
Polarisierung, Emotionalisierung und Diffamierung prägen die politische Debatte unserer Gegenwart. Politische Propaganda ist dabei kein neues Phänomen. Ein Blick zurück hilft, das Heute besser zu verstehen. Genau hier setzt die aktuelle Ausstellung im Museum Wiesbaden an, die politische Plakate zwischen 1918 und 1933 als Spiegel gesellschaftlicher Stimmungen und Machtverhältnisse zeigt.
Vom Werbeplakat zum Instrument politischer Kommunikation
In Deutschland besitzt das politische Plakat eine vergleichsweise junge Tradition. Lange Zeit dienten Plakate ausschließlich der Werbung, wie zuletzt die Kabinettausstellung ›Plakatfrauen‹ im Museum Wiesbaden eindrucksvoll vor Augen führte. Besonders im Jugendstil wurde das Plakat zum bevorzugten Medium junger Kunstschaffender. Es vereinte Gestaltung, Haltung und den Anspruch, Kunst in den Alltag zu bringen und Menschen direkt zu erreichen.
Ausstellung ›Unter Druck – Politische Plakate 1918–1933‹
Erst mit dem Ersten Weltkrieg wandelte sich das Plakat zum zentralen Instrument politischer Kommunikation. Vor 1914 war die öffentliche Verbreitung politischer Meinungen stark reglementiert. In Kriegszeiten jedoch wurden Plakate zu Trägern von Botschaften, Emotionen und Ideologien. Eine Entwicklung, deren Wirkung bis heute spürbar ist. Die neue Ausstellung ›Unter Druck – Politische Plakate 1918–1933‹, die auf Plakaten aus der Sammlung von Maximilian Karagöz basiert, folgt einer klaren Dramaturgie. Sie führt die Besucherinnen und Besucher von der Zeit nach dem Krieg hinein in die politischen und gesellschaftlichen Spannungen der Weimarer Republik. Neben dem politischen Klima stehen auch die Veränderungen in Bildsprache, Symbolik und Gestaltung im Fokus. So wird sichtbar, wie sich visuelle Strategien im Laufe der Zeit zuspitzen und radikalisieren.
Wie politische Plakate Emotionen, Botschaften und Ideologien transportieren
Bereits zu Beginn der Ausstellung weist Kurator Dr. Peter Forster in einem Disclaimer darauf hin, dass die gezeigten Plakate rassistische, sexistische und diffamierende Motive enthalten können. Diese werden stets im historischen Kontext betrachtet. Deutlich wird dabei der Bildungsauftrag des Museums: Die Ausstellung möchte nicht provozieren, sondern sensibilisieren und Medienkompetenz fördern. Oder, frei nach dem Begründer der Medientheorie Marshall McLuhan, verdeutlichen, dass das Medium selbst Teil der Botschaft ist.
Kooperation mit dem Hessischen Landtag
Entstanden ist die Ausstellung in Kooperation mit dem Hessischen Landtag. Ab März wird sie dort fortgeführt. Im Rahmen des parlamentarischen ›Abend der Kultur‹ werden ab dem 18. März politische Plakate aus den Jahren 1945 bis 1991 gezeigt.

VivArt Service
Unser Tipp: Ein Blick ins Begleitprogramm lohnt sich. Wie gewohnt bietet das Museum Wiesbaden vertiefende Veranstaltungen, darunter am 12. März der Vortrag ›Zwischen Zensur und Provokation‹, der die Themen der Ausstellung weiter öffnet.
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