
Als Künstlerin in Wiesbaden begegne ich Ikonen weniger in monumentalen Bildern als in leisen Momenten – auf Spaziergängen durch die Stadt, in Farbstimmungen, im Zufälligen. Wiesbaden bietet dafür viele Zwischenräume: Parks, Fassaden und Lichtwechsel. Meine Arbeit ist abstrakt, ich arbeite mit der Soak-Stain-Technik. Farbe darf fließen, sich ausbreiten, reagieren. Kontrolle und Loslassen liegen nah beieinander. Genau dieses Spannungsfeld ist mein Zugang zu Ikonen.
Frankenthaler, Kahlo, O’Keeffe – weibliche Ikonen der Kunstgeschichte
Meine Vorbilder finde ich auf Social Media und in der Kunstgeschichte. Helen Frankenthaler fasziniert mich durch ihren radikalen Umgang mit Farbe, Frida Kahlo durch ihre kompromisslose Selbstdarstellung, Georgia O’Keeffe durch ihre ruhige Kraft. Sie sind für mich Ikonen, weil sie Räume geöffnet haben: formal, emotional und biografisch.
Übersehen und reduziert – die schwierige Suche nach weiblichen Ikonen in der Kunst
Gleichzeitig merke ich, wie schwierig es ist, weibliche Ikonen in der Kunst zu finden. Viele wurden lange übersehen oder reduziert. Die Suche nach ihnen ist Recherche und Widerstand zugleich.
Neue Bildsprachen: Jadé Fadojutimi, Celine Lee und Flora Yukhnovich
Ikonen sind keine festen Bilder, sondern Projektionsflächen. In Zeiten permanenter Bilderflut entstehen neue Ikonen durch Haltung und Konsequenz. Künstlerinnen wie Jadé Fadojutimi, Celine Lee und Flora Yukhnovich zeigen mir zeitgenössische Bildsprachen – offen, emotional, körperlich. Ihre Malerei bewegt sich zwischen Fläche, Rhythmus und Wiederholung; die Bilder wirken nicht abgeschlossen, sondern im Prozess.
Die Ikonen von morgen – im Fluss, im Offenen
Als selbständige Künstlerin frage ich mich, welche Bilder heute Bedeutung tragen können. Ich möchte Entwicklungen beim Wachsen zusehen, dort, wo sich Gegenwart formt. Vielleicht entstehen die Ikonen von morgen genau jetzt – im Fluss, im Offenen.
Marleen Thomas
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