Den Wein erkennst du blind

Den ›Pares‹ erkennst du blind. Statur und Kontur zeigen aber kein selbstverliebtes Machogehabe, sondern bestechen durch definierte Langlebigkeit und Präzision. Ja, der Pares ist muskulös, aber die Fleischigkeit schmeckt durchtrainiert und ist eingehüllt in ellenlanges, süßes Tannin.

Die Pares 2006 und 2007 vom Spätburgunder und der Frühburgunder 2012 strahlen noch heute! Fast so, als würden sie souverän den Staub der vielen Jahre abstreifen und sagen können: Seht her, das ist mein wahrer Charakter, meine Ingelheimer Identität. Aber ein Pares ist in seiner Jugend auch nichts für Weicheier, vielmehr ein Wein, der zulangt am Gaumen. Doch während der Reife, so ab vier, fünf Jahren, tritt beim Genießen noch ein ganz anderes Gefühl dazu: Schluck für Schluck steigt man förmlich in seine Tiefe hinab, um noch mehr an Würze zu ergattern, noch mehr an seidiger Ausdruckskraft. Die Gerbstoffe werden sanfter und 

einen Tick süßer. Und trotz einer gewissen Opulenz im Alkohol, die Jürgen Mett in den letzten Jahren aber zügeln konnte, kommt unerhörte Trinkfreude auf. Sein Pares kennt auch kein Pardon, doch ist die Flasche leer, bist du nicht zu schwach. 

Für Jürgen Mett ist das seine Paradelage, auf die er besonders stolz ist und der er auch eine Sonderstellung in Ingelheim beimisst: »Wir haben 2004 die beiden Weinberge im Pares mit Früh- und Spätburgunder von meinem Schwiegervater Rainer Weidenbach übernommen. 


Sie haben relativ leichte, durchlässige, unglaublich fruchtbare und gut durchwurzelbare Lössböden, die sehr mächtig sind, schnell abtrocknen, sich zügig erwärmen und abkühlen. Im Untergrund ist eine massive Kalkschicht. Geografisch ist die Geländeformation oberhalb des Pares besonders, die eine Kaltluftströmung während der Reife- und Aromaphase begünstigt, sodass hier ein starker Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht stattfindet. Das ist für die Aromaausprägung sehr entscheidend! Die windoffene Ausrichtung nach Westen begünstigt die Abdeckung der Trauben und sorgt auch in schwierigen Jahren für eine lange Gesunderhaltung. Das ermöglicht eine flexible Lese und großen kreativen Spielraum für den Winzer. Dabei lesen wir die letzten Jahre tendenziell etwas früher. Nicht mehr bei satten 105 Öchsle, sondern eher mit Biss und frischerem Aroma bei maximal 95 Öchsle – wie meist auch im Burgund.« 

Jürgens Augen leuchten. Der Pares ist sein Premiumwein, irgendwie auch sein Ein und Alles. Dabei hat er auch spannende Weiße in petto. Etwa den Riesling aus der kalkreichen Spitzenlage ›Unft‹: kandierte Zitrusfrüchte, frisch geschnittene Kräuter, etwas Steinobst, eine zarte Minzfrische und purer Saft am Gaumen. Der Riesling Gutswein ist wie das Pendant vom Spätburgunder ›Ingelheimer Saltimbocca‹ – also ›Spring-in- den-Mund‹. Der Ingelheimer Chardonnay ›S‹ hat noch sensibleres Holz bekommen, eine noch feinere Aromaspur, während der Ingelheimer Grauburgunder einfach nur richtig Gas gibt. Frei nach Jürgens Credo: »Ich mache alles aus dem Bauch heraus.« 

Er ist eben ein Pfundskerl, bei dem ohne seinen Pares gar nichts geht: »In den ersten Jahren dominiert die typische fein-süßliche Waldbeeren- Aromatik, die beim Frühbur- gunder noch ausgeprägter ist. Dazu kommen kräuterige Noten und die Röstaromen vom Holz. Während der Reife bilden sich würzige Nuancen, die beim Pares häufig an Süßholz erinnern. Was sich aber immer zeigt, sind satte Länge und Tiefe. Das hat mich selbst bei 15 oder 30 Jahre alten Pares-Weinen geflasht!« 

Stilistisch hat Jürgen seinen Roten eine kleine Entfettungskur verpasst, die ihnen ganz wunderbar steht. 2016 und 2017 sind köstliche Geschenke an die Lage – und an uns! Ganz gewiss nicht Everybody’s Darling, dafür aber weitaus spannender und im Holzeinsatz nuancierter. Etwas kühler und eleganter als früher, aber auch mit Kante und Charakter. Weg von französischer oder amerikanischer Eiche – hin zum traditionellen 600-Liter- Halbstückfass. Einen Teil davon fertigt ein befreundeter Franzose und kauft regelmäßig Ingelheimer Pares, um ihn mit ins Burgund zu nehmen. In der eigentlichen Heimat des Pinot noir weiß man also auch, was gut ist!

Mett & Weidenbach

weingut-mett.de


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