
Im 959 in Heidelberg wird jedes Essen zu einem eigenen Fest. Küchenchef Michael Braun war mit VivArt im Gespräch über Leidenschaft, Teamgeist und die Kunst, mit Herz zu kochen.
Lieber Herr Braun, Präzision und Leidenschaft sind zentrale Werte in der gehobenen Gastronomie. Wie zeigen sich diese Werte in der Identität und Philosophie Ihres Restaurants?
Wie in jedem Handwerksberuf braucht es Leidenschaft, wenn es gut werden soll. Bei uns geht es zudem um die Verbindung aus Präzision, Innovation und Emotion: Jedes Detail, von der Auswahl der Zutaten über die Konzipierung der Gerichte bis hin zum Service und zur Atmosphäre, folgt einem klaren Anspruch an höchste Qualität. Wir arbeiten überall mit derselben Hingabe mit dem Ziel, jedem Gast ein außergewöhnliches Erlebnis zu bereiten. Alles entscheidend dafür ist der Mitarbeiter und die Motivation, die er mitbringt. Das Berufsbild soll immer Anerkennung erfahren: zufriedene Kollegen – zufriedener Gast.

Wie sehr prägt der Standort Heidelberg mit seiner Mischung aus Tradition und Internationalität Ihre Küche?
Tatsächlich gar nicht. Wir versuchen, in erster Linie ein breites Portfolio abzudecken, das heißt, wir bieten Fine Dining, aber auch Gerichte wie Schnitzel, Gulasch und Pizza an. Die Idee dahinter: Jeder Gast soll zu jeder Tageszeit etwas finden, das ihm schmeckt. Die kulinarische Vielfalt kommt eher aus unserem Herzstück, der Küche des 959, weil wir hier Angestellte aus vielen verschiedenen Nationen haben, die sich auf den Tellern verwirklichen können. Kein Gericht stammt nur von mir: Jemand hat eine Idee, wir alle probieren davon und irgendwann schafft das Gericht den Weg auf die Karte, wo es dann viel Freude bei unseren Gästen findet.
Gibt es ein Gericht auf Ihrer Karte, das besonders für die DNA des Hauses steht?
Wir haben einige Signature-Gerichte, die bleiben. Es geht darum, etwas Neues zu anzubieten, aber gleichzeitig Bewährtes zu bewahren. Dazu gehören das Thunfischtatar, das Wiener Schnitzel, das Gulasch, die Seezunge und der Caesar Salad.

Die Deutschen gelten nicht gerade als spendabel, vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise. Wie gelingt es Ihnen, Menschen dennoch für Genuss zu begeistern?
Ein Besuch im 959 ist eine absolute Auszeit. Man kommt hierher und findet ein einzigartiges Ambiente vor, das man vielleicht in Großstädten wie New York und Tokio erwarten würde, aber nicht in Heidelberg. Der Abend beginnt mit dem ersten Kontakt zum Kellner, und meine Kollegen im Service sind darin geschult, unsere Gäste auf eine persönliche, familiäre Art und Weise abzuholen, was ihnen leichtfällt, da wir hier nicht nur Kollegen, sondern tatsächlich Freunde sind. Unter anderem deshalb ist unser Motto ›Zu Gast bei Freunden‹ und genauso soll es sich anfühlen – legt die Füße hoch, lacht, seid laut, habt Spaß!
Das Motto unserer Winterausgabe lautet ›Let’s Celebrate‹ – was gibt es für Sie im 959 jeden Tag zu feiern?
Wir legen sehr wenig Wert auf Auszeichnungen, aber natürlich strebt jeder Mensch nach Anerkennung. Wenn wir diese mit unseren Händen, unserem Tun und unserem Sein erfahren können und mich am Ende des Tages die Gäste anstrahlen – und das ist tatsächlich, ohne uns selbst zu loben, in 98,5 Prozent der Fälle so – dann ist es das, was wir täglich feiern. Egal, wie hart der Tag war, wie viele Stunden man geschoben hat und wie viele Probleme man bewältigen musste: Dieses Strahlen macht am Ende des Tages alles wieder wett.
Vielen Dank für das Gespräch!

959 Heidelberg Stadtgarten GmbH & Co. KG
Friedrich-Ebert-Anlage 2
69117 Heidelberg
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