
»Unser größtes Kapital sind unsere steinigen Böden«, sagt Heiko Bamberger, »sie wechseln ständig und zeigen eine enorme Vielfalt und Güte. Und das schmeckt man selbstverständlich auch in den Sekten!« Tatsächlich zeigen diese eine enorme Frische, ein festes, elegantes Säurespiel und eben den oft auch typisch mineralischen Kick der Nahe. Vor allem erstaunt die meist dichte Aromatik bei moderatem Alkohol. Die Beeren profitieren hier einfach von der langen Vegetationsperiode und können gerade im Herbst, wenn die Nächte kühler werden, noch weiter physiologische Reife aufbauen, ohne dass der Zuckergehalt durch die Decke geht. Schon als Jugendlicher ist Heiko Bamberger mit seinem Vater etliche Male in die Champagne gefahren, wo sich der Betrieb qualitativ orientiert hat. Bereits vor rund 40 Jahren begann die eigene Versektung bei Bamberger, damit zählt der Betrieb zu den Vorreitern des neuen deutschen Sektes. Stilistisch betont man gerade in den letzten fünf Jahren noch mehr die Finesse, liest etwas früher, was zu noch niedrigerem Alkohol und auch strammerem Zug führt. Im Fokus steht neben nachhaltigem Wirtschaften ganz klar der Riesling. »Das ist unsere Signature- Sorte«, sagt Heiko Bamberger, »sie macht uns weltweit einzigartig und ist gerade an der Nahe so spannend.« Dabei setzt das Gut bereits seit Jahren auf eine Dreiteilung. Der 2021er Blanc de Blanc Brut aus Riesling und Weißburgunder zeigt bei nur 11,5 Volumenprozent Alkohol eine erhebliche Portion Geschmack. So kann die Traditionslinie den Alltag verschönern. Pinot Rosé und Riesling Brut Nature Prestige, beide aus 2017, zeigen dann schon genau diese Strahlkraft und Spannung bei sehnig-festem Säurespiel und pointierter Perlage. Dann die Grande-Réserve-Linie: Der 2015er Grande Pinot Brut Nature aus einem Hefelager von mindestens 60 Monaten balanciert souverän Tiefe, Statur, weinige Anklänge und dicht gewebtes Mousseux aus. An der Spitze steht ein Riesling, und zwar als Brut Nature 2011 Limited Edition. Decade steht hier für Charakter. Alles Vordergründige ist gewichen. Würzig, floral, komplex, gelbfleischig und noch ungemein frisch, bei einem zarten Zitruszug. Zehn Jahre Hefelager sind ein Wort!

Volker Raumland ist zweifellos der Vorreiter deutscher Sektkultur, die sich am Champagner-Style orientiert und feinstes Mousseux, ausgedehntes Hefelager, hefige Aromen und Finesse in den Fokus rückt. Die Ingredienzien dafür liegen in einer sorgsam bedachten und akribisch ausgeführten Melange: Bio-Zertifizierung bereits seit 2002, präzises Lesemanagement, ausgedehntes Hefelager und Verwendung der hochwertigen ersten Pressung. Dann brachte sieben Jahre lang die französische Önologin Carole Levebvre ihr Know-how ein, beste Beziehungen zur Champagne entstanden und es konnte auch ein idealer vierstöckiger, kühler Reifekeller in Mölsheim gekauft werden. Aktuell steht die Übergabe an die Töchter Katharina und Marie-Luise an, die international geschult sind und voller Ideen stecken. So sollen keine Trauben mehr zugekauft und das Weinbergsmanagement noch rigoroser auf eine langsame Reifung der Trauben abgestimmt werden, damit sich noch mehr Aromen einlagern und die Sektgrundweine möglichst vital und straff sein können. Neu ist laut Marie-Luise auch das Solera-Verfahren bei der Cuvéetierung: »Katharina und ich haben damit begonnen, mit dem ersten Jahr unseres Wirkens eine Solera Cuvée zu erstellen. Dabei wird jährlich die Hälfte dieser Cuvée entnommen, um vom Folgejahrgang etwas hinzuzugeben. Nach fünfmaliger Wiederholung haben wir so unsere erste Solera Cuvée mit fünf Jahrgängen auf die Fla- sche gebracht. Begonnen wurde mit dem Jahrgang 2015. Die zweite und dritte Füllung liegen ebenfalls bereits im Keller auf der Hefe. Diese Cuvée wird voraussichtlich im Jahr 2024 kommen.« Man darf gespannt sein, sind doch die aktuellen Sekte bereits über jeden Zweifel erhaben: Die 2018er-Cuvées von Marie-Luise und Katharina zeigen profunde Finesse mit Zug und köstlichem Charme. Dann die Rosé Réserve aus 2014: Als würden Beeren eine Seidenhaut tragen, so zart schmeckt jeder Schluck. Das XIV. Triumvirat 2014 bietet großen Champagnercuvées locker Paroli: Kraftvolle Tiefe und raffiniertes Spiel sind nur zwei Seiten einer Medaille. Die Kirchenstück Réserve 2014 lässt kantigen, kühlen Kalk aufblitzen, setzt souverän auf Herkunft und die Grande Réserve 2010 ist unwiderstehlich, packend, groß. Nur, auch wenn das im Winter 2023/24 ein wenig komisch klingen mag: immer noch zu jung …
Für Isabel Strauch-Weißbach und Tim Weißbach ist Sekt ein Lebensgefühl, das beschwingt ist, beschwingt macht, und weit mehr als bloßer Aperitif. Ganz so wie in der Champagne schätzt das Ehepaar auch das sektkulinarische Faible. »Unsere Kunden machen das immer mehr und sind überrascht, wie gut Sekt selbst zu gegrilltem Fleisch passt«, sagt Isabel Strauch-Weißbach. Aktuell hat die Manufaktur ihr Sortiment auf eine Dreiteilung mit strengen Qualitätsmaximen umgestellt. Ein Renner in der Basis ist der Pinot Blanc Brut. Die Traditionslinie für jeden Tag und herrlich aromatischer Begleiter etwa zu Feldsalat mit Walnüssen und Ziegenkäse. Ganz neu ist der Riesling Prestige Extra Brut: griffig, pur, herrlich lebendig ausbalanciert. Und der Rosé Prestige ist eine pastellfarbene Versuchung auch einfach mal zum Wintergrillen oder zum Wild. Souverän trotzt allen banalen Fruchtaromen die Grande Réserve 2012 Brut Nature. Im Stil eines großen Champagners kalibriert, zeigt diese Cuvée exemplarisch, was 96 Monate Hefelager bewirken können: ein Ausbund an Finesse und am besten nicht zu kühl aus einem Weißweinglas genießen. Hier changieren die Aromen fast bei jedem Schluck!
Isabel schätzt diese Sektmacher-Réserve auch zum Roastbeef mit Parmesan-Kräuterkruste, Herzoginkartoffeln und Burgunderjus. Und da Sektgenuss auch immer etwas Geselliges ist, hat das Paar einen Club gegründet. Als Mitglied im ›120 Zeilen Club‹ kann man die Entstehung der herausragenden Bio-Sekte das ganze Jahr begleiten, etwa Rebschnitt, Weinlese und den Ablauf der traditionellen Flaschengärung vor Ort erleben. Neben exklusiven Events und speziellen Sektpaketen ist der Clou auch eine Patenschaft für eine Rebzeile auf dem Mettenheimer Michelsberg, der Premium-Lage von Strauch. Keine Frage, Sekt hat bei der Edelschmiede von Strauch etwas Luxuriöses. Und das schmeckt man!
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