte Konsumverhalten?

Ja, wir merken es sehr. Wir haben hier auf dem Weingut den Weinausschank von Freitag bis Sonntag eröffnet und stellen auch mit unseren Newslettern fest, dass viele Bestellungen so direkt vom Weingut zum Kunden gehen. Das passt eigentlich auch zu unserer Philosophie. Wir wollen ein Weingut zum Anfassen sein, kein falscher kultiger Schick hinter hohen Mauern, nicht so distanziert, sondern immer nah dran. Wir haben zudem stets ein weiteres Weingut aus Hochheim mit im Ausschank dabei. Wir wollen gute Partner sein, gute Netzwerker, und den Menschen zeigen, dass es gemeinsam besser geht. Wir merken, dass die Menschen sich nach genau dieser Nähe und Qualität sehnen.

Foto: Weingut Künstler
Foto: Weingut Künstler


Sie haben in den letzten Jahren Ihr Portfolio sehr erweitert und bieten von Rüdesheim bis Hochheim großartige Lagen. Was ist Ihr Anspruch?

Immer besser zu werden! Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Es sind 1.000 kleine Schritte, die mit viel Handarbeit verbunden sind, weil wir konsequent auf Spritzmittel gegen Insekten verzichten und diese bei der Lese sozusagen aus den Trauben ›rausrütteln‹. Es sind aber auch Investitionen in die Technik, wie beispielsweise in einen Drucktank, mit dem wir ganz andere Geschmacksergebnisse erzielen können – viel konzentrierter, ausdrucksstärker. Ungemein wichtig sind die Mitarbeiter, die mitfiebern, mitdenken, unsere Idee leben. Wir sind ein Weingut mit vielen Spitzenlagen. Das wollen wir zum Ausdruck bringen! Die Vielfalt unserer Weine entspricht den heterogenen Böden. So passen die beiden Lagen ›Hölle‹ und ›Kirchenstück‹ ja auch schon namentlich gar nicht zusammen. Aber als Cuvé der jeweiligen Böden, die den Trauben ganz unterschiedliche Mineralität mitteilen, würde es auch nicht gehen. Das harmoniert nicht, das schmeckt nicht. Wir haben eine Lagenkultur. Und wir wollen diesen Stellenwert der Einzellagen kultivieren, nicht anonym, sondern explizit. Auseinander gepumpt hat noch niemand, zusammen gepumpt viele. Das ist der Unterschied auf den es ankommt. 76 Prozent unserer Flächen sind für Große Gewächse geeignet, und das nutzen wir für den Stellenwert der Einzellagen und zwar Parzelle für Parzelle. Mineralitiät und Kraft in Hochheimer Rieslingen bis Cassis und Feinheit in Assmannshäuser Spätburgundern – aus diesem Fundus wollen wir schöpfen!

Für viele Weinfreunde steht Rheingau synonym für Riesling, doch Sie bieten mächtige und zugleich elegante Rotweine. Was ist Ihr Geheimnis?

Es gibt keine Geheimnisse. Es ist eher ein riesiger Prozess. Wir wollen Qualität und quälen uns tagtäglich dafür. Wir wollen unser Portfolio nicht straffen. Wir glauben, dass aus dem internationalen Fokus diese unterschiedlichen Weine und die Charaktere der Weinberge wiedergefunden werden wollen. Alle vereinfachen, wir aber arbeiten antizyklisch und differenzieren, wir lieben das Individuelle. Dafür geben wir uns viel, viel Mühe und ich verspreche, dass ein Wein, der bei uns 20 Euro kostet, nach 25 Euro schmeckt. Denn eigentlich will ich nicht das Geld der Menschen, sondern ihre Herzen und ihr Vertrauen. Historisch betrachtet ist Rheingau neben Riesling aber ebenfalls auch Spätburgunder, dieser war ja auch früher da. Wir versuchen dies in Erinnerung zu rufen und geben dafür unser Bestes. Vorbild ist mir dabei oft mein Vater, der auch immer seine eigenen Wege ging. Aber auch Größen wie Wilhelm Haag an der Mosel, Helmut Dönnhoff von der Nahe, Franz Hirtzberger aus der Wachau, George Roumier aus dem Burgund und Miles Mossop aus Südafrika.

Vieles ist derzeit im Wandel. Was wünschen Sie sich?

Mehr Demut. Mehr wir. Weniger ich. Zurück zu mehr Respekt. Und eine Aufbruchsstimmung, die dies zur Symbiose in einer gesunden und friedfertigen Welt bringt.

Herr Künstler, vielen Dank für diese schöne Gespräch!

Weingut Künstler

weingut-kuenstler.de


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