
Deine aktuelle Ausstellung zeigt neben Malerei auch erstmals Keramik – was hat dich persönlich dazu bewegt, dein künstlerisches Spektrum zu erweitern?
Ich arbeite schon seit meinem Studium mit Ton und bin Fan davon. Zwischenzeitlich gab es einfach keinen inneren Drang oder ein Projekt, das Keramik erfordert hätte. Nach einigen Jahren der Malerei entstand die Idee, Dinge dreidimensional aus den Bildern ›herauszuholen‹. Da war schnell klar, dass Ton das geeignete Material dafür ist. So sind die welken Blumenvasen entstanden. Ich beschäftige mich in meinen Arbeiten viel mit weiblichen Rollenbildern und Mutterschaft. Gerade deshalb finde ich Keramik so spannend, weil es viele Eigenschaften verkörpert, die wir mit Weiblichkeit in Verbindung bringen: Sinnlichkeit, Zerbrechlichkeit, Fürsorge.

In deiner Ausstellung geht es viel um Vergänglichkeit und das Festhalten von Momenten – warum ist dieses Thema jetzt für dich so relevant?
Wahrscheinlich ist es die Gleichzeitigkeit von Leben und Tod, von Geburt und Verlust, die mich in den vergangenen Jahren begleitet hat. Ich bin zum ersten Mal Mutter geworden und habe anschließend viele Todesfälle in meiner Familie erlebt. Nun bin ich erneut schwanger. Ich musste erfahren, dass Trauer ein Prozess ist. Dadurch habe ich mich intensiv mit meiner Familiengeschichte beschäftigt – und so auch mit Vergänglichkeit und der Frage, was bleibt, wenn viele Menschen gehen.
Dabei hast du dich auch intensiv mit Familienalben beschäftigt – gab es dabei einen Moment, ein Foto, eine Erinnerung, die deine Arbeit besonders geprägt hat?
Das Durchwühlen der Familienalben wurde zu einer Art Trauerbegleitung. Das war natürlich schön und gleichzeitig superschwer. Es gab aber ein Foto von einem typischen 1980er-Jahre-Buffet zum 40. Geburtstag meines Vaters. Dieses Bild war liebevoll und bedrückend zugleich – das wollte ich sofort malen.

Viele deiner Motive zeigen genau diese Wechselwirkung zwischen Alltäglichkeit und emotionaler Aufladung – wie sieht dein Weg vom ersten Impuls bis zum fertigen Werk aus?
Ich finde Alltag und Belanglosigkeit unglaublich spannend. Mir macht es Spaß, Gewöhnliches durch Inszenierung oder Größe aufzuladen. Es erlaubt, dass Größe und Motiv miteinander konkurrieren. Manchmal ist es am Anfang nur eine alltägliche Situation oder ein Schnappschuss, die mich durch ihre Unaufgeregtheit fesseln. Wenn ich ein Foto als Inspiration habe, entferne ich mich im Laufe der Arbeit davon. Ich werde freier, das Bild beginnt sich zu verschieben: Dinge verschwinden oder ich füge etwas hinzu. Es ist wie in einem Traum – ein Ort, von dem man genau weiß, wo man sich befindet, der aber in der Realität so niemals funktionieren würde.

Deine Zusammenarbeit mit der Galerie begann über Social Media – wie hat dieser eher ungewöhnliche Weg dich als Künstlerin beeinflusst?
Ich glaube, vielen Kunstschaffenden geht es ähnlich wie mir: Der Einstieg in den Kunstmarkt ist schwer, und mit der Selbstvermarktung tut man sich oft noch schwerer. Man lässt nicht jeden ›reinschauen‹, gleichzeitig gibt es da dieses Medium, das es eigentlich so einfach machen sollte, sich zu präsentieren und zu rufen: »Hier bin ich!« – Es ist Fluch und Segen zugleich. Dass die Zusammenarbeit mit der Galerie über Instagram entstanden ist, hat mich als Künstlerin selbstbewusster gemacht. Es hat mich darin bestärkt, an die eigene Arbeit zu glauben und die Chancen zu sehen, wie sich der Kunstmarkt neu demokratisieren kann.
Wenn Besucherinnen und Besucher deine Ausstellung verlassen: Was sollen sie idealerweise fühlen oder mitnehmen?
Sie sollen Spaß haben. Und danach soll es sie ein bisschen jucken oder kitzeln, weil die Bilder eben auch viel Ambivalenz in sich tragen.
Sarah Geppert | Ein paar Blumen, ein paar Bilder
Bis 6. Juni 2026
Galerie Greulich
Fahrgasse 22
60311 Frankfurt am Main
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