
Die Selfie-Ecke im Museum Wiesbaden zeigt einen eindrucksvollen Kontrast: Das Bild der Ophelia, die sirenengleich zwischen Leben und Tod im Wasser schwebt – unter einer schillernden Discokugel. Hier warten gespannt einige Teilnehmende auf den Beginn der Führung, deren Plätze schon seit Wochen vergeben sind. Viele von ihnen, darunter auch ich, nehmen sich einen Flyer zur Ophelia-Schnitzeljagd. In der gesamten Dauerausstellung sind 13 Buchstaben auf dem Boden verteilt, die am Ende ein Lösungswort ergeben sollen.
Taylor Swift und die Wiederentdeckung von Ophelia
Seit der Veröffentlichung von Taylor Swifts neuestem Album ›The Life of a Showgirl‹ im Oktober 2025 dreht sich im Museum alles um Ophelia. Das Musikvideo zu ›The Fate of Ophelia‹, das weltweit in Kinos Premiere feierte, hat dem Gemälde neue Aufmerksamkeit verschafft. Das Werk, einst von Ferdinand Wolfgang Neess gestiftet, gehört heute zur bedeutenden Jugendstil-Sammlung des Hauses.
Führung durch die Jugendstilsammlung
Als es endlich so weit ist, führt uns Dr. Annkatrin Kaul-Trivolis in die Jugendstilsammlung. Gleich beim Eingang der Ausstellung hängt das Gemälde, das Wiesbaden und die Welt im Sturm erobert hat. Friedrich Heysers Ophelia wirkt im Kontrast zur lebensbedrohlichen Situation, in der sie sich befindet, friedlich. Vor dem Gemälde spielt Frau Dr. Kaul-Trivolis das Musikvideo und plötzlich durchbricht Popmusik die ehrfürchtige Stille des Museums. Am Absperrband vor dem Gemälde entdecke ich einige Freundschaftsbänder, die einige ›Swifties‹ vor uns hinterlassen haben. Dieser Anblick in Kombination mit der Musik wirkt in der traditionsreichen Umgebung des Museums fremd und doch erfrischend.

Frauenbilder zwischen Opfer und Verführerin
Die Führung spannt einen thematischen Bogen zwischen verschiedenen Frauen, von Ophelia zu Eva, von der Sphinx zu Sappho. Die Frauenbilder wanken zwischen der gerissenen Verführerin, die Männer in ihr Verderben führt, und dem hilflosen Opfer, das zugrunde geht. Dazu erfahren wir von der ›Unbekannten aus der Seine‹, einer Frauenleiche, deren sanft lächelnde Totenmaske zur Zeit des Jugendstils als Einrichtungsgegenstand Beliebtheit gewann. Der Archetyp der schönen Frauenleiche führt uns zurück zu Ophelia, die ähnlich rätselhaft wie die Unbekannte hinter der Totenmaske bleibt.
Die Swiftie-Schnitzeljagd in der Ausstellung
Nach der Führung bleibt nur noch eine Stunde, bis das Museum schließt, und doch will ich unbedingt noch das Lösungswort für die Swiftie-Schnitzeljagd erfahren. Meine Reise führt mich von der Jugendstilausstellung zu den alten Meistern über die Moderne zur Natur, und die cleveren Verbindungen, die die Schnitzeljagd zwischen Swifts Liedern und den Ausstellungsstücken herstellt, faszinieren mich. Abends unter der Woche bei nur wenigen Besuchenden wirken hier die Tiere, für immer in ihren Bewegungen eingefroren, beinahe unheimlich. Am Ende hilft mir ein freundlicher Sicherheitsangestellter, der mir meine Verzweiflung ansieht – doch noch bevor ich das letzte Rätsel löse, ertönt der Gong und beendet meine Suche vorzeitig. Ich werde es nun also nicht sein, die am 13. des Monats ein Ophelia-Paket gewinnt, und doch fühle ich mich durch diesen Abend bereichert. Denn auch ohne Lösungwort haben mich das Museum Wiesbaden und Taylor Swift auf einzigartige Art und Weise durch die Kunstgeschichte geführt.

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Museum Wiesbaden
Friedrich-Ebert-Allee 2
65185 Wiesbaden
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